Der Brief – Ereignis und Objekt. Ausstellung im Goethe-Haus Frankfurt am Main

Goethes Schreibgerät

Um die Kunst des Briefeschreibens dreht sich eine bemerkenswerte Ausstellung im Arkadensaal des Goethe-Haues in Frankfurt, die vom 11. September bis zum 16. November zu sehen ist. Dabei ist die Exposition nicht chronologisch, sondern systematisch gegliedert und betrachtet verschiedene Aspekte.

Die Besucher erfahren etwas über Briefpapier, Schreibgeräte, Handschriften, Topologie, Ikono-Graphie, Briefbeigaben, Versendetechniken, Schreib- und Leseszenen und Archivierungsspuren. Dabei gibt es wahre Schätze in den Vitrinen zu entdecken: Goethes Schreibgerätschaften, kostbares Büttenpapier, verschiedenfarbige Tinten, ein Brief Brentanos mit Wasserzeichen, HAP Grieshabers Holzschnitt-Brief auf vietnamesischem Reispapier an Albert Kapr, Friedrich Nietzsches Schreiben auf der ersten Schreibmaschine an Heinrich Köselitz Ende Februar 1882, Franz Kafkas Brief an Hedwig Weiler, zunächst mit Schreibmaschine begonnen, dann mit Bleistift fortgesetzt und schließlich mit Tinte beendet.

Auch aus den einzelnen Handschriften lässt sich viel ablesen; manche sind so schön, dass man sie noch heute ohne Mühe lesen kann, manche bereiteten den einstigen Adressaten und heute den Restauratoren viel Kopfzerbrechen.

Es gibt nummerierte Briefwechsel und kunstvolle Zeichnungen, ja Gemälde. Und es gibt einen Brief mit Tränen, kunstvoll „umschrieben“.

Viele der gezeigten Objekte sind äußerst lichtempfindlich, so dass Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken, Chefin des Goethe-Museums, mit ihrem Team zwischen angemessener und zulässiger Beleuchtung entscheiden musste. Auch deshalb werden einige hochempfindliche Exponate nur einige Wochen zu sehen sein.

Eine spannende Ausstellung, die nach dem Besuch Wehmut aufkommen lässt. Denn wer schreibt in E-Mail-Zeiten schon noch solch wunderbare Briefe?

Zur Ausstellung ist im Stroemfeld Verlag Frankfurt ein 350seitiger Katalog erschienen.

JF

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