Bernhard Bücker übernimmt kaufmännische Leitung der Verlage Suhrkamp und Insel / Vorstand Jonathan Landgrebe: „Der Verlag steht wirtschaftlich stabil da“

Bernhard Bücker

Am 1. April 2016 übernimmt Bernhard Bücker (Foto) als Mitglied der Geschäftsleitung die kaufmännische Leitung der Verlage Suhrkamp und Insel. Bernhard Bücker war bereits von 2008 bis 2011 in dieser Funktion für die Verlage tätig.
Mit Bernhard Bücker ist die Führungsriege der Suhrkamp Verlag AG [mehr…] komplett. Alleiniger Vorstand der Suhrkamp Verlag AG ist Jonathan Landgrebe. Neben Bücker gehören der Geschäftsleitung Cheflektor Raimund Fellinger und Unternehmenssprecherin Tanja Postpischil an.

Wir haben Jonathan Landgrebe gefragt, wie der Verlag nun aufgestellt ist.

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Jonathan Landgrebe
(© Jürgen Bauer)

Jonathan Landgrebe Der Verlag hat die Auseinandersetzungen, auf die Sie anspielen gut hinter sich gebracht. Wir konzentrieren uns nun ganz auf unsere Autoren und das Verlegen ihrer Bücher. Das ist zwar auch nicht immer eine ruhige Angelegenheit, aber es ist immer eine schöne.

Seit Anfang des Jahres ist Suhrkamp eine Aktiengesellschaft. Wie sehen die neuen Eigentümerverhältnisse heute aus?

Die Mehrheit der Aktien halten die von Ulla Unseld-Berkéwicz geführte Familienstiftung und die Familie Ströher gemeinsam. Die Stimmrechte ihrer Aktien sind dabei vertraglich gebündelt und in diesem Bündnis hat die Familienstiftung die Stimmrechtsmehrheit.

Welche Vorteile bietet die neue Rechtsform der Aktiengesellschaft?

Wir haben die neue Rechtsform gewählt, damit Auseinandersetzungen auf Eigentümerebene das operative Geschäft nicht beeinträchtigen können.

Ulla Unseld-Berkéwicz hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und den Aufsichtsratsvorsitz übernommen. Welche Rolle spielen künftig Ulla Unseld-Berkéwicz und der Aufsichtsrat?

Als Vorsitzende des Aufsichtsrats der Verlage ist sie auch in Zukunft in einer entscheidenden Position. Der Aufsichtsrat, bestehend aus Rachel Salamander, Sylvia Ströher und Ulla Unseld-Berkéwicz kontrolliert, berät und schaltet sich auch ein, wenn die Wellen einmal zu hoch schlagen sollten. Das verlegerische Alltagsgeschäft aber ist nicht die Aufgabe des Aufsichtsrats.

Als Vorstand der Suhrkamp AG ist das verlegerische Alltagsgeschäft nun Ihre Aufgabe. Was macht für Sie den Suhrkamp Verlag aus?

Im Mittelpunkt stehen für mich die Autorinnen und Autoren. Sie machen den Suhrkamp Verlag aus. Wir wiederum entdecken Autoren, wir sind ihre ersten Leser, wir wählen aus, unterscheiden, entwickeln und verbessern. Wir arbeiten mit den Autoren an ihren Texten, rücken sie ins Licht. Und wir sind davon überzeugt, dass man nicht aufhören sollte, den Lesern etwas zuzutrauen, sie zu berühren, ihnen mitunter auch etwas zuzumuten. Das alles kann der Verlag, dafür steht er, das ist seine Identität.

Sie sind erst 38 Jahre alt. Wie fühlt es sich an, dass Ihr Schreibtisch in einem so renommierten Haus steht?

Ich freue mich darüber. Es ist für mich eine lohnende, zutiefst befriedigende Arbeit.

Was ist Ihnen als promovierter Wirtschaftswissenschaftler wichtiger? Die Geschäftszahlen oder die Literatur?

Die Literatur kommt zuerst. Aber natürlich ist es besonders schön, wenn gute Literatur auch zu guten Zahlen führt.

Der ökonomische Druck auf Verlage ist allgemein gewachsen. Wie ist Suhrkamp heute wirtschaftlich aufgestellt?

Der Verlag steht wirtschaftlich stabil da. Nach etwas schwierigen Jahren bin ich zuversichtlich, dass der Verlag sich nun bald wieder selbst tragen kann.

In diesem Monat haben Sie die Position von Programmleitern eingeführt. Was war der Grund dafür?

In einem so vielfältigen Programm, wie es der Suhrkamp Verlag publiziert, ist es gut, richtig und zeitgemäß wenn für einzelne Programmbereiche Lektoren auch explizit die Verantwortung übernehmen. Das ist eigentlich schon seit einiger Zeit die Art und Weise, wie wir arbeiten – mit den nun geschaffenen Positionen, haben wir dieser Arbeitsweise auch formal entsprochen.

Planen Sie Kursänderungen?

Nein, ich bin der Überzeugung, dass der Kurs des Verlags stimmt.

Wie wird Ihr Programm künftig aussehen?

Wir machen weiterhin das, was wir am besten können: gute Bücher publizieren. Gerade jetzt im März zum Beispiel sind die Romane von Rachel Cusk, Christoph Hein, Lars Mytting und Andreas Pflüger, der Gedichtband von Marion Poschmann und das Sachbuch von Christoph Ribbat erschienen, um nur einige zu nennen. Wir haben starke Programme und in den einzelnen Programmbereichen haben wir vieles vor. Es geht um ein vielschichtiges, differenziertes und perspektivenreiches Programm. Von der Belletristik über das Sachbuch bis hin zur Philosophie. Wir haben das Glück die unterschiedlichsten Facetten dessen, was in unserer Gesellschaft gedacht, erforscht und geschrieben wird, in unserem Programm abbilden zu können. Und manchmal freuen wir uns über richtige Literaturereignisse – im Herbst zum Beispiel über den ersten Band der neapolitanischen Geschichten von Elena Ferrante, die schon überall auf der Welt ausgiebig gefeiert werden.

Welche weiteren Highlights haben Sie in Ihrem Herbstprogramm?

Viele. Sibylle Lewitscharoff legt einen neuen Roman vor, ebenso Mario Vargas Llosa. Zum Buchmesseschwerpunkt Flandern/ Niederlande erscheinen unter anderem Bücher von Gerbrand Bakker und Cees Nooteboom.
Im Sachbuchprogramm werden wir ein großes und aktuelles Buch vom Ökonomen Branko Milanovic veröffentlichen Die ungleiche Welt. Und der Historiker Andrew Pettegree untersucht in Die Marke Luther das Phänomen Luther aus der Perspektive der Druckindustrie, eine interessante Betrachtung für alle, die sich für Buch und Druck interessieren.
Und nicht zu vergessen, ein perfektes Weihnachtsgeschenk: Im September erscheinen in einer wunderschönen, zweibändigen Ausgabe Marcel Prousts Briefe erstmals umfassend in einer deutschen Ausgabe.

Wie hoch ist bei Suhrkamp der Anteil digitaler Bücher?

Er schwankt sehr, je nach Programmbereich. Im Schnitt liegt er bei 5%, im Einzelfall aber auch um ein Vielfaches darüber und darunter.

Gedruckte Bücher wird es also noch lange geben?

Ehrlich gesagt, mir gehen die E-Reader, meist die Bildschirme, immer wieder kaputt. Oder meine Kinder machen sie kaputt. Ich habe deshalb schon wieder Abschied davon genommen. Aber auch unabhängig davon: Ja, das gedruckte Buch wird bleiben, da bin ich ganz sicher.

Wie muss eine Buchhandlung aussehen, damit Sie selbst gerne darin stöbern?

Gehen Sie doch zum Beispiel einmal im Georg Büchner Buchladen in Berlin vorbei, nicht weit weg hier von unserem Verlag. Da haben wir vor wenigen Tagen die Buchpremiere von Marion Poschmanns neuem Gedichtband Geliehene Landschaften gefeiert. Das ist eine von vielen gutsortierten Buchhandlungen in Deutschland, in der ich gerne stöbere.

Die Fragen stelle Margit Lesemann

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