Besucherzuwachs beim Literaturfestival in Leukerbad

Christoph Simon beim literarischen Spaziergang
Foto: Beat Schweizer

Ein kleines Jubiläum gab es im Walliser Berg- und Bäderort Leukerbad zu feiern: Vom 2. bis 4. Juli 2010 fand zum fünfzehnten Mal das Internationale Literaturfestival Leukerbad statt. Vor überwältigender Bergkulisse trafen Literaten aus ganz Europa auf ein strahlendes Publikum.

Mit Alois Hotschnig, Christoph Simon und Rolf Lappert ging das Festival gestern Nachmittag im Alten Bad St. Laurent zu Ende. Die Festivalleitung zeigt sich über einen Besucherzuwachs und 1.500 gezählte Eintritte „äußerst zufrieden“.

Bei traumhaften Wetterbedingungen eröffnete der Bündner Arno Camenisch am Freitagmorgen mit dem literarischen Spaziergang durch die Dalaschlucht das diesjährige Festival. In der Folge ging es mit Lesungen, Gesprächen und Performances an den für das Leukerbadner Festival so typischen wie einzigartigen Leseorten weiter. In Bädern, Galerien, in Hotelbars und auf literarischen Wanderungen erfreuten 23 Autorinnen und Autoren an rund 50 Veranstaltungen.

Die Reise zu abgelegenen Inseln, zu der Judith Schalansky das Publikum mit dem Finger auf der Landkarte wortwitzig und pointiert verführte, wird unvergessen bleiben. Ebenso die Intensität, mit der László Krasznahorkai zu faszinieren vermochte. Entdeckungen ermöglichten auch die beiden Schweizer Rolf Dobelli und Rolf Lappert, die das Leukerbadner Festival wählten, um ihre im Herbst erscheinenden Werke erstmals dem Publikum vorzustellen.

Ein besonderer Platz wurde der Lyrik eingeräumt. Urs Allemann, Arno Camenisch, Michael Lentz und Serhij Zhadan zeigten am Freitag im Alten Bahnhof, was Sprache in ihrer dichten Form vermag. Wiederum am Festival waren die beiden diesjährigen Preisträger des «Spycher: Literaturpreises Leuk»: Neben László Krasznahorkai war dies Alissa Walser, die die Sonntags-Matinée im Römisch-Irischen Bad las.

László Krasznahorkai im Alten Bad St. Laurent
Foto: Beat Schweizer

An der Mitternachtslesung auf 2350m ü. M. auf dem Gemmipass begeisterten Pedro Lenz und Raphael Urweider mit einer berndeutsch-deutschen Version von «Der Goalie bin ig». Mit Kurzlesungen von Urs Allemann, Arno Camenisch, Rolf Dobelli, Michael Lentz, Pedro Lenz, Kristof Magnusson, Milena Moser, Bessa Myftiu, Christoph Simon, Raphael Urweider, Ornela Vorpsi und Serhij Zhadan avancierte der literarische Samstagabend im Alten Bad St. Laurent zum Festival im Festival. Die Sängerin Elina Duni bezauberte als Überraschungsgast mit einem albanischen Volkslied.

Wie erwartet wurde die Podiumsdiskussion zur Verlags- und Literaturförderung in der Schweiz emotional geführt und verfolgt. Liliane Studer (SWIPS-Präsidentin), Pius Knüsel (Pro Helvetia), Egon Ammann (Ammann Verlag) und Nicole Pfister-Fetz (AdS) diskutierten unter der Leitung von Stefan Zweifel über die Stellung der Verleger, Buchhändler und Autoren im Spannungsfeld zwischen Unternehmertum und Kulturvermittlung im besonderen Schweizer Umfeld.

Ebenso fanden die von Stefan Zweifel und Hubert Winkels präsentierten literarischen Hors d’Œuvres grossen Anklang. Sie öffneten auch am diesjährigen Festival eine den Zuhörern sonst kaum zugängliche Welt der Denkens- und Schaffensweise von Autorinnen und Autoren. Im Übersetzungs-Workshop, der heuer zum fünften Mal und erneut in Kooperation mit dem Literarischen Colloquium Berlin durchgeführt wurde, stellte sich Rolf Lappert mit seinem Erfolgsroman «Nach Hause schwimmen» den Übersetzerinnen und Übersetzern.

Das 16. Internationale Literaturfestival Leukerbad findet vom 1. bis 3. Juli 2011 statt.

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