Weltbild stellt Insolvenzantrag / Hugendubel „überrascht aber nicht unvorbereitet“ / Erste Stimmen aus der Branche

War es vor wenigen Stunden noch Spekulation, ob die angeschlagene Weltbild-Gruppe tatsächlich Insolvenzantrag stellen muß [mehr…], ist es jetzt Gewißheit: Das Unternehmen meldet eben, daß die Geschäftsführer heute beim Amtsgericht Augsburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt haben – er betrifft aber „ausschließlich die Verlagsgruppe Weltbild GmbH in Augsburg, nicht betroffen sind insbesondere alle Filialen, sowie die Gesellschaften in Österreich und der Schweiz und bücher.de„, wie das Unternehmen klarstellt.

„Ein wesentlicher Auslöser hierfür war der Umsatzrückgang des ersten Halbjahres des Geschäftsjahres 2013/14 (Juli-Dezember), obwohl der Dezember über Planniveau lag. Das auch für die nächsten drei Jahre erwartete geringere Umsatzniveau verdoppelt den Finanzierungsbedarf bis zur Sanierung.

Gestern hat sich entgegen der Erwartung der Geschäftsführung heraus gestellt, dass die notwendige Finanzierung nicht zur Verfügung stehen wird. Aus diesem Grunde und dem damit verbundenen Wegfall der Fortführungsprognose war zum Bedauern der Geschäftsführung eine unverzügliche Antragstellung unausweichlich“, heißt es in der Presseerklärung.
Der Geschäftsbetrieb soll in Abstimmung mit dem vom Gericht bestellten vorläufigen Insolvenzverwalter, Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz von Schneider Geiwitz & Partner, fortgeführt werden.

Nina Hugendubel und Maximilian Hugendubel ( Hugendubel ist unter dem Dach der DBH in einem Joint Venture mit Weltbild verbunden) sind wie viele in der Branche von der plötzlichen Entwicklung überrascht: „Die aktuelle Entwicklung war für uns nicht vorhersehbar. Dennoch trifft uns die Nachricht nicht unvorbereitet. Wir hatten auch dieses Szenario rein vorsorglich in unsere Überlegungen einbezogen und sind bereits in intensiven Gesprächen mit unseren Geschäfts- und Finanzierungspartnern“, außerdem habe der Insolvenzantrag keine Auswirkung auf das Hugendubel-Geschäft, da das Unternehmen mit dem Weihnachtsgeschäft und der aktuellen Entwicklung sehr zufrieden sei und über Plan liege: „Der E-Reader Tolino Shine war einer unserer erfolgreichsten Artikel im Weihnachtsgeschäft, und wir sind überzeugt, dass wir hier noch weiter wachsen werden. Alle bisher von uns getroffenen Maßnahmen sind wirksam, sodass wir optimistisch in die Zukunft blicken.“

Es gibt inzwischen aber auch erste Stimmen aus der Branche, die in diesem vor allem für die Mitarbeiter schmerzhaften Prozess auch einen positiven Aspekt sehen. Verleger Herbert Ullmann (hf.ullmann, Dort-Hagenhausen, Vista Point, Tandem) etwa findet: „Diese Pleite ist bedauerlich, hat aber auch was erfrischend Bereinigendes. Sie löst zwar nicht die Krise, schafft aber mehr Souveränität und Selbstbewusstsein… Leider ist in der Branche nie Krisenbewusstsein vorhanden gewesen und die Reformfähigkeit scheint mir auch begrenzt. Aber diese Insolvenz wird ’ne Menge bereinigen und weitere Verlagspleiten leider nach sich ziehen. Ich stehe als Unternehmer aber gerne zur Verfügung, ein Stuhl steht auf vier Beinen immer stabiler als auf einem.“

Und die Kölner Sortimenterin Dorothee Junck mahnt auf Facebook: „Weltbild Insolvenz: kein Grund zur Häme bei zahlreich anstehenden Arbeitslosen in und um Augsburg und in manchen Bistümern. Aber Ihr lieben Verlage: Spart Ihr nun die Verluste beim inhabergeführten Sortiment ein? Vertreter, die gestrichen werden, Rabatte knausrig, Zahlungsziele, Hotlines die eingeführt werden? Die absurden Rabatte von dann doch 55 % und den vereinbarten tollen Sonderausgaben. (Follett zum halben Preis und Jojo Moyes auch sehr viel günstiger). Hat sich sehr gelohnt. Vielleicht zu Beginn des neuen Jahres noch einmal hinschauen, bei wem Ihr die Renditen erzielt und mit wem sich Umsatz nachhaltig lohnen könnte“.

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