Wirklich eine Überraschung: Random House startet neuen Hardcover-Verlag

Es scheint das (bisher) bestgehütete Geheimnis des Jahres (gewesen) zu sein: Die Verlagsgruppe Random House in München startet für diesen Herbst einen neuen Hardcover-Imprint, dessen Programm pro Saison fünf Titel umfassen soll. Das hat buchmarkt-online soeben exklusiv aus München erfahren.

Damit hat – nach der Übernahme von Heyne – in der deutschen Buchbranche wirklich niemand gerechnet.

Mächtig stolz auf diesen neuen Imprint ist Random House, insbesondere aber Georg Reuchlein,

Georg Reuchlein

sein geistiger Vater, in dessen Bereich (Goldmann) das neue Label auch angesiedelt ist: “Selten hat uns die Entwicklung eines Projekts so viel Spaß bereitet wie dieses Mal.“

Der Stolz ist den Schutzumschlägen der ersten fünf Novitäten gleich anzumerken. Im Unterschied zur allgemeinen Tendenz, den Namen des Verlages eher klein zu halten und außerdem unauffällig zu platzieren, werden hier Logo plus Verlagsname so groß wie prominent abgehoben und obenan stehen: Sie nehmen etwa ein Fünftel des Covers ein. Das ist eine zweite Überraschung: Markiert sie eine Wende in der deutschen Schutzumschlag-Gestaltung – hin zu stärkerer Markenbildung?

Die dritte Überraschung ist die – englische! – Namensgebung: Page Turner. Das ist mutig, zumal sie eine Neuschöpfung darstellt. (Im Unterschied etwa zu Bloomsbury gibt es keinen britischen bzw. amerikanischen Verlag Page & Turner.) Und der Name verdankt sich außerdem einem (hier zu Lande wohl den Wenigsten bekannten) angelsächsischen Branchen- und Rezensentenbegriff – als „page turner“ versteht man in den USA wie in Großbritannien einen Roman, der so spannend ist, dass der Leser ihn nach einmal begonnener Lektüre nicht wieder aus der Hand legen kann – „er fesselt“, würde man frei übersetzen, „von der ersten bis zur letzten Seite“.

Damit ist auch schon die Programmidee umrissen: „Wir verstehen Page & Turner als einen Unterhaltungsverlag“, so Reuchlein, mit Romanen von „hervorragenden Autoren, die hohe Qualität und höchstes Lesevergnügen miteinander zu verbinden wissen“. Und das sollen eben auch die markanten Cover sowie eine besonders hochwertige, „bibliophile“ herstellerische Buchqualität signalisieren: „In einem unübersichtlichen Bücherangebot“ will Page & Turner den Romankäufern und –lesern damit „Orientierung bieten“.

Vom ersten Programm ist meines Wissens nur der Spannungsautor Robert Wilson schon im deutschen Sprachraum bekannt (sein Erstling war hier ein erfolgreicher Taschenbuchtitel). Ansonsten bringt Page & Turner in diesem Herbst nur Autorinnen, darunter die Schottin Morag Prunty und die Italienerin Antonia Arslan, die mit ihren Debüts vertreten sind. Dinah Lee Küng wurde übrigens mit ihrem Roman „Ein Besuch von Monsieur Voltaire“ für den renommierten britischen Orange-Fiction-Prize 2004 nominiert.

Zu lesen hat es von diesen Werken bisher nichts gegeben; ein Urteil ist folglich noch nicht möglich. Auf den ersten Blick scheint das Niveau des Programms – innerhalb der Random House-Gruppe – wohl eher in der Nähe der Belletristik von Knaus und btb als bei Heyne zu liegen.

Gerhard Beckmann

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