Stefan Zweig-Ausstellung in Frankfurt: Erste Bilder

Foyer des Hotels Métropole

Vorgestern Abend wurde in der Deutschen Nationalbibliothek (dnb) in Frankfurt eine Exposition unter dem Titel „Wir brauchen einen ganz anderen Mut!“ Stefan Zweig – Abschied von Europa eröffnet. Bei der Ausstellung kooperierten das Deutsche Exilarchiv 1933-1945 und das Österreichische Theatermuseum Wien, die Exponate sind von Peter Karlhuber, Wien, in Szene gesetzt worden.

Zur Begrüßung bemerkte Ute Schwens, Direktorin der dnb Frankfurt, dass Stefan Zweig einer von bis zu schätzungsweise 19.000 jüdischen Flüchtlingen war, die in Brasilien Zuflucht suchten.

Klemens Renoldner, Direktor des Stefan Zweig Centre Salzburg, führte in die Exposition ein. „Stefan Zweig wurde in 50 Sprachen übersetzt und zerbricht am Ende an der Heimatlosigkeit“, brachte der Experte die Tragik des Schriftstellers auf den Punkt.

Im Exil in Ossining (Staat New York) entstand Die Welt von gestern, in Petropolis (Brasilien) die Schachnovelle (beide 1941) – es sind Stefan Zweigs letzte Werke, eine Studie über Montaigne blieb im Anfangsstadium.

Zwischen diesen letzten Arbeiten vor dem Freitod von Lotte und Stefan Zweig am 23. Februar 1942 und den ersten Veröffentlichungen von Gedichten im Jahr 1897 liegen Welten. „Es ist Ziel der Ausstellung, einen Autor an der Wende zu zeigen“, unterstrich Renoldner. Die politischen Umstände hätten Zweig, der übrigens von der deutschen Literaturwissenschaft nicht besonders geschätzt werde, gezwungen, seine Haltung als Vermittler und sein Vermächtnis neu zu definieren.

„Stefan Zweig stellte immer Besiegte und Unterlegene in den Mittelpunkt seiner Geschichten. Dieses Lebensprogramm zerbrach später“, erläuterte Renoldner. Die Exposition wolle den Bruch zeigen, der sich in mehreren Etappen vollzog.

Zweig schrieb über 20 Biografien, sechs Novellen, knapp 30 Erzählungen, Legenden, Dramen, Romane, Gedichte, Aufsätze. Er regte seinen Leipziger Verleger Anton Kippenberg 1912 zur Gründung der Insel-Bücherei an. Mit der Machtergreifung der Nazis verlor Zweig seinen wichtigsten deutschen Verleger, Zweigs Bücher wurden wie viele andere am 10. Mai 1933 verbrannt. Der Autor musste sich neue Verlage suchen, veröffentlichte im Reichner-Verlag Wien, später bei Allert de Lange Amsterdam und Bermann-Fischer Stockholm. Die Schachnovelle erschien als deutsche Erstausgabe im Dezember 1942 im Verlag Pigmalion Buenos Aires in 300 Exemplaren – eines ist in der Exposition zu sehen.

Im Anschluss an den Vortrag von Klemens Renoldner las Jochen Nix Passagen aus verschiedenen Werken Stefan Zweigs.

Genau dieses Leben eines Menschen, der aus einer großbürgerlichen Welt, einer kosmopolitischen Familie kam, ein gigantisches Netzwerk überall in Europa aufgebaut hatte, mit vielen Schriftstellern, Wissenschaftlern und Künstlern korrespondierte und schließlich dieses Europa verlassen musste und an der Heimatlosigkeit scheiterte, wird in der Ausstellung in beeindruckender Weise gezeigt.

Der Besucher gelangt zu Beginn in einen eleganten Raum mit einem wertvollen, dicken Teppich – er ist dem Bodenbelag im Hotel Métropole Wien, 1873 zur Weltausstellung als Luxushotel eröffnet, nachempfunden.
rote Plüschsessel, ein Schachspiel, Bilder berühmter Zeitgenossen sind im Foyer arrangiert.

Im anschließenden Raum beherrschen ein großes Modell dieses Hotels, das ab 1938 zum Gestapo-Hauptquartier wurde, und ein riesiges, wandgroßes Foto des Passagierschiffs „Scythia“, mit dem Lotte und Stefan Zweig am 25. Juni 1940 von Liverpool nach New York City fahren, die Szene.

Rund um das Modell gibt es Hörstationen und viele Informationen, in den Vitrinen sind Stefan Zweigs Bücher, die in Exilverlagen erschienen, ausgestellt. Im Dunkel an der Wand hängen schwere Ledermäntel an Haken. Sie wirken seltsam bedrohlich, sind Hinweise auf die grausame und perfide Arbeit der Gestapo im einstigen Luxushotel.

Passfotos, Visumanträge und Empfehlungen sind in weiteren Schaukästen zu sehen. Eine Reproduktion des Hauptbuches kann durchgeblättert werden. Im eigens angefertigten Folianten trug Stefan Zweig seit 1932 akribisch alles ein: Publikationen Auflagen, Übersetzungen und Übersetzer, Verlage, Honorare, Theateraufführungen, Verfilmungen.
Über eine Treppe, noch belegt mit dem kostbaren Teppich, der am oberen Ende der Stufen jedoch bereits zusammengerollt ist, gelangt der Besucher in einen Raum mit vielen großen und kleineren Kartons. Übereinander gestapelt ist dort die Autographensammlung Stefan Zweigs zu sehen. Alles deutet auf Abreise und Umzug, auf Provisorium hin. Unter den zusammengetragenen Handschriften befinden sich große Namen wie Rainer Maria Rilke, Thomas, Heinrich und Klaus Mann, Sigmund Freud, Else Lasker-Schüler, Arthur Schnitzler, Franz Kafka, Joseph Roth.

Die bemerkenswerte und eindrucksvolle Ausstellung im Foyer der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt ist bis zum 24. März 2016 zu sehen.

JF

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