Veranstaltungen: „Democracy will win!“ Literaturhaus München kooperiert mit dem Thomas Mann House, Pacific Palisades

Heute öffnet eine Ausstellung zur Demokratie, die wichtige Fragen stellt: Was macht einen politischen Menschen aus? Wie wird man zum Demokraten und bleibt es? Wie verteidigt man seine Haltung und wie erhält man sie? Dass Demokratie gewinnen wird, sagte Thomas Mann schon auf seiner Vortragsreise 1938 durch die USA. Allerdings fügte er die Worte an: „…if it only becomes strong.“

Die Idee für die Ausstellung hatte die Literaturhausleiterin Tanja Graf nach der Lektüre des Buches „Das Weiße Haus des Exils“ (S. Fischer, 2018). Darin spielt das „Thomas Mann House“ in Pacific Palisades in Los Angeles die Hauptrolle. Erbaut wurde es nach den Vorstellungen der Manns 1941 bis 1942. Die Manns wohnten darin von 1942 bis 1952. Geschrieben hat das Buch der Lieblingsenkel Thomas Manns Frido Mann, der als Kind einige Zeit in dem Haus verbrachte und beim Presserundgang gestern im Literaturhaus anwesend war: „Das Wesentliche zur Förderung der Demokratie ist der Dialog“, so Frido Mann, der die US-Staatsbürgerschaft hat und inzwischen in München lebt. 2016 kaufte die deutsche Bundesregierung das Haus am San Remo Drive 1550 und ließ es renovieren. Im Juni 2018 eröffnete es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als Ort für transatlantische Debattenkultur.

Heike Catherina Mertens, Geschäftsführerin des Villa Aurora & Thomas Mann House e.V. hat für die Ausstellung eng mit dem Literaturhaus zusammengearbeitet und will diese fortführen. Jährlich werden bis zu zwölf Stipendien vergeben: „Heute wird im Thomas Mann Haus wieder über den Zustand von Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit auf beiden Seiten des Atlantiks diskutiert“, so Mertens. Der stilisierte Nachbau des Hauses bildet das dominierende Gestaltungselement der ambitionierten Ausstellung. Zu sehen ist die Fassade in Originalhöhe, das Arbeitszimmer Thomas Manns und der Living Room mit seinem Zugang zur Terrasse und die Terrasse selbst. Die Begriffe Herkunft, Zeitgeist, Bekenntnis, Handeln, Verantwortung strukturieren die Ausstellung, die im Sinne Thomas Manns zur „Wiedererinnerung, Wiedererörterung und Bewusstmachung“ der Demokratie beitragen soll: „Die Ausstellung ist nicht didaktisch, sondern eine Einladung zur Selbstbefragung“, sagt Tanja Graf. Die Exponate und Videos wechseln auf alarmierende Weise zwischen historischen Rückblicken und den entsprechenden Themen der Gegenwart. 1949 stellte Thomas Mann ein „deutsches Europa“ dem „europäischen Deutschland“ gegenüber und sprach von der „Schreckensaspiration des deutschen Nationalismus“. nb

Ausstellungsdauer bis 4. Oktober 2020. Danach wird die Multimedia-Schau voraussichtlich in Berlin zu sehen sein und durch mehrere Städte der USA wandern. Ausstellungskatalog 168 S., Euro 15,- (Versand plus Euro 5,- via info@literaturhaus-muenchen.de)

nb

Kommentare (1)
  1. Bin sehr gespannt auf die Ausstellung. Habe über das Haus gelesen (Nenik/Stumpf: Seven Palms, erzählt die Geschichte des Hauses auf Basis bisher unbekannter Akten). Gerade jetzt brauchen wir transatlantische Verständigung.

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