Berlin: 8. Publisher’s Forum von Klopotek gestartet

Das Publisher’s Forum von Klopotek tagt seit heute im axika-Konferenzzentrum am Pariser Platz – direkt neben der amerikanischen Botschaft. Im Vergleich zum Vorjahr können die Veranstalter noch einmal ein Besucherplus verzeichnen.

Damit ist die Teilnehmerzahl seit dem ersten Forum kontinuierlich gewachsen. 320 Teilnehmer aus den oberen Etagen von Verlagen, Internetagenturen und Bibliotheken, aus Wirtschaft und Wissenschaft haben sich angemeldet. Unter dem Motto „from editorial to market“ stehen zwei Tage lang Vorträge und Workshops mit hochkarätigen Referenten aus dem In- und Ausland auf dem Programm. Die Schirmherrschaft hat wieder der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit übernommen, neu ist in diesem Jahr eine Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse.

In den Vorträgen am Vormittag ging es um die Herausforderungen und Chancen der Zukunft. Für Edward Nawotka (Publishing Perspectives, USA) wird das Lesen zu einer sozialen Tätigkeit. Privates werde ebenso öffentlich wie das Schreiben. Als Beispiele nannte er LovelyBooks, EPIDU und BookRix. Sara Lloyd (Pan Macmillan, UK) sieht einen rasant wachsenden Markt für E-Books. In den ersten drei Monaten dieses Jahres habe ihr Verlag so viel umgesetzt wie im ganzen Jahr 2010. Insgesamt müssten sich die Verlage auf die wachsende Bedeutung von Social-Media-Plattformen einstellen.

Das unterstrich auch Jana Steinmetz von der Universität St. Gallen, die mir ihrem Vortrag „Kulturelle Unternehmenskommunikation als Schlüssel zur Innovation im digitalen Zeitalter“ eine neue Note in die Diskussion brachte. Es werde zu viel von Geschäftsmodellen geredet und dabei der kulturelle Anspruch vernachlässigt, so Steinmetz. Ein Markt, der die Kultur der Gesellschaft ignoriert, könne nicht funktionieren, sagte sie und bezeichnete den digitalen Wandel als eine gesellschaftliche Evolution, die alle Marktteilnehmer, unabhängig von der Branche betreffe. Es gelte „hybrides Denken“ zu fördern. Den Verlagen riet sie, ihre Kommunikationskultur zu prüfen und Kreativität – etwa in hierarchielosen Netzwerken – zuzulassen. „Wer Zukunft will, muss sie selbst gestalten.“

Johann Kempe (HGV) wagte einen Blick ins Jahr 2015 und stellte 5 Thesen zur digitalen Transformation auf. Erstens würden die Lieferanten stark unter Druck geraten. Der Marktanteil von E-Books klettere auf 15 bis 20 Prozent, prognostizierte er und sagte bei Druckereien und auf der Logistikseite einen Verdrängungswettbewerb voraus.

Zweitens würden in den Verlagen die Herstellungsabteilungen am stärksten vom Wandel betroffen, denn sie müssten sich mit einer wachsenden Zahl von Formaten befassen. Drittens würden sich die Marketingabteilungen verändern. Traditionelles Marketing werde zwar noch eine Rolle spielen, aber man müsse auch bei Facebook sein, twittern und bloggen. Marketing werde daher direkter, persönlicher und interaktiv. „Dialog statt Monolog“, nennt Kempe das.

Viertens werde der traditionelle Buchhandel an Bedeutung verlieren. Seit Jahren boome der Online-Handel, doch dem Buchhandel sei es nicht gelungen, ein Gegengewicht zu Anbietern wie Amazon aufzustellen. Und fünftens würden die Kunden zunehmend elektronisch lesen. Das Internet werde zum Outernet und in der Folge würden Multifunktionsgeräte den Markt erobern. „Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen“, zitierte Kempe Antoine de Saint-Exupéry.

Damit hatten die Gäste genügend Gesprächsstoff für die Mittagspause. Es ist auch der Austausch mit den Kollegen, der das Forum so beliebt macht.

Am morgigen zweiten Kongresstag wird der internationale Erfahrungsaustausch fortgesetzt. Unter anderem wird Liza Daly (Threepress Consulting, USA) über „Opportunities in EPUB 3.0: New Markets and Verticals“ sprechen und Bob Stein, (The Future oft he Book, USA) wird behaupten, dass Lesen für unsere Enkel eine soziale Tätigkeit sein wird, etwas, das man gemeinsam macht.

Informationen unter www.klopotek.de

ML

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.