„Eigensinn macht Spaß“ / Hermann Hesse: Leben in Wort und Bild / Ausstellung im Klingspor-Museum in Offenbach

Die Stühle reichten nicht, so viele Besucher waren gestern ins Klingspor-Museum nach Offenbach gekommen, um zur Eröffnung der Hermann-Hesse-Ausstellung, realisiert vom Suhrkamp Verlag und dem Hessischen Rundfunk, dabei zu sein.

Volker Michels führt in die Ausstellung ein

Horst Schneider, Oberbürgermeister und Kulturdezernent der Stadt, lobte die Ausstellung als interessantes Wechselspiel zwischen Text und Bild und dankte allen daran Beteiligten. Scherzhaft wies er darauf hin, dass Volker Michels, Suhrkam-Lektor und herausragender Hesse-Kenner, seinen Wohnsitz nun in Offenbach habe und so noch einmal eine besondere Verbindung hergestellt sei.

Michels machte darauf aufmerksam, dass die erste Hesse-Ausstellung dieser Art bereits vor zehn Jahren im Hessischen Rundfunk stattfand, die Exposition mittlerweile weit über Hessen hinaus – so zum Beispiel in Bremen, Wien und Budapest – gezeigt wurde und schon von etwa 270.000 Interessierten besucht worden ist.

„Eigensinn macht Spaß“, die Headline und eine Hesse-Zitat, prägte Hesses gesamtes Leben. Der Autor, dessen Bücher in einer über 120 Millionen Exemplaren weltweit verbreitet sind, beschäftigte sich immer mit der Selbstverwirklichung des Menschen, ihren Möglichkeiten und Grenzen. Als erster deutscher Emigrant verließ er bereits 1912 das Land, leitete Hilfsaktionen für die Opfer des Ersten Weltkriegs und blieb seiner Überzeugung treu, die von einem friedlichen Zusammenleben der Nationen geprägt war. Hermann Hesse mied die Öffentlichkeit, war keiner, der im Rampenlicht stehen wollte, lehnte die Verfilmung seiner Werke ab. Er verzichtete sogar auf eigene Werke, um anderen Rat zu geben; auf Grund seiner Bücher wandten sich unzählige Leser an ihn.

Erst vor zwei Jahren erschien eine 20-bändige Hesse-Gesamtausgabe von über 14.000 Seiten, so umfassend war der Nachlass des Schriftstellers, der außerdem über 3.000 Aquarelle beinhaltet.

Die Ausstellung im Klingspor-Museum, die vom 30. August bis zum 14. Oktober zu sehen ist, zeigt das Leben, dichterische Werk und bildnerische Schaffen Hermann Hesses im Komplex und ermöglicht sowohl Kennern wie auch Einsteigern einen ganz außergewöhnlichen Einblick in ein außergewöhnliches Künstler-Leben.

Ein Rahmenprogramm bietet zahlreiche Möglichkeiten, sich speziell mit dem Werk Hesses auseinander zu setzen. Kuratorin Dr. Bettina Leder-Hindemith führt schon Gespräche, um diese Exposition noch an vielen Orten zeigen zu können.

Volker Michaels verriet, dass zur Frankfurter Buchmesse die wohl umfassendste Bibliografie Hesses mit ca. 21.000 Quellenverweisen erscheinen wird (de Gruyter Verlag).

JF

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