Die Schönsten aus sechs Jahrzehnten in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main

Ein Plakat weist auf die Ausstellung hin

Heute Abend wurde die Ausstellung „Ansichtssachen! Bücherlese à la carte“ in der Nationalbibliothek in Frankfurt eröffnet. Gezeigt werden 42 der schönsten deutschen Bücher, die in den Jahren 1951 bis 2006 prämiert wurden. Die Tradition, Bücher nach ihrer Gestalt zu beurteilen, hat in den Jahren 1929 bis 1932 in Leipzig ihren Ursprung und wurde 1951 wieder aufgenommen. Die Stiftung Buchkunst führt seitdem jährlich den Wettbewerb „Die schönsten Bücher“ durch.

Dr. Elisabeth Niggemann, Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek, eröffnete als Hausherrin die Ausstellung und wies darauf hin, dass man beim Rundgang viele „alte Bekannte“ wieder treffen könnte: Die kleinen Schildchen in den Vitrinen lesen sich tatsächlich wie das „who is who“ der Geschichte der Buchkunst seit 1951.

Dr. Elisabeth Niggemann

So begegnet man in den sieben ausgewählten schönsten Büchern der Jahre 1951-1959 solchen Namen wie Max Burchartz, Robert Gutmann, Günter Böhmer, Martin Kausche, Gerhard Oberländer, Alexander Koch und Willy Fleckhaus. In den Jahren 1960-1969 setzt sich die Reihe mit Peter Weiss, Christian Chruxin, Heinrich Mayr, Juergen Seuss, Hans Maier, Gisela Röder, Werner Klemke, Wolf Vostell fort. 1970-1979 sind Albert Kapr, Hans Peter Willberg, Heinz Edelmann, Horst Schuster, Jürgen B. Tesch, Karl-Dietrich Roth, Egbert Herfurth zu entdecken, 1980-1989 begegnet man Rainer Schilling, Adam Koller, Gerhard Milewski, Ulrich Dotzauer, Gerd Wunderlich und Gerd Rücker. In den 90er Jahren stoßen wir auf Gestalter und Typografen wie Ingo Wulff, Hans Winkens, Brigitte Ullmann, Helga Rose, Ute Zscharnt und Dieter Feseke, Matthias Gubig, Silke Nalbach, Victor Malsy und Gilmar Wendt. Bis 2006 prägen schließlich Rainer Groothuis, Claudio dell’Olio, Philip Waechter, Ian Warner und Elvira Walter, Iris Farnschläder und Philipp von Rohden die Titel. Ein Anspruch auf Vollständigkeit der Aufzählung wird nicht erhoben.
So lautet dann auch der Wunsch der Direktorin, dass nicht nur Bibliophile diese Exposition besuchen mögen, sondern all diejenigen, die sich über schöne Bücher freuen.

Helge Aszmoneit

Helge Aszmoneit, Leiterin Information Services Rat für Formgebung, stellte fest, dass das Buch für den Bereich Design heute mehr denn je wichtig ist. Zunehmend befassen sich junge Designer erfreulicherweise mit Buchgestaltung. Das Buch zwinge in der multimedialen Gesellschaft zur Ruhe, es spricht die Sinne ganz anders als andere Medien an.

Ute Schneider

Die Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst, Ute Schneider, ging auf den Wettbewerb ein. Jährlich werden dazu 800 bis 1000 Bücher eingereicht, 40 bis 60 davon werden als „schönste“ prämiert. Die heute eröffnete Ausstellung stellte das Gremium vor die schwierige Aufgabe, sieben schönste Bücher, die ein Jahrzehnt repräsentieren, auszusuchen. Die Kriterien für die Auswahl sind gleichzeitig das Rezept für die Herstellung guter Bücher: herausragende Typografie, ansprechende Fotografie bzw. Illustration, wertiges Material und passende Ausstattung. Die gute Mischung macht das schöne Buch aus, das Zeit in der Herstellung braucht, Erfahrung und Verständnis.
Die Exposition macht gleichzeitig markante Eigenwilligkeiten in der jüngeren Geschichte der Buchgestaltung deutlich, zeigt Titel aus verschiedenen Gattungen und dokumentiert Zeitgeschichte.

Ein Hauch 68 auch hier: Beat in Liverpool von
Juergen Seuss/Gerold Dommermuth/Hans Maier,
erschienen 1966 bei der Büchergilde Gutenberg

Ein Glossar in 42 Stichworten, vor der Wand an der Treppe zur ersten Etage angebracht, informiert von „Achtelbogen“ bis „Zeilenabstand“ über wichtige Begriffe in der Buchherstellung.
Im oberen Bereich ist eine Postkarten-Edition zu sehen, sie enthält alle Titel im Kleinformat. So lässt sich die Exposition handlich mit nach Hause nehmen.

Die Deutsche Nationalbibliothek zeigt die „Bücherlese à la carte“ noch bis zum 23. August.

JF

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