Verlage Trendbericht Kinder- und Jugendbuch 2016: „Bücher sind Integrationsbeschleuniger“

Der „Trendbericht Kinder- und Jugendbuch 2016“ weist darauf hin, dass die Buchkultur in Deutschland bei der Integration von Kindern und Jugendlichen aus anderen Nationen eine große Rolle spiele. Erstellt wird der Trendbericht vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) und dem Arbeitskreis für Jugendliteratur (AKJ).

Darin heißt es: „Unterschiedliche Nationalitäten und Kulturen gehören in den deutschen Kindergärten, auf Schulhöfen und Spielplätzen zum Alltag. Durch die jüngsten Fluchtbewegungen nimmt die Zahl der neu ankommenden Kinder und Jugendlichen aber schnell zu. Nahezu jeder Dritte, der im Januar 2016 einen Asylantrag gestellt hat, ist unter 18 Jahre alt. Die Herausforderung für die kommenden Jahre wird sein, diese Jungen und Mädchen zu integrieren.“

„Bücher sind Integrationsbeschleuniger“, erklärt Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. „Sie transportieren Gedanken und Geschichten und können Türen für fremde Kulturen öffnen. Indem sie andere Lebenswelten und Lebensläufe beschreiben, verbinden Bücher und schärfen den Blick für den Anderen. Buchhandlungen bieten Foren und Räume, in denen Kinder und Jugendliche andere Welten entdecken können. Verlage und Buchhandlungen übernehmen daher eine wichtige Rolle nicht nur bei der Leseförderung, sondern auch bei der Vermittlung von interkulturellen Fähigkeiten.“

Der deutsche Kinder- und Jugendbuchmarkt biete dafür bereits heute ideale Voraussetzungen, denn rund ein Viertel der jährlichen Neuerscheinungen sind Übersetzungen aus anderen Sprachen. „Kinder und Jugendliche profitieren vom literarischen Kosmopolitismus in Deutschland. Indem ihnen die ganze Bandbreite der internationalen und nationalen Literatur zur Verfügung steht, machen sie Erfahrungen mit unterschiedlichen Weltentwürfen und Erzählweisen. Sie erfahren auch, dass die Welten vor unseren Haustüren von großen sozialen und kulturellen Unterschieden geprägt sind“, sagt Susanne Helene Becker, Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur.

Durch die wachsende Zahl an Zuwanderern kämen neue Anforderungen auf die Verlage zu, heißt es weiter im Trendbericht. Das zeige ein Blick in die Programme. 60 Titel der aktuellen und bereits gemeldeten Neuerscheinungen im Bereich Kinder- und Jugendbuch beschäftigen sich explizit mit den Themen Flucht, Toleranz und Integration. „Aktuell geht es den Verlagen vornehmlich darum, Kindern und Jugendlichen die Situation der Flüchtlinge und Migranten so vielschichtig wie möglich darzustellen. Nur wer gut informiert ist, kann Empathie und Verständnis aufbringen. In einem zweiten Schritt wird es darum gehen, auch mittels Büchern den jungen Zuwanderern unsere Kultur und Werte zu vermitteln“, sagt Renate Reichstein, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj).

Auf der Leipziger Buchmesse widmen der Börsenverein, die avj und der AKJ dem Thema eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Sich die Welt erlesen! Warum Bücher verbinden und interkulturelles Leben fördern“ mit Anna Xiulan Zeeck (Leiterin Desina Verlag, Oldenburg), Andrea Karimé (Autorin, Köln), Mariela Nagle (Buchhandlung mundo azul, Berlin) und Moderator Torsten Casimir, Chefredakteur Börsenblatt – am Freitag, 18. März, 10.30-11.30 Uhr im Forum Kinder-Jugend-Bildung, Halle 2 (Stand A501 / B502). Eine Auswahl an Kinder- und Jugendbüchern zum Thema Integration finden Sie auch im Special Junge Zielgruppe im heute erscheinenden BuchMarkt ab Seite 106.

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