Berlin: “Stadt Land Buch“ mit 140 Veranstaltungen

Im Deutschen Theater in Berlin startete heute Mittag der Lesemarathon Stadt Land Buch mit der Buchpremiere von Wolfgang Schorlaus Die schützende Hand (Kiepenheuer & Witsch). Im Gespräch mit Gregor Gysi erzählte der Schriftsteller von der Arbeit an seinem Buch.

Landesverband: Kilian Kissling und Geschäftsführer Detlef Bluhm (r.)

Bis zum 22 November stehen 140 Lesungen auf dem Programm des Festivals, das der Landesverband Berlin Brandenburg in diesem Herbst bereits zum 24. Mal veranstaltet. Argon-Geschäftsführer Kilian Kissling, seit wenigen Monaten Vorsitzender des Landesverbands, begrüßte die Gäste im ausverkauften Saal. Seinen vorbereiteten Redetext, in dem er das Publikum einladen wollte, den Lesemarathon als Schaufenster der Buchhandels- und Verlagslandschaft der Region zu verstehen, habe er nach den bestürzenden Ereignissen in Paris in weiten Teilen verworfen, so Kissling. „Er wäre meiner und ich vermute auch Ihrer Stimmung hier und heute nicht gerecht geworden.“

Wir alle lebten in einer Zeit, in der wir immer mehr wissen. Aber diese Möglichkeit berge auch Gefahren, denn bei vielen erfolge die Information und Meinungsbildung nur oberflächlich, so Kissling. Eine Gemengelage, die es möglich mache, dass Menschen offen werden für andere Netzwerke, in welcher Richtung auch immer. „Es ist gut, dass es Bücher gibt, die eine „Wahrnehmung schulen, die recht gut gegen Schlagzeilenwissen immunisiert“.

Schorlaus Kriminalroman Die schützende Hand bezeichnete Kissling als politisches Buch, dem eine sehr gründliche, investigative Recherche zugrunde liegt. „Mit den Mitteln des Spannungsgenres verführt es den Leser zu gründlicher Auseinandersetzung“, sagte er und wünschte dem Publikum einen „Erkenntnisgewinn, der bleibt und nagt“, bevor er das Mikrofon an Gregor Gysi und Wolfgang Schorlau. Übergab, zwei „neugierige und wachsame Menschen.“

Gregor Gysi und Wolfgang Schorlau mussten lange signieren

Wolfgang Schorlau thematisiert in seinem jüngsten Buch um den Stuttgarter Privatermittler Georg Dengler die NSU-Mordserie. Es war mucksmäuschenstill im Saal als er aus dem ersten Kapitel las, das in einer Kölner Buchhandlung mit dem Auftakt einer Mordserie beginnt, die sich zu einem politischen Skandal ausweitete. Mit Gregor Gysi sprach Schorlau über die Erkenntnisse bei seinen Rechercherchen, über geschredderte Akten und Ungereimtheiten, über Polizei und Verfassungsschutz, Rechtsextremismus und Rassismus.

„Wir haben zu wenig zur Aufklärung getan, sagte Gysi selbstkritisch. Schorlau aber leiste mit seinem Buch einen Beitrag dazu. Die Gäste dankten begeistert mit lang anhaltendem Applaus und standen anschließend geduldig an, um sich ein Exemplar des Buches signieren zu lassen.

ml

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