„99 Autorinnen der Weltliteratur“ im Literaturhaus Berlin

Großer Auftritt gestern Abend in Berlin: Die renommierten Kritikerinnen Verena Auffermann (Foto), Gunhild Kübler, Ursula März und Elke Schmitter (Foto) stellten ihr druckfrisches Buch Leidenschaften. 99 Autorinnen der Weltliteratur vor (C. Bertelsmann).

Die Nachfrage im Literaturhaus war so groß, dass man kurzfristig in den Kuppelsaal des benachbarten Käthe-Kollwitz-Museums ausweichen musste. Selbstverständlich war auch die Vergabe des Literaturnobelpreises ein Thema. Der Abend begann mit viel Applaus der rund 100 Gäste für Herta Müller. „Sie wird natürlich auch in dem Buch gewürdigt“, hatte Moderatorin Frauke Meyer-Gosau das überwiegend weibliche Publikum begrüßt.

„Leidenschaften“ stellt in einzelnen Porträts 99 Autorinnen aus allen Kontinenten, Zeiten und Genres vor – von der Griechin Sappho bis zu J. K. Rowling. Die Porträts sind alphabetisch geordnet, von Anna Achmatowa bis Marina Zwetajewa.

Am Anfang des Projekts stand die Leidenschaft: Für das 640 Seiten starke Buch hätten sich vier Autorinnen mit Leidenschaft auf 99 andere Autorinnen gestürzt, die leidenschaftlich geschrieben haben, so Frauke Meyer-Gosau. Gestern Abend las jede der vier Autorinnen eines der von ihr verfassten Porträts vor und weckten damit die Leselust.

Und wie entsteht ein Buch, an dem so viele Autorinnen beteiligt sind? „Wir haben ganz oft zusammengesessen und immer wieder Listen gemacht“, erzählte Elke Schmitter. Die Auswahl der ersten 50 Autorinnen sei nicht schwer gewesen. Über die restlichen 49 aber wurde viel diskutiert. „Wir haben uns für 99 entschieden, weil klar ist: Eine fehlt immer“, so Schmitter. Bei der Auswahl sei es aber nicht nur um Qualität gegangen. „Wir wollten Autorinnen vorstellen, weil deren Geschichte eine andere war und ist als die ihrer männlichen Kollegen. Und sie sollten für die Literaturgeschichte bedeutsam sein.“

Wie die vier Kritikerinnen da auf der Bühne ins Schwärmen gerieten, spürte man wie viel Spaß ihnen die Arbeit gemacht haben muss. Sie teilen viele Überzeugungen und sind in ihren Temperamenten und Leseleidenschaften doch so verschieden, dass man den Diskussionen bei ihren Treffen gerne gelauscht hätte. Auch für die vier war das Buch eine Entdeckungsreise. Sie hätten Autorinnen neu und wiederentdeckt und teilweise mit einem anderen Blick gelesen als bei der ersten Lektüre. Aber es gab auch Durststrecken: Ohne die vitale Freude von Elke Schmitter wäre das Buch vielleicht nie zustande gekommen, lobte Verena Auffermann.

Auch wenn Autorinnen aus aller Welt berücksichtigt sind, liegt der Schwerpunkt auf der deutschsprachigen Literatur. Nun wünschen sich die Vier, dass sich das Buch als Projekt fortsetzt, indem es in anderen Ländern erscheint und hinzugefügt wird, was dort von Bedeutung ist. So ist das Buch nicht nur als Kanon gedacht, sondern auch als Auftakt. Als Motto der Arbeit nannte Elke Schmitter denn auch zwei Gedichtzeilen von Mascha Kaléko: „Auf nichts war Verlass. Nur auf Wunder.“

ML

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