Nelly Sachs – Flucht und Verwandlung

Nelly Sachs erhält den Nobelpreis

Gestern wurde im Jüdischen Museum Frankfurt am Main die Ausstellung Flucht und Verwandlung. Nelly Sachs, Schriftstellerin Berlin/Stockholm eröffnet.

Die Exposition zeigt in acht Stationen erstmals umfassend anhand des Nachlasses, der sich in der Königlichen Bibliothek Stockholm befindet, wie aus dem 1891 in Berlin in einer jüdisch-deutschen Familie in Geborgenheit aufgewachsenen Mädchen – ihr Debüt erschien 1921 – eine Schriftstellerin wurde, die zusammen mit Samuel Josef Agnon 1966 den Nobelpreis für Literatur erhielt.

Prof. Dr. Aris Fioretos, Literaturwissenschaftler, Schriftsteller, Dozent an der Södertörn Universität Stockholm und seit 2010 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, kuratierte die Ausstellung und schrieb den umfangreichen Katalog dazu, der im Suhrkamp Verlag erschien.

Prof. Dr. Raphael Gross, Direktor des Jüdischen Museums Frankfurt, wies darauf hin, dass diese Exposition mit der über Else Lasker-Schüler [mehr…] korrespondiert und damit zwei wichtige jüdische Schriftstellerinnen und ihre Werke geehrt und der wieder Öffentlichkeit präsentiert werden.

Im Mai 1940 gelang es der 49-jährigen Nelly Sachs, gemeinsam mit ihrer Mutter in einer der letzten Passagiermaschinen von Berlin-Tempelhof nach Stockholm zu fliehen. Nelly Sachs hoffte auf Selma Lagerlöf, die ihr nach Erscheinen von Sachs’ Debüt 1921 eine Karte geschrieben hatte.
Die Sachsens finden eine kleine Unterkunft in der Jüdischen Gemeinde. Nach mehreren Umzügen wird nach dem Tod der Mutter (1950) die vier mal vier Meter große Küche, in der sie isst, schreibt und schläft und aufs Wasser blickt, zur Kajüte, zum Nest.

1960 trifft Nelly Sachs auf ihrer ersten Auslandsreise – sie erhält den Droste-Preis – in Zürich Paul Celan, mit dem sie seit einigen Jahren im Briefwechsel steht. Die Ausstellung vermittelt außerdem einen Einblick in Freundschaften mit Hans Magnus Enzensberger, Margarethe Holmqvist und Rosi Wosk.

Als Nelly Sachs den Nobelpreis erhält, werden ihre Werke, von denen sie die frühen am liebsten verschwinden lassen möchte, in viele Sprachen übersetzt. In den 1980er Jahren gerät sie nahezu in Vergessenheit.

Die im Vorjahr und in diesem Jahr im Suhrkamp Verlag erschienene vierbändige kommentierte Nelly Sachs Werkausgabe, herausgegeben von Aris Fioretos, rückt die Dichterin erneut in den Fokus der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts.

Heute wird zudem in Köln das Hörbuch zur Ausstellung mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2011 in der Kategorie „Beste Information“ ausgezeichnet [mehr…]. Auf der Produktion des Labels speak low sind Nelly Sachs und Paul Celan zu hören, außerdem Gespräche mit Hans Magnus Enzensberger und Aris Fioretos. Gedicht von Nelly Sachs liest die Schauspielerin Katharina Schubert.

JF

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