Tauziehen um Tagesspiegel und Berliner Zeitung geht weiter

Der Holtzbrinck-Verlag hat erneut mit der Einstellung des «Tagesspiegel» gedroht, sollte es nicht zu einer Ministererlaubnis für den vom Verlag geplanten Kauf der «Berliner Zeitung» kommen, meldet die Netzeitung. In diesem Fall gingen rund 300 Arbeitsplätze verloren, sagte Verlagschef Stefan von Holtzbrinck heute bei der Anhörung zu der von seinem Unternehmen beantragten Ausnahmegenehmigung für die Übernahme.
Der «Tagesspiegel» schreibe trotz aller Bemühungen «weiterhin hohe Verluste», sagte von Holtzbrinck weiter. Nur die geplanten Zusammenführung mit der «Berliner Zeitung» und die dadurch ermöglichte Rationalisierung könne das Bestehen der Zeitung sicher stellen. Der Erwerb des Berliner Verlags als Eigner der «Berliner Zeitung» sei daher «die letzte Chance für den ‚Tagesspiegel’». Holtzbrinck werde das Blatt «nicht mehr aufrecht erhalten», wenn die Ministererlaubnis ausbleibe. Ein Verkauf sei mangels Interessenten ausgeschlossen.
Das Bundeskartellamt hatte den Erwerb des Berliner Verlages durch Holtzbrinck Ende vergangenen Jahres aus Sorge um eine marktbeherrschende Stellung untersagt. Die Monopolkommission hatte sich diesem Urteil jüngst angeschlossen. Dieses Votum kann allerdings durch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement außer Kraft gesetzt werden, wenn der Minister dem Geschäft überragende Bedeutung für das Gemeinwohl beimisst.
Holzbrinck ist außer mit dem «Tagesspiegel» auch mit der Stadtillustrierten «Zitty» auf dem Berliner Markt vertreten. Der Berliner Verlag ist neben der «Berliner Zeitung» mit deren Konkurrent «Tip» sowie dem «Berliner Kurier» auf dem Markt. Um den Wettbewerb auf dem Berliner Zeitungsmarkt dennoch zu sichern, hatte Holtzbrinck die Führung des «Tagesspiegel» durch eine Stiftung angeregt. Die Redaktionen der beiden Hauptstadt-Blätter sollen so getrennt bleiben, während sich der Verlag durch Zusammenlegung von Einkauf, Verkauf und Verwaltung Einsparpotenziale erhofft.
Von Holtzbrinck sagte weiter, anders als vom Axel-Springer-Verlag behauptet, sei die Vormacht des Springer-Verlags bei regionalen Abonnementenzeitungen und Stadtillustrierten in Berlin durch die Übernahme nicht in Gefahr. Dies zeigten alle Prognosen – bis auf die des Springer-Verlags selbst. Ein Vertreter Springers nannte die mögliche Ministererlaubnis hingegen den «Todesstoß für ‚Die Welt‘ und die ‚Berliner Morgenpost’».
Der Vorstandschef von Springer, Dr. Mathias Döpfner, hatte bereits zuvor in einem Brief an Clement gedroht, der Verlag werde sowohl «Welt» als auch «Berliner Morgenpost» einstellen, wenn es eine Ministererlaubnis gebe. Die Redaktionen der beiden Springer-Zeitungen sind bereits aus Kostengründen zusammengelegt.
Clement sagte auf der von ihm geleiteten Anhörung, bislang sei die Sachlage noch völlig offen. Eine Entscheidung müsse bis zum 13. Mai fallen.

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