Bergen-Enkheim: Verabschiedung des Stadtschreibers Ingomar von Kieseritzky und Einführung von Reinhard Jirgl

Bergen-Enkheim: Gestern wurde hier der 33. Stadtschreiber, Ingomar von Kieseritzky, verabschiedet, der 34., Reinhard Jirgl, willkommen geheißen [mehr…]. Das Zelt auf dem Marktplatz war – wie man das hier in Bergen-Enkheim kennt – mehr als gut besetzt: 1 200 Besucher waren gekommen. Schließlich ist der Stadtschreiber von Bergen das Original, initiiert von Franz Josef Schneider 1974. Die Absicht des Mitglieds der Gruppe 47 war es, einem Schriftsteller Haus und Einkommen zu bieten und damit etwas für die literarische Bildung der Bürger zu tun.

Das Stadtschreiberhaus – die Namensschilder – Kieseritzky (l.) übergibt an Jirgl

Der Stadtschreiber von Bergen-Enkheim hat – anders als seine Kollegen im Mittelalter – keinerlei Verpflichtungen, er kann etwas tun, muss es aber nicht. Einzige „Pflicht“ des Amtsinhabers ist es, sich und sein Werk den Bürgern vorzustellen.

Prof. Dr. Felix Semmelroth, Stadtrat von Frankfurt, unterstrich diesen Unterschied und wies darauf hin, dass die Schlüsselübergabe an den neuen Stadtschreiber seit 1974 alljährlich wie ein Volksfest gefeiert wird. Auch dies eine Bergener Besonderheit.

Ingomar von Kieseritzky habe in seinem nun vollendeten Bergener Jahr durch satirische Freundlichkeit überzeugt, er war hier präsent. Reinhard Jirgl, der sich auf Grund gesellschaftlicher Verhältnisse in der DDR erst spät als freier Schriftsteller etablieren konnte, hat in seinem Werk Momente menschlicher Hoffnungslosigkeit aufgezeichnet. Ihm gilt es künftig zuzuhören, er soll die Bevölkerung teilhaben lassen an seiner Kunst.

Prof. Wilfried F. Schoeller sprach in seiner Festrede über das Glück in der Fremde. Dabei zielte er sowohl auf den Mikrokosmos Bergen als seit nunmehr 30 Jahren Stadtteil von Frankfurt als auch auf den Platz der europäischen in der Weltliteratur.

Ingomar von Kieseritzky wurde mit viel Beifall empfangen und schilderte seinen Aufenthalt in Bergen humorvoll, musste er hier doch gegen klappernde Gullideckel, wendefreudige Autos und Kirchenglocken anschreiben. So empfand er Bergen als teilnehmender Beobachter mit löblichen Vorhaben. Berlin dagegen hielt er auf seinen Abstechern in die Hauptstadt vergleichsweise für ein „stilles Örtchen“. Mit großem Applaus wurden seine augenzwinkernden „Verbesserungsvorschläge“ für Bergen entgegen genommen.

Dr. Roland Kaehlbrand, Vorstandsmitglied der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, begründete die Aufstockung des Salärs für den Stadtschreiber: erhält er doch jetzt 20 000 €, das sind 5 000 € mehr als im letzten Jahr. Diese Erhöhung sei gern bewilligt worden, denn immer häufiger stößt man auf Sprachschluderei, der entschieden begegnet werden muß [mehr…]. Schließlich hat die Einrichtung des Bergener Stadtschreiberamtes das Ziel, Sprache und Literatur zu fördern.

JF

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