Carel Halff zur Überführung von Weltbild in eine Stiftung

Mit dem Beschluss des Aufsichtsrats, Weltbild in eine Stiftung zu überführen, ergeben sich neue Perspektiven für die Verlagsgruppe Weltbild. Wir fragten [Carel Halff, Vorsitzender der Geschäftsführung, welche neuen Perspektiven das nun bietet. ]

Buchmarkt.de: Mit der neuen Stiftungslösung müsste er Ihnen jetzt gut gehen.

Carel Halff

Carel Halff: Mit geht es immer gut.

Aber Sie hatten auch schon ungemütlichere Zeiten.

Das muss man als Geschäftsführer aushalten können. Für mich ist der wichtigste Punkt, dass es den Mitarbeitern jetzt besser geht, denn eine Stiftung bietet eine langfristige Perspektive.

Sie meinen, die können sich freuen, dass Weltbild nicht verkauft worden ist?

Ja, ein Verkauf wäre nicht einfach geworden. Denn Sie wissen ja, schon wenn sie unseren schwierigen Markt sehen, dass das Umfeld für einen Verkauf nicht günstig ist.

Hätte ein Verkauf den Verlust weiterer Arbeitsplätze bedeutet?

Das ist reine Spekulation, weil wir ja nie mit Interessenten konkret gesprochen haben. Wir haben bereits große Umstrukturierungen hinter uns und können unseren Weg nun langfristig fortsetzen.

Wo sehen Sie Ihre Chancen, sich in diesem schwierigen Marktumfeld zu behaupten?

Der weitere Ausbau des Online- und Digitalgeschäfts im Rahmen unser Multichannelstrategie sind der richtige Weg. Wir sind im Bereich E-Book schon relativ stark und planen weitere Initiativen.

Sie hatten mit Mitarbeitern auch schon viel öffentlich ausgetragenen Krach. Trägt das zur Beruhigung der Situation im Unternehmen bei oder welche weiteren Strategien gehen Sie dazu an?

Die politische Entscheidung für eine Stiftungslösung ist für die Mitarbeiter ein Grund zur Freude, dieser Weg gibt Sicherheit durch langfristige Perspektiven.

Werden Sie die Geschäftspolitik so fortsetzen, wie Sie sie jetzt angegangen haben?

Die Stiftung ist noch nicht gegründet, da. Ich bitte um Verständnis, dass ich diesem Prozess nicht mit Äußerungen vorgreifen kann und will.

Sie werden also versuchen, Ihren bisherigen Weg weiter durchzusetzen?

Der Umbau des Unternehmens in Richtung Multichannel mit starkem Fokus auf Online und Digital ist der richtige Weg für Weltbild. Sie wissen selbst um die schwierige Situation und den heftigen Strukturwandel im Buchmarkt.

Ändert sich am Verhältnis zu den Hugendubels etwas?

Das ist mir nicht bekannt. Nein. Die Verlagsgruppe Weltbild bleibt weiterhin eine GmbH. Diese gehört in Zukunft der (zu gründenden) Stiftung, die die alleinige Eigentümerin ist, und nicht mehr 14 Gesellschaftern. Unter der Verlagsgruppe wiederum sind zahlreiche Unternehmen angesiedelt, wie zum Beispiel die DBH, an der die Verlagsgruppe Weltbild und die Familie Hugendubel gemeinsam beteiligt sind.

Die Ziele der Stiftung sind mit „ausschließlich gemeinnützig, kulturell und kirchlich“ definiert. Was heißt denn das? Kommen die Gewinne also doch in der Kirche an?

Die Stiftung ist noch nicht gegründet. Die genaue Ausformulierung der Stiftungsziele wird in den kommenden Monaten erarbeitet. Hierzu kann ich noch nichts Konkreteres sagen.

Was heißt das für die Produkte und das Programm?

Diskussionen über einzelne Titel im Programm gab seit der Gründung von Weltbild. Das wird auch so bleiben und soll auch so weitergehen.

Es gab ja Programmsegmente, gegen die hatten die bisherigen Eigentümer etwas, konkret erotisches…

Dagegen hat niemand etwas. Die Frage ist, welches Weltbild (sic!) hinter einzelnen Titeln steckt. Ob Erotik mit Gewalt verbunden ist oder ob ein Frauen verachtendes Menschen- und Weltbild hinter entsprechenden Darstellungen steckt. In der Sortimentsgestaltung kommt unser Menschen- und Weltbild zum Ausdruck. Gewaltverherrlichende, vulgäre und menschenverachtende Titel wollen wir nicht verbreiten. Bei der Prüfung handelt es sich immer um Einzelfallentscheidungen.

Es gab ja auch Diskussionen um Harry Potter…

Mit Harry Potter und Fantasy werden wir auch in Zukunft so umgehen wie bisher. Es ist doch so: Ob Sie eine Bild-Zeitung machen oder eine FAZ. Sie haben immer Diskussionen um den Kurs, ohne ständiges Reiben funktionieren Medienunternehmen nicht.

Die Fragen stellte Matthias Koeffler

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