Frankfurt: Ludwig Meidner-Ausstellung

Ludwig Meidner, Horcher in die Zeit, 1938

Am 20. März wird im Museum Giersch der Goethe-Universität in Frankfurt die Exposition Horcher in die Zeit – Ludwig Meidner im Exil eröffnet. Sie ist eine von fünf Ausstellungen, die aus Anlass des 50. Todestages Ludwig Meidners am 14. Mai in diesem Jahr in der Rhein-Main-Region geplant sind.

Im Fokus der Schau im Museum Giersch stehen Meidners Exilarbeiten: Meidner emigrierte 1939 mit seiner Frau, der Malerin Else Meyer, und seinem Sohn David nach London.

Manfred Großkinsky, Leiter des Museums, nannte die Meidner-Aneignung eine „Rezeptionsgeschichte mit Brüchen“. Der jüdische Maler, Zeichner, Journalist und Schriftsteller fand nach seiner Rückkehr 1953 nach Deutschland keinen Anschluss mehr an die Künstlerszene.

Erst 1963 gab es in Recklinghausen eine erste Retrospektive zu Meidners Werk – mit ihr begann die langsame Wiederentdeckung des Künstlers.
Die Ausstellung im Museum Giersch mit mehr als 120 Arbeiten – viele aus der Exilzeit – ermöglicht eine neue Sichtweise auf das Œuvre Meidners, eine formale und inhaltliche Kontinuität wird sichtbar und erlaubt neue Entdeckungen in den Gemälden, Zeichnungen und Skizzen.

„Ludwig Meidner ist eng mit der Rhein-Main-Region verbunden. Deshalb war ich von dem Projekt begeistert“, erklärte Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain – der Kulturfonds unterstützt das gesamte Projekt, das unter dem Titel Ludwig Meidner – Seismograph fünf Ausstellungen und ein Symposium bündelt und damit „Rezeptionsdefizite aufarbeiten“ möchte.

Cornelia von Plottnitz, Erste Vorsitzende der Ludwig Meidner Gesellschaft, lernte den Künstler 1960 kennen und war in seinem Atelier in Hofheim-Marxheim: „Er hat mich beeindruckt.“ Keine nennenswerten Aktionen gab es zum 100. Geburtstag Meidners 1984. „Sein Werk durfte nicht ein zweites Mal vergessen werden. Deshalb habe ich die Ludwig Meidner Gesellschaft 1990 gegründet.“ Die Gesellschaft hat vier Publikationen herausgegeben, initiiert und unterstützt, darunter auch Verteidigung des Rollmopses. Gesammelt Feuilletons 1927-1932, im Verlag Schöffling & Co. 2003 erschienen. „Sein literarisches Werk ist leider weitgehend unentdeckt“, fügte von Plottnitz hinzu. „Ludwig Meidner war ärgerlich, dass er auf seine expressionistischen Arbeiten reduziert wurde. Das ändert sich jetzt.“

„Allerdings waren seine expressionistischen Werke von überwältigender Wucht“, entgegnete Erik Riedel, Kurator Ludwig Meidner-Archiv beim Jüdischen Museum Frankfurt. Meidner sei sein sehr komplexer Künstler mit unterschiedlichen Schaffensphasen gewesen, der sich religiösen, zeitgeschichtlichen und persönlichen Themen angenommen habe. „Das Exil war für ihn eine schwierige Zeit. Er befand sich in London nicht mehr im Zentrum des englischen Kunstgeschehens.“ Deshalb sei es wichtig, dass im Rahmen des Projekts die verschiedenen Aspekte seines Schaffens beleuchtet werden, damit nun ein zeitgenössisches Netzwerk entstehe.

„Ludwig Meidner gehörte zu den drei bis vier Prozent der Emigranten, die zurückkehrten“, erläuterte Birgit Sander, Kuratorin der Ausstellung im Museum Giersch. Meidner kam 1953 allein zurück, seine Frau blieb in London, sein Sohn ging bereits 1951 nach Israel. Zwischen 1939 und 1953 entstanden über 25 Skizzenbücher und mehr als 200 Zeichnungen. „Es war ein Ersatz für die Ölmalerei, die sich Meidner im Exil nicht leisten konnte“, erklärte Sander. „Er erfasste mit seismographischem Gespür seine Zeit, der Horcher in die Zeit, 1917 und 1938 umgesetzt, ist als Alter Ego Meidners zu verstehen.“

Das Exil könne nicht ohne Zuhilfenahme anderer Werke verstanden werden, deshalb sei die Ausstellung mit einzelnen Werken, die nicht in London entstanden sind, ergänzt worden, sagte die Kuratorin.

Die Exposition im Museum Giersch ist bis zum 10. Juli 2016 zu sehen. Darüber hinaus gibt es drei szenische Lesungen unter dem Titel Zinnobernächte und Ultramarinblaue Tage, die Ausstellung Lehrer, Schüler, Freund, Kollege. Ludwig Meidner und Jörg von Kitta-Kittel vom 14. August bis zum 24. September 2016 in der Galerie Netuschil in Darmstadt; die Exposition Jugend und Alter. Ludwig Meidners Porträts aus den 1950er und 1960er Jahren im Stadtmuseum Hofheim am Taunus vom 28. August bis 13. November 2016; die Schau Ludwig Meidner. Begegnungen im Institut Mathildenhöhe in Darmstadt vom 9. Oktober 2016 bis zum 5. Februar 2017 und die Schau Künstler im Ersten Weltkrieg. Ludwig Meidner, Karl Deppert, Karl Thylmann, Josef Eberz u.a. im Kunst Archiv Darmstadt vom 23. Oktober 2016 bis 31. März 2017.

Vom 16. bis 18. Januar 2017 plant das Jüdische Museum Frankfurt ein wissenschaftliches Symposium zu Werk und Wirkung Ludwig Meidners.

Mehr ist unter www.ludwig-meidner.de zu finden.

JF

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