Auftakt zur Reihe „Die Rechte der Menschen“

Roger Willemsen, Gert Scobel, Carolin Emcke

Gestern Abend begrüßte die Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek, Dr. Elisabeth Niggemann, die zahlreichen Besucher im Vortragssaal des Frankfurter Hauses anlässlich der Auftaktveranstaltung zur Reihe Die Rechte der Menschen, die im 125. Jubiläumsjahr des S. Fischer Verlages mit Autoren des Editionshauses stattfindet.

Dr. Jörg Bong, Programmgeschäftsführer bei S. Fischer, verwies auf die Tradition des Verlages: „Der aufklärerische und demokratische Gestus des Verlages war immer verknüpft mit der Frage nach den ‚Rechten der Menschen’ – nicht zufällig erscheinen die Jahresberichte von Amnesty International bei S. Fischer.“ Der Verlag hat es sich seit seiner Gründung 1886 durch Samuel Fischer zur Aufgabe gestellt, den „Blick dorthin zu werfen, wo sonst keiner hinblickt.“

Im Podium diskutierten die Fischer-Autoren Carolin Emcke, Roger Willemsen und Gert Scobel. Der Erlös aus dem Eintritt zur Veranstaltung ging an den 1992 gegründeten Afghanischen Frauenverein, dessen Schirmherr Roger Willemsen ist.

Die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika 1776 und die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte der französischen Nationalversammlung 1789 sind Vorläufer der 1948 von der UN-Generalversammlung genehmigten Erklärung der Menschenrechte. Weitaus komplizierter als die Formulierung dieser Rechte gestaltet sich die Durchsetzung.

Roger Willemsen wies auf die Strategie der USA hin, die beispielsweise – obwohl Eleanor Roosevelt 1946 wesentlich mit an der Formulierung der Menschenrechte und ihrer Durchsetzung in der UNO beteiligt war – den Internationalen Gerichtshof nicht anerkennen. Signifikantestes Beispiel für die Missachtung der Menschenrechte ist Guantanamo.

Carolin Emcke, die vor wenigen Tagen aus Gaza zurückkam, erläuterte, dass viele Menschen in diesem Gebiet die Erklärung gar nicht kennen. So gehe es auch um Aufklärung über die drei Themen liberale Freiheitsrechte, demokratische Partizipation und soziale Teilhabe. „Menschenrechte müssen jenseits von Gesetzen gelten“, forderte die engagierte Journalistin und Autorin. Doch genau in dieser Beziehung liegt das Spannungspotential.

Die Folterbilder von Abu Ghraib gingen um die Welt, sie würden, erklärte Carolin Emcke, der Sache der Menschenrechte auf Jahrzehnte schaden, denn auch mit dem Anspruch, die Menschenrechte im Irak schützen zu wollen, sei dieser Krieg geführt worden.

„Es gibt die urgent actions von Amnesty International, und es gibt Autoren, die Unrecht erfahrbar machen können“, bemerkte Roger Willemsen. Carolin Emcke wandte ein, dass diese Arbeit für die Autoren wahnsinnig schwierig ist.

Dennoch: Es geht immer um bürgerschaftliches Engagement, und dabei ist jeder gefragt.

Die Veranstaltung hat nachdenkliche Zuhörer hinterlassen, im Foyer wurde noch weiter diskutiert. Die Buchhandlung der Autoren bot eine Auswahl von Büchern an, die Autoren signierten sie auf Wunsch.

Am 18. Mai wird die Reihe im Jüdischen Museum Frankfurt fortgesetzt, zu Gast wird dann Thomas Buergenthal sein.

Das Literaturhaus Frankfurt wird am 15. Juni Gastgeber der dritten Veranstaltung mit Harald Welzer sein.

Ihren Abschluss findet die Reihe am 5. September mit Jared Diamond auf dem Campus Westend der Goethe-Universität.

Auch mit der Einbeziehung vieler verschiedener Institutionen dokumentiert der Verlag sein Bekenntnis zur Stadt, unterstrich Jörg Bong.

Höhepunkt des Verlagsjubiläums ist ein großes Fest Anfang September in Frankfurt. Detaillierte Informationen zu 125 Jahren S. Fischer sind unter www.fischer125.de zu finden.

JF

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