Veranstaltungen „Nackter Mann, der brennt“: Gestern Buchpremiere in München für Friedrich Anis neuen Roman

Gestern Abend fand im Münchner Szenelokal Substanz die Premiere zu Friedrich Anis neuem Roman „Nackter Mann, der brennt“ (Suhrkamp) statt. Nach dem erfolgreichen Serienstart im vergangenen Jahr mit „Der namenlose Tag“ (Suhrkamp) rund um Kriminalhauptkommissar Jakob Franck ist diese Ich-Erzählung ein Stand-Alone, den Ani schon vor vielen Jahren konzipiert hatte.

Wolfgang Niess, Friedrich Ani (v.l)

„Gelobt sei Jesus Christus“, lauten die ersten Worte des Romans. „Ich habe selten so wenig über den ersten Satz eines Romans nachgedacht. Das ist wie ein Akkord bei bestimmten Songs, die man dann sofort wiedererkennt.“ SWR-Redakteur Wolfgang Niess moderierte den Abend und stellte die naheliegende Frage: Warum nicht den Ich-Erzähler Ludwig Dragomir einbetten in einen Fall für Jakob Franck und so die Serie fortsetzen? „Die Verwundung und den Furor dieses Mannes hätte ich nicht auktorial von außen beschreiben können. Um die Dämonen, die ihn heimsuchen zu beschreiben, musste ich ihm nahe, musste ich selbst Ludwig Dragomir sein“, so Ani.

Nach bald dreißig Romanen und den vielen Drehbüchern und Hörspielen ist der Schauplatz jetzt erstmals ländlich, ein Süddeutsches Dorf, das an Anis Geburts- und Kindheitsort Kochel am See und an Kleinstädte in Bayern erinnert, in denen Ani seine Jugend verbrachte. Der im Fegefeuer lodernde Dragomir sei ein tragischer Ich-Erzähler und Schmerzensmann mit einem Mordprogramm, der Feigheit, Selbstanklage und die vergebliche Suche nach Erlösung durchleidet: „Er hofft, dass noch einmal eine Tür aufgeht. Aber es gibt keine Heilung“, so der Autor. Für Aniologen gibt es viel Neues auf der diese Woche startenden Lesetournee zu erfahren.

So erläutert Ani die Wahl des Themas Missbrauch (zuletzt auch im Drehbuch „Operation Zucker. Jagdgesellschaft“ für die ARD), gibt Hinweise auf den Namen Dragomir, erinnert an den Geburtsort Anadarko in Oklahoma des Amerikanischen Noir-Autors Jim Thompson oder berichtet von der Entstehung des Covers in Grün. nb

Das Autorengespräch [mehr…]

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.