Nelly Sachs im Jüdischen Museum Berlin

Arios Fioretos, Cilly Kugelmann

Im Jüdischen Museum Berlin wurde gestern unter dem Motto „Flucht und Verwandlung“ eine Ausstellung über Leben und Werk der Schriftstellerin Nelly Sachs eröffnet. 1966 erhielt sie als erste deutschsprachige Dichterin den Literaturnobelpreis. Anlass der Wanderausstellung ist der 40 Todestag der Dichterin.

Erstmals zeige das Jüdische Museum eine Literaturausstellung, sagte Programmdirektorin Cilly Kugelmann vor der Presse: „Wir hoffen, die Dichterin wieder ins Gespräch bringen zu können.“. Zwar sei der Name vielen geläufig, doch kaum jemand kenne die Texte von Nelly Sachs.

Nelly Sachs habe hinter ihrem Werk verschwinden wollen, betonte Aris Fioretos, der Kurator der Ausstellung, die eine Reise in dieses „unsichtbare Universum“ der scheuen Schriftstellerin unternimmt, die 1891 in Berlin geboren wurde und 1940 vor den Nazis nach Stockholm floh, wo sie 1970 starb.

Die Ausstellung zeigt anhand von bisher unveröffentlichtem Material, die Radikalität ihres Werkes und den kulturhistorischen Kontext seiner Entstehung. Zu sehen sind Fotos, Briefe, Bücher und Manuskripte, aber auch Möbel und Einrichtungsgegenstände aus Sachs‘ Stockholmer Wohnung.

Begleitend zur Ausstellung ist im Suhrkamp Verlag die Bildbiografie Flucht und Verwandlung. Nelly Sachs, Schriftstellerin, Berlin/Stockholm von Aris Fioretos erschienen. Außerdem erscheint im selben Verlag eine kommentierte Werksausgabe in vier Bänden. Die Hör-CD Nelly Sachs. Schriftstellerin Berlin/Stockholm (speak low) präsentiert ein akustisches Porträt von Nelly Sachs – mit Originaltönen von Nelly Sachs, Paul Celan, Hans Magnus Enzensberger, Margaretha Holmqvist und Aris Fioretos. Aus dem Werk der Dichterin liest die Schauspielerin Katharina Marie Schubert.

Die Wanderausstellung ist noch bis zum 27. Juni in Berlin zu sehen. Weitere Stationen sind das Jüdische Theater Stockholm (2. Oktober bis 20. November), das Museum Strauhof Zürich (15. Dezember bis 27. Februar 2011) und das Stadtmuseum Dortmund (15. Oktober 2011 bis 18. Dezember 2011). Weitere Ausstellungsorte sind in Planung.

ML

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