Rudolf Olden, Journalist gegen Hitler – Anwalt der Republik

Rudolf Olden, Gemälde von Kurt Schwitters

Gestern Abend wurde in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main die Ausstellung über Rudolf Olden eröffnet.

In ihrer Begrüßung wies die Direktorin des Hauses, Ute Schwens auf das Plakat zur Exposition hin. Es zeigt das Porträt des Journalisten, Schriftstellers und Anwalts wie in einem Puzzle. Genau so verhält es sich mit der Ausstellung; sie wurde aus vielen Archiven und privaten Leihgaben zusammengestellt.

Bereits vor 30 Jahren wurde im Rahmen einer Darstellung der Arbeit des deutschen PEN-Clubs im Exil eine Ausstellung zu Rudolf Olden gezeigt. Nun hatten die Initiatoren gute Gründe, dem Widerständigen erneut eine Exposition zu widmen, denn inzwischen liegen neue Forschungsergebnisse und Dokumente vor.

Rudolf Oldens Geburtstag hat sich am 14. Januar zum 125. Mal gejährt. Sein Todestag jährt sich am 18. September zum 70. Mal. Die Ausstellungseröffnung liegt zwischen diesen beiden Eckdaten.

Besonders herzlich begrüßte Ute Schwens Mitglieder der Familie Olden, die aus Israel, der Schweiz und den USA angereist waren.

Mary Elizabeth Sufott „Kutzi“, die Tochter Rudolf Oldens, bedankte sich in bewegten Worten für die Ehrung ihres Vaters und die Erinnerung an ihn.

Die Exposition ruft uns einen Menschen ins Gedächtnis zurück, der lange vergessen war, obwohl – oder weil? – er aufrecht handelte, stellte Johano Strasser, Präsident des P.E.N.-Zentrums Deutschland, an den Anfang seiner Rede.

1935 erschien im Querido Verlag Amsterdam Rudolf Oldens Hitler, bereits 1933 war Oldens Hitler, der Eroberer: die Entlarvung einer Legende als erstes Buch des ins Prager Exil gegangenen Malik-Verlags mit einer Umschlaggestaltung von John Heartfield erschienen.

Johano Strasser wies auch auf die Arbeit Rudolf Oldens als Mitbegründer und Sekretär des deutschen PEN-Clubs im Exil in Großbritannien hin und unterstrich: „Rudolf Olden hat Anteil, dass aus dem relativ unpolitischen PEN-Club ein Verband wurde, der Standpunkt bezog.“ Dabei erinnerte er an den Wendepunkt in der Geschichte des PEN, der 1933 mit dem Auftritt Ernst Tollers in Ragusa, dem heutigen Dubrovnik, markiert wurde.

„Hoffen wir, dass wir niemals in Umstände geraten, in denen wir wie Rudolf Olden so viel Heldenmut beweisen müssen“, schloss Johano Strasser.

Von der Angst vor den Worten und ihrer Macht sprach Michel Friedman. Er bezeichnete Rudolf Olden als Virtuosen des Wortes, der mit ganz unterschiedlichen Stilmitteln aufrütteln und zum Nachdenken anregen wollte. Das soll auch die Aufgabe der Ausstellung sein, denn Exil ist keine Vergangenheit, sondern noch immer Gegenwart für viele Menschen. Exil beginne nicht erst im Ausland, es fängt bereits in der Gesellschaft an.

Dr. Sylvia Asmus und der Schauspieler Jochen Nix gestalteten anschließend eine szenische Biografie Rudolf Oldens aus seinen Briefen.
Rudolf Olden und seine Frau Ika ertranken mit 246 weiteren Passagieren am 18. September 1940, als sie auf dem Schiff „City of Benares“ von England nach Amerika entkommen wollten; dass deutsche U-Boot U 48 hatte das Schiff torpediert und versenkt.

Tochter Mary Elizabeth „Kutzi“ überlebte – sie wurde bereits im Juni 1940, damals zweieinhalbjährig, mit 500 anderen Kindern von England nach Kanada geschickt und dort adoptiert.

JF

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