Personalia Thalia Dresden: Barbara Altmann geht in den Ruhestand

Barbara Altmann

Barbara Altmann (Foto), seit 1999 Filialleiterin der Thalia-Filiale Haus des Buches in Dresden, geht heute in den Ruhestand. Das war Anlass für Tom Kirsch, sich bei ihr für ihr berufliches Engagement zu bedanken:

Die Dresdner Thalia-Filiale Haus des Buches sieht aus wie ein Schiffsbug und wird auch gern als Flaggschiff bezeichnet. Nicht nur der Form, sondern auch der Flächen- und Umsatzzahlen wegen. Nun geht dort die Kapitänin von Bord, Barbara Altmann verlässt Ende März die Brücke und geht in den Ruhestand.
Es gibt noch kein neues Wort für diesen Lebensabschnitt, zu keinem passt es weniger als zu Barbara Altmann. Ausschließlich im Sturmschritt, gern auch auf schwindelerregend hohen Absätzen, rauscht sie über die Etagen, gibt Anweisungen, telefoniert, schiebt blitzschnell einen Stapel Bücher auf Kante, führt ein Kundengespräch. Sie ist die Filialleiterin des Hauses seit 1999 und ein Phänomen. In den Buchhandel ist sie nach der Schule eingestiegen, da hieß er noch Volksbuchhandel. Die geborene Dresdnerin wohnt am Elbhang, der durch den Bestseller „Der Turm“ auch einen Platz in der großen Literatur bekommen hat.

Barbara Altmann ist vertraut mit Umbrüchen und Aufbrüchen. Neun Jahre hielt das alte Haus des Buches an der Wilsdruffer Straße der Marktwirtschaft noch stand, dann wurde die größte ostdeutsche Buchhandlung gebaut. Mit der Eröffnung 1999 übernahm sie die Leitung des neuen Flagschiffes. Vier Etagen mit fast 3.000 qm und 60 Mitarbeiter bestimmten nunmehr das Leben von Barbara Altmann. Das hatte mit dem Buchhandel, in dem sie groß geworden war, kaum noch etwas zu tun. Wie schafft man das? Die Strategie muss stimmen, mit einem guten Team natürlich und einer komplett neuen Logistik. Es war die Stunde Null eines der ersten Warenwirtschaftssysteme im deutschen Buchhandel mit allen seinen Tücken. Bevor sich Technik und Buchhändler aufeinander eingespielt hatten, floss viel Schweiß. Mit ihrem organisatorischen und logistischen Talent brachte Barbara Altmann „ihr Schiff“ aber auch durch diese schwere See und hat aktuell auch Thawis fest im Griff.

Das neue Haus bekam ein Café und eine Lesebühne für Veranstaltungen. Diese wurden zum Markenzeichen für die neue Buchhandlung. Dazu wurde ein Veranstaltungsmanagement entwickelt, das in der Form in der Branche noch nicht etabliert war. Im Treppenhaus des Haus des Buches hängen zahllose Fotos: Schriftsteller, Politiker, Journalisten, Sänger, Schauspieler haben hier aus ihren oder anderer Autoren Bücher gelesen. Die Liste der „Promis“, denen Barbara Altmann die Hand geschüttelt hat, reicht von Martin Walser über Amin Müller-Stahl bis zu Donna Leon. Der größte Andrang herrschte, als Helmut Kohl seine Biografie signierte, die Leute standen über drei Etagen bis auf die Straße. Der Stuhl auf dem Helmut Kohl saß, war eine Sonderanfertigung und gehört noch heute zu den gut gehüteten Erinnerungsstücken der Buchhandlung.

Barbara Altmann ist so etwas wie eine „Ideenmaschine“, die permanent läuft. Sie ist jemand, der nach vorn schaut und Vertrauen in den buchhändlerischen Nachwuchs lebt. Die Azubis sind ihre Herzensangelegenheit. „Machen Sie mal!“ ist die typische Begrüßung für die Neuen. Das heißt, jeder bekommt mit dem ersten Tag auch Verantwortung übertragen. Sie war es auch, die mir 1987 als „Jungfacharbeiter“ energisch zeigte, wo es langgeht. Wir haben ihr Wichtiges zu verdanken, vor allem ihr berufliches Engagement, das eine Form von Hochleistungssport ist. Wir sind gespannt, wie sie sich den kommenden Freizeitabschnitt des Lebens erobern wird, wahrscheinlich im Sturmschritt! Sicher ist: sie wird sich auch im „Unruhestand“ dafür interessieren, in welchen Fahrwassern ihr Schiff und der Buchhandel künftig segeln. Danke, Barbara!

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