Berlin: Spiegel-Journalisten präsentierten „Staatsfeind Wikileaks“

Medienrummel um Wikileaks. Im Haus der Bundespressekonferenz präsentierten Marcel Rosenbach und Holger Stark (Foto, v. l.) heute ihr druckfrisches Buch Staatsfeind WikiLeaks.

Die beiden Spiegel-Journalisten verfolgen den Weg von Julian Assange und seiner Organisation seit Jahren. Nun beschreiben sie in dem Buch, das in Kooperation mit dem Spiegel Buchverlag in der DVA erscheint (Startauflage: 30.000 Exemplare), „wie eine Gruppe von Netzaktivisten die mächtigsten Nationen der Welt herausfordert“.

Schon vor Jahren haben sie mit den Machern der Enthüllungsplattform Kontakt aufgenommen und die Veröffentlichungen der Kriegsprotokolle und der Depeschen im Spiegel maßgeblich mit vorbereitet. Der Spiegel war zusammen mit dem Guardian und der New York Times weltweit das einzige Medium, dem WikiLeaks im Vorfeld der großen Dokumenten-Veröffentlichungen des Jahres 2010 die Möglichkeit gab, das Material zu analysieren und auszuwerten. Eines der größten Projekte, die der Spiegel je unternommen habe, so Chefredakteur Georg Mascolo auf der Pressekonferenz.

Marcel Rosenbach und Holger Stark haben Assange seit dem Sommer 2010 mehrmals getroffen, sie interviewten ihn, diskutierten mit ihm und begleiteten ihn in Cafés, als er noch unerkannt durch London laufen konnte. Er habe höchstens selbst für Aufmerksamkeit gesorgt, wenn er mal wieder auf Socken durch die Straßen lief, erzählte Rosenbach.

Man können Assange nur verstehe, wenn man seine Denkweise, seine Sichte der Welt kenne, so Stark. Aufgewachsen ist der Australier in einem 68er Umfeld, als Teenager nannte er sich mit seinen Hacker-Freunden „Internationale Subversive“, für Stunden könne er in das Keybord seines Computers versinken. Wirtschaft und Politik begreife Assange als Verschwörung, die Veröffentlichung von Informationen als eine Medizin dagegen. Sich selbst sehe Assange als eine Art „Geheimdienst des Volkes“, so Stark.

Die beiden Autoren verkennen nicht die Problematik von Wikileaks. Wer den Transparenz-Gedanken beansprucht, müsse ihn auch in seiner eigenen Organisation dulden, so Mascolo. „Wir glauben, dass es WikiLeaks guttäte, sich demokratische Strukturen zu geben“, heißt es im Vorwort. Aber wir haben Julian Assange anders erlebt als er oft dargestellt wird und zuweilen auftritt: nicht arrogant, nicht unfair, nicht verletzend, sondern als einen außergewöhnlichen und inspirierenden Gesprächspartner.“

Assenge sei aber jemand der zum Gegenangriff übergeht, wenn er selber attackiert wird, so Stark. Neue Höhepunkte seien zu erwarten.

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