Berlin: speak low – Hörbuchpremiere mit Margot Friedländer

Ein bewegender Auftritt gestern Abend in Berlin: Margot Friedländer stellte ihr Hörbuch Versuche dein Leben zu machen. Als Jüdin versteckt in Berlin vor – im Gespräch mit André Schmitz, Vorstandsvorsitzender der Schwarzkopf Stiftung, und Harald Krewer, Verleger des Berliner Hörbuchlabels speak low.

Margot Friedländer

Das Max-Liebermann-Haus am Brandenburger Tor bot eine schöne Kulisse für die Veranstaltung. „Das Haus stehe für Weltoffenheit und Toleranz“, betonte Kai Uwe Peter von der Berliner Sparkasse, zu deren Kulturstiftung das Max Liebermann Haus gehört, bei der Begrüßung der etwa 150 Gäste.

Die 94-jährige Margot Friedländer hat ihr Buch Versuche dein Leben zu machen, das 2008 bei Rowohlt Berlin erschien, ungekürzt eingelesen. Dafür sei sie im Sommer an zwanzig Tagen für jeweils anderthalb Stunden im Studio gewesen, erzählte Harald Krewer; der bei der Aufnahme Regie führte. Eine Lesung der Autorin aus ihrem Buch hätten ihn und seine Kollegin Vera Teichmann auf Anhieb überzeugt: „Uns war klar, wir müssen das Buch machen.“

Mit ihrer beindruckenden, warmen Stimme erzählte Margot Friedländer von ihrem Schicksal. Als ihr kleiner Bruder in Berlin von der Gestapo verhaftet wurde, folgte ihm die Mutter auf die Polizeiwache und hinterließ der 21-jährigen Margot einen Zettel mit der Nachricht „Versuche, dein Leben zu machen“. Sie sei hin- und hergerissen gewesen, ob sie der Mutter folgen sollte. Schließlich entschied sie sich aufgrund des Zettels unterzutauchen. Fünfzehn Monate konnte sie so der Verhaftung entgehen, bis sie Ende April 1944 bei einer Ausweiskontrolle festgenommen und ins Lager Theresienstadt deportiert wurde.

Heute weiß Margot Friedländer, dass es sinnvoll war, unterzutauchen. „Nun kann ich etwas gegen das Vergessen tun und für die sprechen, die nicht mehr sprechen können“, sagte sie. Ihre Mutter und ihr Bruder wurden in Auschwitz ermordet. Margot Friedlander überlebte und emigriert nach Kriegsende mit ihrem Mann in die USA. Seit 2010 lebt sie wieder in Berlin.

Einige Hörproben aus den acht CDs gaben einen schönen Einblick in die bewegende Lebensgeschichte einer außergewöhnlichen Frau. Man hätte ihr noch lange zuhören können.

Für ihre Erinnerungsarbeit wurde Margot Friedländer 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. 2014 vergab die Schwarzkopf Stiftung zum ersten Mal den Margot-Friedländer-Preis. Der dazugehörige Wettbewerb soll Schüler und Lehrer motivieren, sich mit dem Holocaust und heutiger Erinnerungskultur auseinanderzusetzen.

ml

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