Berlin: Denkanstöße zum digitalen Publizieren

PaperC Gründer Martin Fröhlich (links), Felix
Hofman (rechts) und ihr Mentor Sven Ripsas

Gestern fand in Berlin zum ersten Mal die Buch Digitale, ein Fachkongress für digitales Publizieren statt. Im Ludwig-Erhard-Haus in der Fasanenstraße trafen sich 90 Teilnehmer unter anderem aus Verlagen, Bibliotheken und Hochschulen. Das waren weit mehr als die Veranstalter, die Agentur SWOP. Medien und Konferenzen und die Internet-Plattform PaperC erwartet hatten.

PaperC ist ein Startup-Unternehmen, das Martin Fröhlich und Felix Hofmann vor einem Jahr gründeten. Die beiden Jungunternehmer hatten sich während des Studiums an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht kennengelernt. Ihr Professor und Mentor, Sven Ripsas, moderierte den eintägigen Kongress, der der Frage „Bytes statt Buch?“ stellte. Wie rasant sich das Publizieren durch den Einfluss des Internets verändert und welche Chancen sich dadurch für Universitäten, Verleger und Autoren auftun, darüber gaben die Referate Auskunft.

„Zahlreiche neue webbasierte Nutzungsformen bedrängen den Vertrieb über den Buchhandel. Das klassische Geschäftsmodell steht auf dem Prüfstand“, so Miriam Meckel, Geschäftsführende Direktorin am Institut für Medien und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen in einem Grußwort. „Wer heute Fachwissen publiziert oder nutzt, kommt an digitalen Medien nicht mehr vorbei: Neue Technologien und Plattformen zwingen Wissenschaftler, Verlage, Bibliotheken und Buchhandel zum Umdenken.“ Wie das gelingen kann, dazu gab der Kongress erfrischende Denkanstöße.

Ein Themenschwerpunkt war die Zukunft des wissenschaftlichen Arbeitens mit Referaten von Michael Vogelbacher, dem Leiter der Abteilung Informationsdienst der MVB und Ruedi Lindegger von der Universität St. Gallen. „Wer erfolgreich sein will, muss das ganze Unternehmen umkrempeln“, sagte Dirk Fernholz von Springer science + Business Media, als er die E-Book-Geschäftsmodelle seines Unternehmens vorstellte. Trotz der erfolgreichen E-Books seien im Printbereich keine Umsatzeinbrüche festzustellen, sagte er und empfahl als Lektüre „The Innovator’s Dilemma“ von Clayton M. Christensen.

Für Gesprächsstoff in der Mittagspause sorgte Alexander Osterwalder, der neue Publikationswege für Fachautoren vorstellte. Er setzt mit seinem neuen Buch „Business Modell generation“ auf die Internetcommunity (www.businessmodelgeneration.com).

Am Nachmittag standen dann Trends und Technologien für das E-Publishing im Zentrum, wobei Vorreiter wie Adobe Systems ebenso zu Wort kamen wie junge, innovative Start-ups, darunter Plastic Logic aus Dresden und Mendeley aus London. Auch die PaperC Gründer erläuterten ihr Konzept, das darin besteht, komplette Lehr- und Fachbücher im Netz kostenlos zugänglich zu machen. Erst, wenn man ein Kapitel ausdrucken, downloaden oder Zitate markieren will, müssen fünf bis zehn Cent pro Seite bezahlt werden. Als virtuellen Copyshop bezeichnet Fröhlich denn auch das Unternehmen, das Studenten das wissenschaftliche Arbeiten erleichtern will. Noch befindet sich PaperC im Testbetrieb mit 1.500 Studenten in Berlin und Sankt Gallen. In wenigen Wochen soll das Portal www.paperc.de freigeschaltet werden.

Verleger Wulf. D von Lucius hob die Bedeutung des Projekt in der abschließenden Diskussion zum Thema „Neues Publizieren und Vermarkten“ hervor. Unter Hinweis auf Springer sagt er, dass sich große Unternehmen wie Springer für die digitalen Herausforderungen besser rüsten können. Kleine Verlage hingegen seien auf Kooperationspartner wie Paper C angewiesen.

Fazit: Wer jetzt verängstigt den Kopf in den Sand steckt, wird schnell auf dem Abstellgleis landen. In Zukunft werden wohl auch die Endkunden eine viel größere Rolle spielen, da sie sich Artikel nach ihren persönlichen Bedürfnissen zusammenstellen können.

Übrigens: PaperC ist in der Kategorie B2C für den AKEP-Award nominiert, der heute Abend in Berlin verliehen wird.

Informationen unter www.buch-digitale.de

ML

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