Bertelsmann schließt 2009 mit Umsatzrückgang, aber Gewinn ab / Hartmut Ostrowski: Signale auf Wachstum stellen

Bertelsmann hat sich in schwieriger Marktlage erfolgreich behauptet und das Geschäftsjahr 2009 mit einem Gewinn abgeschlossen“, meldet das Unternehmen in einer veröffentlichten Presseerklärung zur eben gestarteten Bilanz-Pressekonferenz.

Nachdem im ersten Halbjahr ein konzernweites Kosten- und Effizienzprogramm gestartet und zudem allen erkennbaren Risiken bilanziell Rechnung getragen worden war, gelang im zweiten Halbjahr die Trendwende. Umsatz, Operating EBIT und Konzernüberschuss lagen im zweiten Halbjahr über dem ersten Halbjahr und die Ertragsseite auch über Vorjahr.

Das Minus bei Umsatz und operativem Ertrag im Gesamtjahr fiel damit vergleichsweise moderat aus; die Auswirkungen der Wirtschaftkrise konnte Bertelsmann abfedern. Unter dem Strich verblieb ein Nettogewinn. Bertelsmann gelang es 2009 in verschiedenen Branchen und Regionen, Marktanteile hinzuzugewinnen. Die Schulden wurden zurückgeführt, die Kerngeschäfte mit gezielten Investitionen weiterentwickelt. Für 2010, das Jahr des 175. Firmenjubiläums von Bertelsmann, erwartet das Unternehmen in einem weiterhin herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld einen stabilen Umsatz und operativen Ertrag sowie einen deutlichen Anstieg beim Konzerngewinn.

Bertelsmann erzielte vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise im Geschäftsjahr 2009 einen Konzernumsatz von 15,4 Mrd. Euro nach 16,2 Mrd. Euro im Vorjahr (- 5,4 Prozent). Bereinigt um Portfolio- und Wechselkurseffekte ging der Umsatz um 5,8 Prozent zurück. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen (Operating EBIT) bewegte sich mit 1.424 Mio. Euro nach 1.575 Mio. Euro im Vorjahr (- 9,6 Prozent) weiterhin auf einem hohen Niveau. Die operative Umsatzrendite betrug 9,3 Prozent (Vorjahr: 9,7 Prozent). Bertelsmann nahm im Jahr 2009 außerplanmäßige Abschreibungen unter anderem auf die TV-Geschäfte in Großbritannien und Griechenland sowie auf den Tiefdruckkonzern Prinovis vor. In allen Unternehmensbereichen wurden im Zuge des Kosten- und Effizienzprogramms Geschäfte restrukturiert. Die Sondereinflüsse beliefen sich insgesamt auf 730 Mio. Euro (Vorjahr: 676 Mio. Euro). Trotz dieser Bereinigungen verbuchte Bertelsmann mit 35 Mio. Euro ein positives Konzernergebnis (Vorjahr: 270 Mio. Euro).

Hartmut Ostrowski: „Wir verlagern jetzt den Schwerpunkt unserer strategischen Arbeit. Standen 2009 Kosten- und Cash-Management im Mittelpunkt, wird es uns in diesem Jahr vor allem darum gehen, die Signale auf Wachstum zu stellen. Im Vordergrund stehen hier eine weitere Forcierung der vielfältigen Digitalaktivitäten in allen Geschäftsbereichen und der Zugewinn von Marktanteilen. Die Digitalisierung und die Konvergenz digitaler Endgeräte bergen enorme Potenziale für ein Unternehmen wie Bertelsmann, das sowohl qualitativ hochwertige Inhalte als auch vielfältige Dienstleistungen bietet. Bertelsmann bringt seine Inhalte auf alle relevanten Kanäle. Hierbei helfen uns nicht nur unsere starken Marken, sondern auch unsere Expertise in digitalen Services. Wir haben in unserer 175jährigen Firmengeschichte immer wieder unter Beweis gestellt, dass wir aus unseren Kernkompetenzen heraus neue Geschäfte entwickeln, zur Marktreife führen und zum Erfolg bringen können.“

Random House erwirtschaftete 2009 unter schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einen stabilen Umsatz und ein gleichbleibendes Operating EBIT. Der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr erzielte Umsatzerlöse und einen operativen Gewinn unter Vorjahr, konnte die krisenbedingten Marktrückgänge aber in weiten Teilen auffangen. Der Medien- und Kommunikationsdienstleister Arvato verfehlte 2009 vor allem aufgrund reduzierter Auftragsvolumina und Kundeninsolvenzen das hohe Umsatzniveau des Vorjahres nur knapp; auch das Operating EBIT gab nach. Die Club- und Buchhandelsgeschäfte der Direct Group wiesen vor dem Hintergrund der Rezession und fortgesetzter Mitgliederrückgänge einen verringerten Umsatz aus; das Operating EBIT erreichte nahezu das Vorjahresniveau.

Dank einer operativen Mittelfreisetzung wurden die Nettofinanzschulden zum Stichtag 31. Dezember 2009 um 652 Mio. Euro auf 2.793 Mio. Euro zurückgeführt (31. Dezember 2008: 3.445 Mio. Euro). Dies entspricht einer Reduzierung um fast ein Fünftel. Die weiter gefassten wirtschaftlichen Schulden beliefen sich auf 6.024 Mio. Euro und lagen damit um 603 Mio. Euro unter Vorjahr. Sie umfassen über die Nettofinanzschulden hinaus die Pensionsrückstellungen, das Genusskapital und den Barwert der Operating Leases.

Im Mai 2010 werden für den Genussschein 2001 gemäß der Genussscheinbedingungen erneut 15 Prozent auf den Grundbetrag ausgeschüttet. Die Ausschüttung für den „alten“ Genussschein aus dem Jahr 1992 wird bei 3,97 Prozent (Vorjahr: 5,12 Prozent) liegen.

Die Planung von Bertelsmann für das laufende Geschäftsjahr ist von anhaltenden Unsicherheiten am Markt geprägt. Für 2010 wird derzeit von einer ersten Stabilisierung der konjunkturellen Rahmenbedingungen ausgegangen, eine nachhaltige Erholung ist vorerst aber nicht in Sicht. Auch die Visibilität in den Werbemärkten bleibt gering. Bertelsmann erwartet vor diesem Hintergrund für das laufende Jahr 2010 eine stabile Entwicklung von Umsatz und Operating EBIT; das Konzernergebnis dürfte sich deutlich erhöhen.

Die Bilanzsumme betrug zum 31. Dezember 2009 19,4 Mrd. Euro (31. Dezember 2008: 20,1 Mrd. Euro). Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise und der ergriffenen Maßnahmen führten lediglich zu geringen Veränderungen in der Bilanzstruktur. Das Eigenkapital verringerte sich infolge des operativen Ergebnisrückgangs sowie der Sondereinflüsse (insbesondere Firmenwertabschreibungen) von 6,2 Mrd. Euro auf 6,0 Mrd. Euro. Damit ergab sich eine Eigenkapitalquote von 30,9 Prozent
(Vorjahr: 31,0 Prozent).

Die Investitionen beliefen sich 2009 auf 662 Mio. Euro (Vorjahr: 1.095 Mio. Euro) und spiegeln die Investitionszurückhaltung im Jahr der Wirtschaftskrise wider.

Zum Ende des Geschäftsjahres beschäftigte der Konzern weltweit 102.983 Mitarbeiter (Vorjahr: 107.154). Der Rückgang ist auf Portfolioveränderungen sowie auf die Umsetzung von Maßnahmen aus dem Kosten- und Effizienzprogramm zurückzuführen.

Random House erwirtschaftete 2009 unter schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einen stabilen Umsatz und ein gleichbleibendes Operating EBIT. Der Umsatz erreichte 1,7 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,7 Mrd. Euro, +0,1 Prozent), der operative Ertrag 137 Mio. Euro (Vorjahr: 137 Mio. Euro). Die Umsatzrendite blieb bei 8,0 Prozent. Zum Jahresende beschäftigte Random House mit seinen mehr als 120 Einzelverlagen 5.432 Mitarbeiter (31.Dezember 2008: 5.779). Random House begegnete den Auswirkungen der globalen Rezession 2009 mit einer Intensivierung der Partnerschaft mit Autoren und Buchhandel sowie mit einer Ausweitung neuer digitaler Verlagsaktivitäten.

Der Marktanteil bei physischen und elektronischen Büchern konnte in den meisten Märkten gesteigert werden. Die 2008 eingeleitete Restrukturierung der US-Verlagseinheiten wurde im Berichtsjahr erfolgreich implementiert. Im Februar 2009 erwarb Random House North America den Sachbuchverlag Ten Speed Press und integrierte ihn in die Crown Publishing Group. Größter Erfolg des Jahres war der Mitte September veröffentlichte Roman „The Lost Symbol“ des Bestsellerautors Dan Brown. Der Titel verkaufte sich allein in Nordamerika fünf Millionen und in Großbritannien knapp drei Millionen Mal als gebundenes Buch, Hörbuch oder E-Book. Auch die Millennium-Trilogie von Stieg Larsson war mit mehr als sieben Millionen verkauften Hardcover- und Taschenbuchexemplaren in den USA und Deutschland sehr erfolgreich. Mit einer halben Million verkaufter Exemplare war der neue Roman von Ildefonso Falcones der meistverkaufte Titel von Random House Mondadori in Spanien und Lateinamerika.

In den USA gelang es den Random-House-Verlagen, 238 Titel auf den Bestseller-Listen der „New York Times“ zu platzieren, darunter 28 Titel auf Platz eins. In Großbritannien stärkte die Random House Group UK ihre führende Präsenz auf den Bestsellerlisten der „Sunday Times“ mit 34 Nummer-eins-Titeln. Im deutschsprachigen Raum verzeichnete die Verlagsgruppe Random House mehrere Bestseller mit Millionenabsatz und dominierte die Sachbuch-Bestsellerliste des „Spiegel“. Die Verlage von Random House steigerten ihre E-Book-Verkäufe in den führenden Buchmärkten USA, Großbritannien, Deutschland und Kanada binnen Jahresfrist im dreistelligen Prozentbereich.

Elektronische Bücher waren damit das am schnellsten wachsende Segment, sie stellen mit knapp zwei Prozent aber noch immer einen vergleichsweise kleinen Anteil am Gesamtumsatz. Die Gewinnung von Marktanteilen durch die Stärkung des Digitalgeschäfts ist wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategie.

Random-House-Autoren wurden 2009 mit prestigeträchtigen Auszeichnungen bedacht, darunter drei Pulitzer-Preise: Elizabeth Stroud erhielt die Auszeichnung für ihr Werk „Olive Kitteridge“ (Fiction), Jon Meacham für „American Lion: Andrew Jackson in the White House“ (Biography) sowie Douglas A. Blackmon für „Slavery By Another Name“ (Non-Fiction). Auch zwei National Book Awards in den USA, der renommierte kanadische Scotiabank Giller Prize und die Kategorie „Best Read“ bei den British Book Awards gingen an Random-House-Autoren.

Gruner + Jahr erzielte im Geschäftsjahr 2009 angesichts starker Einbrüche auf den Anzeigenmärkten und struktureller Umbrüche Umsatzerlöse und ein Operating EBIT unter Vorjahr, konnte die Marktrückgänge aber in weiten Teilen auffangen. Der Umsatz erreichte 2,5 Mrd. Euro und damit 9,4 Prozent weniger als im Vorjahr (2,8 Mrd. Euro), der operative Ertrag gab um 9,8 Prozent auf 203 Mio. Euro nach (Vorjahr: 225 Mio. Euro). Die Umsatzrendite betrug 8,1 Prozent (Vorjahr: 8,1 Prozent). Gruner + Jahr beschäftigte zum Jahresende 13.571 Mitarbeiter (31. Dezember 2008: 14.941). Zum 6. Januar 2009 übernahm Bernd Buchholz den Vorstandsvorsitz von Gruner + Jahr. Sein Hauptaugenmerk legte er auf eine rasche und konsequente Umsetzung von Kosten- und mittelfristig wirkenden Restrukturierungsmaßnahmen sowie auf den Ausbau von Wachstumsfeldern. Die Entwicklung im Markengeschäft war bei Gruner + Jahr 2009 maßgeblich von der geschwächten Weltwirtschaft geprägt.

Arvato hat 2009 vor allem aufgrund reduzierter Auftragsvolumina und Kundeninsolvenzen das hohe Umsatzniveau des Vorjahres leicht verfehlt; auch das Operating EBIT gab nach. Der Umsatz betrug 4,8 Mrd. Euro, 3,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor (5,0 Mrd. Euro), und das operative Ergebnis 345 Mio. Euro nach 369 Mio. Euro im Vorjahr (- 6,5 Prozent). Die Umsatzrendite lag bei 7,1 Prozent (Vorjahr: 7,4 Prozent). Arvato beschäftigte zum Jahresende 60.323 Mitarbeiter (31. Dezember 2008: 62.591). Arvato gelang es im Berichtsjahr, die durch die Folgen der Wirtschaftskrise bedingten Umsatzeinbußen größtenteils durch neue Aufträge und erweiterte Services zu kompensieren.

Die Club- und Buchhandelsgeschäfte der Direct Group wiesen im Geschäftsjahr 2009 vor dem Hintergrund der Rezession und fortgesetzter Mitgliederrückgänge einen verringerten Umsatz aus; das Operating EBIT erreichte nahezu das Vorjahresniveau. Der Umsatz betrug 1,2 Mrd. Euro und damit 10,7 Prozent weniger als im Vorjahr (1,3 Mrd. Euro), der operative Ertrag lag bei 28 Mio. Euro nach 29 Mio. Euro im Vorjahr (- 3,4 Prozent). Die Umsatzrendite betrug 2,2 Prozent (Vorjahr: 2,1 Prozent). Die Direct Group beschäftigte zum Jahresende 10.087 Mitarbeiter (31. Dezember 2008: 10.339).

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