Protest gegen Kündigungen im Süddeutschen Verlag

Den anhaltenden drastischen Personalabbau im Konzern Süddeutscher Verlag sehen die Betriebsräte des Konzerns und ver.di Bayern als einen Beweis dafür, dass die Unternehmensleitung und Gesellschafter in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit ihrer sozialen Verantwortung für die Beschäftigten nicht nachkommen.

Klaus Schönauer, der Konzernbetriebsratsvorsitzende im Süddeutschen Verlag, forderte die Gesellschafter und die Unternehmensleitung auf, die Kündigungswelle zu beenden: „Vor dem Ausspruch weiterer Kündigungen sind alle Möglichkeiten zur Vermeidung des Personalabbaus auszuschöpfen.“ Betriebsräte, Belegschaft und Gewerkschaften erwarten, dass der Arbeitsplatzsicherheit Vorrang vor unrealistischen Renditeerwartungen eingeräumt wird und dass Möglichkeiten wie die individuelle und kollektive Arbeitszeitverkürzung umgesetzt werden, um Kündigungen zu verhindern.

Umgehend zu prüfen sei auch die Gründung von Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften, die den Mitarbeiter/innen bessere Perspektiven verschaffen. Sparmaßnahmen, so Schönauer, dürften auch nicht nur die Belegschaften in den Betrieben des Konzerns betreffen, auch die Führungskräftestruktur müsse nachhaltig gestrafft werden.

Um die publizistische Unabhängigkeit der „Süddeutschen Zeitung“, deren Qualität unter einem personellen Kahlschlag leiden müsse, ist mit den Beschäftigten und Betriebsräten auch der bayerische ver.di-Landesleiter Josef Falbisoner besorgt. Wer versuche, mit rigorosem Stellenbau die derzeitigen Probleme des Unternehmens zu lösen, lasse nicht nur Weitsicht, sondern auch soziale Verantwortung vermissen. Die Branche sei, so Falbisoner, vor allem durch ihren ungebremsten Expansionsdrang und ihre waghalsige Investitionspolitik ins Trudeln gekommen, was nun am Ende die Beschäftigten auszubaden hätten.

„Die Krise in den Verlagen wurden zu einem hohen Anteil auch in den Verlagen gemacht“, bestätigt Christa Hasenmaile, ver.di-Landesfachbereichsleiterin Medien, Kunst und Industrie. Die Einbrüche auf den Anzeigenmärkten seien unbestritten, doch sei dies nur ein Teil der Wahrheit: „Es gibt durchaus Zeitungsbetriebe, die sich in der Vergangenheit durch intelligentes Haushalten in die Lage gebracht haben, auch eine wirtschaftlich problematische Phase zu überstehen,“ sagte Hasenmaile. Bedenklich sei, dass sich mehr und mehr auch regionale Zeitungsverlage, deren Anzeigenumsätze nachweislich sehr viel weniger rückläufig sind, am vermeintlichen „Vorbild“ des Süddeutschen Verlages orientieren und einen Stellenabbau betreiben, der durch nichts gerechtfertigt sei. Erkennbar sei, so Christa Hasenmaile, dass hier häufig eher willkürliche personelle „Bereinigungen“ vorgenommen werden.

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