Berlin: Premierenfeier mit Richard Wagner und „Herr Parkinson“

Schreiben als Überlebenshilfe: Im Gespräch mit Felicitas Hoppe stellte der Schriftsteller Richard Wagner gestern Abend im Grünen Salon der Volksbühne sein neues Buch Herr Parkinson vor, das jetzt im Knaus Verlag erschienen ist.

Felicitas Hoppe und Richard Wagner

Programmleiterin Britta Egetemeier begrüßte die zahlreichen Gäste und führte kurz in das Buch ein, in dem Richard Wagner von seiner Parkinson-Erkrankung erzählt, mit der er seit zwölf Jahren leben muss. Richard Wagner beschreibe die Krankheit als distinguierten, übergriffigen Herrn, sagte Britta Egetemeier. „Herr Parkinson verwirrt den Körper und lässt den Kopf zuschauen“, zitierte sie. Richard Wagner sei ein sprachmächtiger Literat, der ohne zu beschönigen, aber auch ohne Verbitterung erzähle.

Richard Wagner, Jahrgang 1952, las eine kurze Passage, sein Schriftstellerkollege Helmuth Frauendorfer, der wie Wagner in den 1980er Jahren aus Rumänien nach Deutschland kam, trug längere Texte aus dem Buch vor. Trotz der schweren Erkrankung des Autors lag eine zuversichtliche, fast heitere Stimmung über der Veranstaltung.

Selbst jenseits der Ratgeber-Literatur sei man als Leser derzeit umzingelt von Geschichten über Krankheiten, sagte die Schriftstellerin Felicitas Hoppe. In diese Reihe will sie Richard Wagners Buch auf keinen Fall stellen. „Herr Parkinson ist alles andere als Betroffenheitsliteratur“, betonte sie. Richard Wagner versuche Herrn Parkinson mit den Mitteln der Literatur zu schlagen – oder zu bannen.

„Es hat keinen Sinn, die Krankheit zu leugnen“, so Richard Wagner. „Auch das Schweigen von Herrn Parkinson kann beredt sein.“ Wie in seinem Buch demonstrierte er auch im Gespräch mit seiner Kollegin und langjährigen Freundin trotzigen Lebensmut. Wagner hat das Buch in vier Kapitel – Taumel, Honeymoon, Herr Parkinson, Im schwarzen Quadrat – eingeteilt, in denen er den Medizinbetrieb ebenso prägnant beleuchtet wie die Inakzeptanz der Außenwelt.

Als Felicitas Hoppe erwähnte, Herr Parkinson sei ein schmales Buch, konterte Wagner: „Kurz heißt, nicht langweilig zu sein.“ Tatsächlich stehe nichts Belangloses darin, so Hoppe, die bei der Lektüre alles unterstrichen hat, was ihr wichtig war und am Ende fast den gesamten Text markiert hatte. „Ich habe ganz viele Lieblingssätze in dem Buch.“ Es mache deutlich, dass Richard Wagner „nicht nur unheilbar krank, sondern auch unheilbar lebensfroh“ sei.

Der Stapel am Büchertisch der Tucholsky-Buchhandlung schrumpfte zusehends und Richard Wagner signierte.

Wer den Abend verpasst hat: Die Lektüre von Herr Parkinson ist in jedem Fall ein Erlebnis – auch zu Hause.

ml

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