Günther Kieser: Grafik, Plastik, Plakat

Günther Kieser mit Faltblatt zur Ausstellung

Ab 1. Juli zeigt das Klingspor Museum in Offenbach am Main unter dem Titel Überhaupt eine Ausstellung mit Grafiken, Skulpturen und Plakaten des Künstlers Günther Kieser, der mit seinen Arbeiten Geschichte geschrieben hat.

Der 1930 in Kronberg (Taunus) geborene Günther Kieser studierte an der Werkkunstschule Offenbach Grafik-Design und lehrte an der Bergischen Universität Wuppertal. Seit 1951 arbeitet er freischaffend. Er ist gewähltes Mitglied der renommierten Alliance Graphique Internationale (AGI).

„Es gab bereits zahlreiche Günther-Kieser-Ausstellungen, doch diese geht über das zentrale Thema Plakatgestaltung hinaus“, erläutert Dr. Stefan Soltek, Leiter des Klingspor Museums, in der heutigen Pressekonferenz. Der Titel der Exposition weist darauf hin: 18 Kopfplastiken stehen in Vitrinen, es sind Skulptur gewordene Geschichten des Herrn K. – natürlich darf da auch an Kafka gedacht werden. Im Umfeld mit Plakaten und grafischen Arbeiten bieten diese dreidimensionalen Werke einen ganz besonderen Blickwinkel auf das Œuvre in einer einzigartigen Zusammenschau, sind gleichzeitig eine interessante Symbiose unterschiedlicher Genres.

„Köpfe sind Hauptinhalte meiner Plakate“, erklärt Günther Kieser und verdeutlicht das an der Arbeit The Oscar Petersen Trio aus dem Jahr 1962. Köpfe als eine Art Grundmuster des Gestaltens, das sich durch das ganze Schaffen zieht.

Bei den Plastiken geht es um veränderte, verschönerte, ergänzte Köpfe, darum, wichtige Lebenssituationen sichtbar zu machen, das Innere mit dem Äußeren zu verknüpfen, auch darum, Erlebnisse in der Darstellung bis zur Unerträglichkeit zu übertreiben.
Die ersten Masken sind 1970 entstanden, das Thema Skulptur hat bereits das Kind Günther Kieser interessiert als er im Nachbarhaus bei einem Bildhauer zeichnete.

„Die Plakate in unserer Exposition, ein zeitlicher und inhaltlicher Querschnitt des Gesamtwerkes, sind komprimierte Lebensbilder und subtile Inhaltsangaben zu Zeitgeist und Musik. Sie sind Moderationen zwischen den Künstlern, insbesondere den Musikern, und den Betrachtern respektive Zuhörern“, formuliert Stefan Soltek. Solche Plakate sind in der Gegenwart kaum noch zu finden. Schnell ist an dieser Stelle die Überleitung zu einem der wichtigsten Auftraggeber von Günther Kieser, die Konzertagentur Lippmann + Rau, gefunden. An die Zeit, als der Jazz Deutschland eroberte, erinnert Stefan Soltek mit den Worten: „Günther Kieser war für Frankfurt der Torwächter des Jazz.“ „Ich musste bei Horst Lippmann und Fritz Rau in den Dienst der Sache treten, das war die Voraussetzung für meine Arbeit“, bekennt Günther Kieser.

Auf sein legendäres Hendrix-Plakat möchte er nicht so gern angesprochen werden (nicht schon wieder nur diese Geschichte!), es ist nicht sein Lieblingswerk, denn so teilt er die Arbeiten nicht ein: „Es gibt starke Plakate, Dinge, die mehr Spaß machen als andere“, erklärt er bescheiden. Doch er fügt einschränkend und bestimmt hinzu: „Ich habe nie einen Auftrag wider meine Auffassungen gemacht.“
Günther Kieser ist vielfach ausgezeichnet worden, doch das Schönste, was ihm je gesagt wurde, war: Man braucht nur ein Stück von einem Kieser-Plakat zu sehen, um zu wissen, von wem es ist und dass sich dahinter etwas Gutes verbirgt.

Die Ausstellung, die von einem limitierten und vom Künstler signierten Leporello und einem Faltblatt begleitet wird, ist bis zum 29. August zu sehen.

JF

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