Gutenbergs Erfindung und Parallelen zum 3D-Druck

Gutenberg aus dem 3D-Drucker

Der 1. Internationale Kongress ‚3D-Druck in der Medizin‘, der am 15. und 16. April 2016 in Mainz stattfinden wird, präsentiert sich ab heute vorab mit einer kleinen Ausstellung im Gutenberg-Museum der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz.

Schädelknochen, Wadenbeine, eine frisch ausgedruckte Bauchaorta mit Stents – solche erstaunlichen Produkte aus dem 3D-Drucker sind in zwei Vitrinen in der dritten Etage des Gutenberg-Museums zu sehen.

Die Mainzer Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse erläuterte dazu: „Wir möchten Parallelen zwischen Gutenbergs Erfindung von beweglichen Lettern und den Möglichkeiten des 3D-Drucks ziehen. Deshalb haben wir diese beiden revolutionären Entwicklungen im Museum zusammengebracht.“

Zudem verwies Grosse auf die Bestrebungen zur didaktischen und architektonischen Modernisierung des 1900 gegründeten Gutenberg-Museums. Im Foyer befindet sich derzeit gerade eine Ausstellung zu den Wettbewerbsarbeiten, die noch bis zum 30. April während der Öffnungszeiten betrachtet werden können.

Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, Leitender Oberarzt der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Gutenberg-Universität Mainz und Präsident des Kongresses, freute sich über die Zusage von rund 500 Kongress-Teilnehmern aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Schweden, den USA, Österreich, Großbritannien, der Türkei, Russland und den Niederlanden. „Die Idee des Kongresses ist es, Chirurgen, Hersteller und Forschungsinstitute zusammenzubringen und sich über die Möglichkeiten des 3D-Drucks zu informieren“, sagte Al-Nawas. Das Schlagwort heißt Bio Printing – man befinde sich auf einem neuen Weg im Bereich der Chirurgie. Deshalb habe der 3D-Druck eine ähnliche Bedeutung wie die Erfindung des Buchdrucks um 1450.

Mit dem 3D-Verfahren öffne sich die Medizin, wird erfahrbar und nachvollziehbar, passgenau können benötigte Teile – Knochen, Gelenke, schließlich auch Gewebe – angefertigt werden.

Am 15. April findet im Mainzer Schloss um 18 Uhr ein Bürgerabend im Rahmen von 3D-Druck – Fiktion oder Wissenschaft statt. Seit etwa 1980 wurde das Verfahren entwickelt, allein in der Medizin werde bis 2020 ein Zuwachs von 20 bis 25 Prozent erwartet.

Nicht nur die beiden Vitrinen verdeutlichen die Möglichkeiten des 3D-Drucks, dazwischen steht auch ein 3D-Drucker, und die Besucher können live mitverfolgen, wie beispielsweise Knochenteile ausgedruckt werden. „Was vor drei Jahren noch Hobbyforschung war, ist in vielen Bereichen der Chirurgie Realität“, bemerkte Al-Nawas.

Doch während der kleinen Ausstellungseröffnung wurde der Drucker besonders programmiert: Eine Gutenberg-Büste im Miniaturformat kommt aus dem Gerät. „So zeigt sich Gutenbergs Erfindergeist in einer neuen Dimension in der Gegenwart“, scherzte Marianne Grosse.

JF

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