Antrittslesung von Sherko Fatah

Sherko Fatah

Seit dem 2. September ist Sherko Fatah neuer Stadtschreiber von Bergen – zur traditionellen Feier im großen Festzelt übernahm er den Schlüssel für das Stadtschreiberhaus von seiner Vorgängerin Ruth Schweikert.

Der 43. Amtsinhaber las gestern Abend in der Nikolauskapelle in Bergen aus seinem bislang letzten, 2014 im Luchterhand Verlag erschienen Roman Der letzte Ort.

Joachim Netz von der Geschäftsführung der Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim begrüßte die vielen Gäste, die trotz hoher Temperaturen gekommen waren.
Gleich zu Beginn der Antrittslesung kamen Text und Gegenwart überein: „Albert wischte den Schweiß von seiner Stirn“, heißt es im Buch. Die Entführungsgeschichte, beklemmend und unter die Haut gehend, spielt im Irak. Doch anscheinend genauso heiß war es an diesem Septemberabend in Bergen.

„Die Gucklochperspektive wird das ganze Buch durchgehalten“, erklärte der Autor nach der ersten Passage. Genau diese Perspektive zieht den Zuhörer in die Geschichte hinein, lässt ihn die Hilflosigkeit des entführten (ost)deutschen Journalisten Albert, sein Ausgeliefertsein und seine Ohnmacht spüren.

Sherko Fatah, 1964 in Berlin geboren, hat irakische Wurzeln. Von 1990 bis 1996 studierte er in Berlin Philosophie und Kunstgeschichte. Er bereiste Indien, Bangladesch, den Nepal, Zentralafrika und die USA.
Längere Aufenthalte im Irak prägten ihn und haben Einfluss auf sein Werk, das sich in bislang sechs Romanen mit der Begegnung unterschiedlicher Kulturen, mit Entwurzelung und Gewalt, Flucht und Radikalisierung beschäftigt.

Sherko Fatahs erster, 2001 bei Jung und Jung erschienener Roman Im Grenzland wurde mit dem aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet. 2002 folgte die im gleichen Verlag veröffentlichte Erzählung Donnie, 2004 wurde der Roman Onkelchen publiziert. 2008 kam ebenfalls bei Jung und Jung Das dunkle Schiff heraus, mit dem Fatah auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis landete und für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war. 2011 erschien im Luchterhand Verlag Ein weißes Land, erneut ein Titel der Shortlist.
2015 wurde der Autor mit dem Großen Kunstpreis Berlin und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet.

Im Anschluss an die Lesung konnten am Büchertisch von Anna Doepfner, Buchhandlung Bergen erlesen Fatahs Romane erworben werden. Gerne signierte der Autor die Bücher.

JF

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