Gutenberglabyrinth seit heute in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt am Main

Labyrinth aus Buchseiten – das Zentrum
der Ausstellung

Diese Ausstellung ist uns nah und fern zugleich – so charakterisierte Dr. Elisabeth Niggemann, Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek die Exposition „Gutenberglabyrinth – Buchobjekte, Texte und Situationen seit 1968“ des Künstlers Hubertus Gojowczyk.

Aus seinen etwa 900 Arbeiten werden bis zum 28. Februar 2009 rund 110 Objekte zu sehen sein. Immer geht es um zerstörte, verfremdete, andersartige, schöne und erschreckende Bücher – das macht die Faszination dieser Schau aus. Die Auswahl traf der Künstler selbst, gestaltete den Raum, dessen Zentrum ein Labyrinth aus Buchseiten bildet, praktisch das Innere der Bücher. Rundherum und in der ersten Etage ist zu entdecken, was der Künstler aus den Büchern hervorbrachte. Schauerliche Namen begegnen dem Besucher: „Brandbuch“, „Buch mit Wunde“, „Buch mit aufgekratzten Seiten“, „Zersägtes Buch“. – „Buchlaib“, „Besonnte Vergangenheit“, „Buch mit Nest“, „Buch mit Kartoffelherz“ und „Buch, gen Süden zu lesen“ stimmen dagegen versöhnlich.

1968 entstand Hubertus Gojowczyks erstes Objekt: „Rest eines Buches“, ebenfalls in der Exposition zu sehen. Seitdem hat ihn das Thema nicht mehr losgelassen.

Dr. Stefan Soltek, Leiter des Klingspor-Museums Offenbach, begann seine Einführung in die Ausstellung so: „Der Begriff der Zerstörung ist ein Argument, aber nicht meines.“ Während seiner Ansprache zeigte er im Hintergrund Bilder, die den Jahrhunderte alten Zusammenhang zwischen Buch und Mensch verdeutlichten: darunter Albrecht Dürer (Johannes verschlingt das Buch) und Guiseppe Arcimboldo (Der Bibliothekar). Das Buch als Teil des Lebens zu begreifen, sich mit ihm im wahrsten und tiefsten Sinn zu befassen ist die Kunst Hubertus Gojowczyks.

Der Künstler selbst warnte: Ausstellungsobjekte sind nicht nur heiter, die Zeit ist es auch nicht. Und: Werke können ansprechen, auch wenn sich nicht ansprechend sind. Schauen, sehen, einfühlen, empfinden – so sollen die Objekte sinnlich wahrgenommen werden.
Er machte auf sieben einleuchtende Texte – sie sind in den Fenstern platziert – aufmerksam. Mit Nadeln in Schwarzpapier gestochen stehen dort Wahrheiten, die nachdenklich stimmen. „Starker Tobak in zunehmend rauchfreien Zeiten“, bezeichnet Hubertus Gojowczyk die Blätter.

Am 27. November findet als begleitende Veranstaltung ein Gespräch mit dem Künstler statt.
Am 5. Februar 2009 wird Prof. Dr. Ernst Fischer vom Institut für Buchwissenschaft der Johann Gutenberg-Universität Mainz einen Vortrag über „Ironie, Verfremdung, Destruktion – Variationen zum Thema ‚Buchobjekte'“ halten.

JF

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