Alexander Konrad las Donald Windham im Heine Haus

Alexander Konrad, Rudolf Müller

Wie findet man einen amerikanischen Roman, dessen Erstveröffentlichung 60 Jahre zurücklliegt? Ganz einfach: durch Zufall. Lilienfeld-Verleger Axel von Ernst stieß bei ganz anderen Recherchen immer wieder auf Namen Donald Windham.

Der tauchte auf als Freund von Truman Capote und Tennesse Williams, war natürlich auch Schriftsteller, hatte 1950 einen Roman mit dem Titel Dogstar veröffentlicht, den Thomas Mann nachweislich gelesen und für gut befunden hatte (nicht seine übliche Nettfinderei, sondern Einträge im Tagebuch!) – aber viel mehr gab es nicht. Von Ernst gab Alexander Konrad, einem befreundeten Schriftsteller und Übersetzer, das Buch: „Guck dir das mal an.“

Machte der und war sofort begeistert. Wühlte sich durchs New Yorker Telefonbuch, fand zwei Windhams, aber zum Glück stehen in diesem Buch auch die Altersangaben, also schied der eine mit seinen zarten 27 Jahren aus, und Konrad läutete durch bei Winham, Donald (87). Der ging auch ans Telefon, bestätigte, dass er derjenige welcher sei, und auf die Frage, was er über eine Übersetzung seines Romans ins Deutsche denke, sagte er bescheiden: „Ach, das wäre schön.“

Konrad besuchte (wie auch die Lilienfeld-Verleger) den 1920 geborenen Autor in New York, und in der Zwischenzeit hatte sich bereits das deutsche Feuilleton des „Falles“ angenommen: Beispielsweise die ZEIT, die noch vor Erscheinen des Buches einen ganzseitigen Aufmacher brachte.

Inzwischen ist das Buch erschienen, Konrad sitzt bereits an der Übersetzung des nächsten Windham-Romans. Gestern las er im Düsseldorfer Heine Haus aus Dogstar und versuchte im Gespräch mit Rudolf Müller zu klären, warum Dogstar bis heute ein Geheimtipp geblieben ist. In Deutschland könnte man das ja ändern. Verdient hätte es der Roman allemal.

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