150 Jahre Freies Deutsches Hochstift: Ausstellung im Goethe-Haus Frankfurt

Gründungsurkunde

Das Gründungsdatum 10. November war 1859 ganz bewusst gewählt worden, der Geburtstag Friedrich Schillers jährte sich zum 100. Mal. Anlässlich beider Jubiläen wird heute Abend im Goethe-Haus eine Ausstellung mit dem Titel Revolution und Tradition eröffnet.

Die Exposition beginnt im Arkadensaal des Goethe-Museums und ist in sieben Abteilungen untergliedert, die sich mit der Entwicklung und den Aufgaben des Freien Deutschen Hochstifts beschäftigen.

Ein farbiges Leporello, auf dem alle Stände sich in einem Festumzug vereinen, leitet sinnbildlich zu den Gedanken des Gründers Otto Volger hin, der eine Vereinigung für Wissenschaften, Künste und allgemeine Bildung schaffen wollte. 56 Männer, darunter Ludwig Büchner, August Ravenstein und Carl Friedrich Loening, verabschiedeten die erste Satzung des Hochstifts.

Mit dem Kauf von Goethes Geburtshaus am Großen Hirschgraben 74 im Jahr 1863 bekam das Freie Deutsche Hochstift ein angemessenes Domizil. Die wechselvolle Geschichte des Hauses wird in großformatigen Fotos und anhand zahlreicher Dokumente deutlich.

Eine überaus wichtige und prägende Rolle im Hochstift und für das Goethe-Haus spielte Ernst Beutler, der beiden von 1925 bis zu seinem Tod 1960 vorstand.

In den 14 Museumsräumen bieten die Dokumente in den Vitrinen einen Einblick in die Arbeit des Freien Deutschen Hochstifts und ergänzen die jeweiligen Sammlungen in herausragender Weise. Hier bekommt der Besucher eine Ahnung von der Tätigkeit der Mitarbeiter, kann nachvollziehen, wie und warum gerade dieses Gemälde oder jene Handschrift erworben wurden. Beispielhaft dafür steht ein Eichendorff-Manuskript; zunächst gelangte ein kleiner Ausschnitt mit einem Vierzeiler in die Sammlungen des Hochstifts, später konnte man den fehlenden, wesentlich größeren „Rest“ des Manuskripts hinzufügen.

Kurator Joachim Seng legt am Ende seines fünfjährigen Projekts, das mit der Ausstellung seinen augenfälligen Höhepunkt erfährt, eine über 600-seitige Publikation vor: Goethe-Enthusiasmus und Bürgersinn. Das Freie Deutsche Hochstift – Frankfurter Goethe-Museum 1881 – 1960, soeben im Wallstein Verlag erschienen.

Die Exposition ist bis zum 28. Februar 2010 zu sehen und wird von einem vielfältigen Rahmenprogramm begleitet, das auch ein Symposium unter dem Titel Volksbildung als Bildung zur Freiheit. Frankfurter Bürgerstiftungen am 20./21. November einschließt.
Im Arkadensaal sind Leseecken und eine Hörstation in die Ausstellung integriert.

JF

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