Das Sonntagsgespräch Nachwuchssprecher Tony Stubenrauch zieht seine Bilanz der Buchtage 2012

Tony Stubenrauch
© Monique Wüstenhagen

Letztes Jahr ist Tony Stubenrauch (Foto) zum Nachwuchssprecher gewählt worden, seitdem ist viel passiert: Erstmals war diesmal das Nachwuchsparlament aktiv in die Organisation der Buchtage in Berlin involviert. Mit uns hat er über die dabei gemachten Erfahrungen und seine Wünsche für die Zukunft gesprochen. Im „wahren Leben“ arbeitet Stubenrauch in der Marketingabteilung vom Aufbau Verlag.

Welche Eindrücke nehmen Sie von den Buchtagen in Berlin mit?
Tony Stubenrauch: Besonders beeindruckt hat mich der Vortrag von Gunter Dueck. Bekanntes hat er haargenau auf den Punkt getroffen, auf eine Art und Weise, die im Gedächtnis bleibt, allerdings auch Einiges zum Nach- und Umdenken mit auf den Weg gegeben. Inspirierend fand ich vor allem den Beitrag von Gesche Joost zur Eröffnung des Nachwuchsparlaments, die gezeigt hat, wie man nicht nur umdenken, sondern vielmehr auch Kommunikation und Medien ganz anders denken kann, als man es sonst so tut.

Bei den Buchtagen war das Nachwuchsparlament diesmal aktiv in die Gestaltung des Programms einbezogen. Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?

Der Austausch von den Nachwüchslern mit den Teilnehmern des Hauptprogramms hat dieses Jahr, gerade im Vergleich zu vorherigen Jahren, einen großen Sprung gemacht. Es ist schön, dass uns von den Organisatoren der Buchtage diese Chance eingeräumt wurde.

Ein erster Schritt in die richtige Richtung…?

Für das nächste Jahr würde ich mir wünschen, diesen Kontakt miteinander noch zu intensivieren. Auch die Auswertung der Fragebögen zum Nachwuchsparlament zeigt die Relevanz dieses Themas für uns junge Branchenteilnehmer.

Die Nachwuchs-AGs waren auch für einige der „Round-Table-Gespräche“ inhaltlich verantwortlich. Wie sind diese Angebote angenommen worden?

meinem eindruck nach gut… Was mir bei den Round-Tables besonders gut gefallen hat: Ich habe keine einzige Diskussion darüber miterlebt, dass dies ja „nur“ ein Round-Table-Gespräch des Nachwuchses sei. Das Miteinander hat völlig automatisch funktioniert und man konnte auf Augenhöhe miteinander sprechen. Für beide Seiten ein Gewinn.

Großer Auflauf: Die Teilnehmer des Nachwuchs-
parlaments treffen sich zu den Exkursionen

Zur Hauptversammlung ist der Nachwuchs dennoch wieder erst mit Verspätung gestoßen…

Es ist schade, dass die Teilnahme des Nachwuchses an der Hauptversammlung immer erst so spät möglich ist. Gerade sie kann eigentlich ein idealer Ort für neue Buchmenschen sein, um die Arbeit des Börsenvereins und die Diskussionen der Branche kennenzulernen. In den kurzen zwei Tagen Nachwuchsparlament ist mehr Zeit dafür aber leider einfach nicht drin. Immerhin standen neben der Eröffnung von Gesche Joost, den Round-Tables der Arbeitsgruppen Strukturwandel, Generationsmanagement, eBooks und Social Media auch noch Exkursionen zu Berliner Buchhandlungen und Verlagen, die Parlamentssitzung und Workshops der AGs auf dem Programm.

Wie sieht Ihr Fazit zum Nachwuchsparlament 2012 aus?

160 Bewerbungen zum Parlament dieses Jahr, das hat mich überrascht, mit so viel Zulauf hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet. Ein zentraler Punkt aus Gunter Duecks Vortrag wird hier deutlich: Die von ihm als am Markt überlebenswichtige formulierte „Lust“ am Verändern und Mitgestalten ist beim Nachwuchs ganz eindeutig vorhanden! Die Branche kann sich darüber freuen, sollte sie aber auch im Arbeitsalltag von uns Branchensprösslingen einfordern. Vor allem möchte ich noch einmal allen AGlern Dank sagen, die das für mich großartige Programm dieses Jahr auf die Beine gestellt haben: Ihr wart toll! Danke natürlich auch an den Verband, der diese Form überhaupt erst möglich gemacht hat.

Was ist für das Nachwuchsparlament im nächsten Jahr geplant?

Konkrete Pläne für 2013 gibt es noch nicht. Ein Organisationsteam des Nachwuchsparlaments hat sich jetzt in Berlin fast komplett neu zusammengefunden und ich bin gespannt, was wir gemeinsam für Ideen entwickeln und wie wir das Parlament dann nächstes Jahr gestalten. Ich hoffe aber sehr, dass wir auch in Zukunft unsere Themen setzen können und die Verzahnung vom Nachwuchsparlament mit dem Hauptprogramm auf so offene Ohren und so viel Enthusiasmus trifft wie in diesem Jahr.

Wo findet die Arbeit des Nachwuchsparlaments außerhalb von Tagungen statt? Wie vernetzen Sie sich miteinander?

Ein erster, wichtiger und großer Schritt in der unterjährigen Vernetzung des Nachwuchses wurde letztes Jahr mit der Einführung von Arbeitsgruppen gegangen. Sie bearbeiten das Jahr über ein Thema und stellen ihre Ergebnisse dann nicht nur einfach vor, sondern gestalten mit ihnen u.a. Workshops. Schön, dass alle Arbeitsgruppen, zu Social Media, Generationsmanagement, eBooks, Strukturwandel, fortgesetzt werden und sich sogar eine weitere in Gründung befindet: Strategien unabhängiger Buchunternehmen.

Sie sind jetzt ein Jahr als Nachwuchssprecher im Amt. Was steht für die zweite Hälfte Ihrer Amtszeit auf dem Programm?

Ein Thema, das ich letztes Jahr schon einmal angegangen bin, dann jedoch nicht wirklich zum Ziel führen konnte, sind weitere Veranstaltungen vom und für den Nachwuchs zwischen dem jährlich stattfindenden Parlament. Hier hoffe ich auf Unterstützung vom Verband und gerade auch von den Buchmessen. Desweiteren habe ich mir für das nächste Jahr vorgenommen, den Sinn und Zweck des Nachwuchsparlaments zusammen mit dem Nachwuchsnetzwerk NaNe des Landesverbands Berlin-Brandenburg und der Abteilung Berufsbildung noch einmal eindeutig und für alle nachlesbar zu formulieren. Gerade bei den vielen neuen Teilnehmern dieses Jahr gab es manch positive, aber auch eher kritische Sicht darauf. Hervorgerufen, so glaube ich, auch durch ganz unterschiedliche Erwartungen.

Wie würden Sie denn Sinn und Zweck definieren?

Für mich ist das Nachwuchsparlament eine lebendige Plattform für und von den Jungen des Buchmarkts, die die Vielfalt unserer Branche und auch des Nachwuchses abdeckt. Von Azubis, Praktikanten, Volontären bis zu Einsteigern und Studenten. Von Sortimentern, Zwischenbuchhändlern, Verlagsleuten bis hin zu Dienstleistern. Genau das ist die Stärke – es ermöglicht den so wichtigen Austausch.

Stubenrauch präsentiert die Vorschläge des
Nachwuchsparlaments an die Hauptversammlung

Was sind konkret die Forderungen des Nachwuchs?

Wie schon gesagt, wir suchen den Austausch mit den Erfahrenen. Es wäre schön, wenn man auch direkt auf uns zugehen würde um zu erfahren, welche Ideen wir haben und was wir denken. Die Brancheneinsteiger im Berufsalltag direkt mit einzubeziehen, ihnen auch eigene Projekte zuzutrauen, das wünsche ich mir! Dabei ist das nicht nur ein frommer Wunsch, sondern wird auch wirtschaftlich nutzen, denn der Nachwuchs ist kreativ und bringt den wichtigen Blick von außen aus Kundensicht mit, will jedoch noch vieles lernen. Zusammenarbeit und Einbeziehung sind ökonomisch sinnvoll. Um weiterhin attraktiv für junge Leute zu sein, sollte die Branche darauf achten, die Arbeit des Nachwuchses wertzuschätzen. Doch wollen wir eben nicht nur passiv fordern, sondern werden auch selbst aktiv. Die Gestaltung des Nachwuchsparlaments, Arbeitsgruppen, die Branchenthemen aufgreifen und einen Beitrag zur Diskussion liefern, aber auch das Angehen neuer Projekte wie zum Beispiel den Nachwuchsblog oder das Austauschprojekt zwischen den Sparten zeigen das deutlich.

Mehr Informationen zur Nachwuchsarbeit und Kontakt http://www.ausbildung-buchhandel.de/de/home/353981

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