Kurt Halbritter wird mit Ausstellung in Frankfurt gedacht

Plakat zur Ausstellung (Auszug)

Am 22. September würde Kurt Halbritter 90 Jahre alt werden. Doch der 1924 in Frankfurt geborene Karikaturist starb bereits 1978 und ist seither in der Öffentlichkeit ein wenig in Vergessenheit geraten. Das soll sich nun ändern: Das caricatura museum frankfurt widmet ihm ab morgen eine umfassende Ausstellung.

Im Erdgeschoss des Museums sind 142 Blätter des Künstlers sowie neun Großreproduktionen zu sehen, auf der Galerie sind weitere 115 Blatt in Vitrinen ausgestellt, außerdem persönliche Utensilien und Werbeartikel, die er für die Binding-Brauerei gestaltet hat.

„Wir freuen uns, dass in Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadtgeschichte, das den Nachlass Kurt Halbritters ankaufen konnte, diese Exposition zustande gekommen ist“, sagte Achim Frenz, Leiter des caricatura museums, auf der heutigen Preview.

Dr. Evelyn Brockhoff, Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte], erwähnte, dass ihr Haus etwa 5000 Blätter von Kurt Halbritter besitzt, dazu persönliche Gegenstände. „Diese Ausstellung in der caricatura hat Kurt Halbritter mehr als verdient“, äußerte Brockhoff.

Kurt Halbritter war ausgebildeter Chemigraph und wurde im II. Weltkrieg noch zur Marine eingezogen. Nach seiner Entlassung aus englischer Gefangenschaft 1948 studierte er an der Werkkunstschule Offenbach, der heutigen Hochschule für Gestaltung. Bereits 1952 machte er sich als freier Illustrator und Karikaturist selbstständig. 1954 erschien im Verlag Bärmeier & Nikel sein erstes Buch Disziplin ist alles – übrigens auch das erste Buch des gerade gegründeten Verlages –, in dem er sich auf seine Weise kritisch zur Wiederbewaffnung äußerte. 1955 gingen die ersten Kleinen Schmunzelbücher in Druck und wurden ein Erfolg, 13 dieser Schmunzelbücher hat Halbritter gestaltet. Beinahe jährlich folgten neue Bände des Karikaturisten, fast alle wurden bei Bärmeier & Nikel veröffentlicht.
Mit Hans A. Nikel, Hans Traxler und Chlodwig Poth gehörte Kurt Halbritter zur ersten Mannschaft der 1962 gegründeten Zeitschrift pardon.

Gerhard Kromschröder, der 1967 zur pardon kam, erinnert sich an Halbritter: „Er war etwa 20 Jahre älter als wir, hatte den Krieg in der Marine mitgemacht und war als Pazifist zurückgekehrt. Er hatte uns viele Erfahrungen voraus und war bereits ein arrivierter Buchautor.“ Trotzdem habe er gut in die pardon-Mannschaft gepasst. „pardon war der Versuch, Satire und Klartext zu versöhnen und stimmte mit dem Zeitgeist überein“, urteilte Kromschröder und ergänzte auf die Frage, warum es heute keine ähnliche Zeitschrift mehr gebe: „Heute ist es scheiß-schwer, jemanden zu beleidigen oder ein Tabu zu brechen. Und einen Lieblingsfeind wie damals Franz-Josef Strauß gibt es auch nicht mehr.“

Gerhard Kromschröder hat zu Kurt Halbritters Neuauflage von Adolf Hitlers Mein Kampf (Erstauflage 1968), gerade im Verlag VitoLibro erschienen, ein paar Anmerkungen geschrieben: „Das Monströse begegnet uns hier in Gestalt des Gewöhnlichen, Alltäglichen, Normalen … Alles Fassade. Unter dem Tarnnetz der kleinbürgerlichen Idylle lauert die mordlüsterne Düsternis einer Zeit, in der mehr schuldig wurden als wir wahrhaben wollen.“
Evelyn Brockhoff bezeichnete Halbritters Arbeiten als „Epochenwerk“, so wie Heinrich Zille das Kaiserreich mit spitzem Stift karikierte, tat es Halbritter mit dem sogenannten Dritten Reich.

Ebenfalls im Verlag VitoLibro erscheint die Neuauflage von Kurt Halbritters Tier- und Pflanzenwelt Erstauflage 1975, Carl Hanser Verlag). Zeichnungen aus beiden Bücher bilden Schwerpunkte der Ausstellung, die auf einer von Robert Gernhardt 1999 zusammengestellten Exposition mit Zeichnungen von Kurt Halbritter aufbaut.

Der Querschnitt durch das Werk von Kurt Halbritter ist bis zum 16. November im caricatura museum frankfurt zu sehen.
Teilweise neu gestaltet und mit Zeichnungen von Kurt Halbritter ergänzt wurde ebenfalls die Dauerausstellung des Hauses Die Zeichner der Neuen Frankfurter Schule.

JF

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