Bienenbütteler Tagebuch 5 – Heute: Monika Geier und Else Laudan von Argument

Monika Geier

Am 5. November wurde die inzwischen 5. Ausgabe der Bienenbütteler Buchwoche in der Gemeindebücherei eröffnet. Diese Woche dreht sich in Bienenbüttel alles um Literatur aus unabhängigen Verlage (zehn von ihnen präsentieren ihr Programms).

Wie bei der „Erstausgabe“ des Literaturfestivals, hat buchmarkt.de die Mitwirkenden gebeten, ein Bienenbütteler Tagebuch zu führen.

Heute: Ariadne-Krimiautorin Monika Geier und Else Laudan:

Bienenbüttel – ein Ort in der Provinz, so bin ich gewarnt worden. Allerdings vermute ich schon beim Ausstieg am Bahnhof, dass Provinz hier etwas weit Urbaneres bedeutet als bei uns in der Hinterpfalz. Denn: Gibt es hier Dörfer, die überhaupt keine Nachbardörfer haben, sondern einfach nur Wald außenrum, so wie bei uns? Oder Talseiten, auf die im Winter keine Sonne scheint, Geisterbahnhöfe im Nirgendwo, Orte mit Tiernamen? Einen Tiernamen hat Bienenbüttel ja immerhin. Was bedeutet der? Ich gehe liebend gern sprechenden Namen auf den Grund, also los: Wofür steht Bienenbüttel? Rund ums Jahr blühende Obstwiesen? Regionale Imkertreffs? Lebte hier einst ein besonders emsiger (oder in diesem Fall: immiger) Gemeindepolizist? Die Idee mit dem Polizeibüttel leuchtet mir als Krimiautorin sofort ein: Klar, der Ort hat was mit einem Polizisten zu tun. Was war der für ein Typ? Stachelig wie eine Biene? Oder steht die Bezeichnung Büttel gar als Oberbegriff für Staatsmacht und Justiz und war der Ort somit Sitz bedeutender, wenn auch von einem Landstrich mit Künstlerbahnhöfen und ICE-Strecken aus betrachtet provinzieller Gerichte? Und wo wir gerade bei Gerichten sind (als Landkind bzw. Landfrau sei mir diese kleine Volte erlaubt, schließlich ist bei uns die erste Frage, wenn jemand heimkehrt: Was gab’s dort zu essen?): Was isst man denn hier so? Honig? Ich liebe ja extravagante Wallfahrten und ich würde ohne weiteres für einen guten Honig nach Bienenbüttel reisen. Erst recht für gute Bücher und Literatur: Vielen Dank an die Veranstalter der Buchwoche Bienenbüttel, Anne-Grete und Detlev Patz, für die tolle Arbeit, die ihr für Bücher, Literatur und Kultur macht. Und auch ein großes Dankeschön an das wunderbare Bienenbütteler Publikum. Ihr seid alles andere als provinziell.

Monika Geier

Eingeladen zur Bienenbütteler Buchwoche. Leise spuckt uns der Regionalzug am neblig-schwarzen Novemberabend in der niedersächsischen Einheitsgemeinde aus. Der Patz’sche Enthusiasmus ist ansteckend, ja überhaupt: eine Buchhändlerfamilie mit einem Riesenherz für Indie-Verlage und Lust auf den eigenen Kulturauftrag, die keine Mühen scheut und mitten auf dem Lande die Häuser vollkriegt – das hat schon was Utopisches. Und tatsächlich: Kein Stuhl bleibt leer, die Veranstalter selbst sitzen auf dem Fußboden im ehemaligen Klassenzimmer der Alten Schule Varendorf, heutzutage eigentlich das Wohnzimmer von Familie Dieckmann, wo Kerzen für heimelig-verheißungsvolle Stimmung sorgen und der Esstisch sich unter Büchern biegt. Alles ist ungeheuer charmant und ermutigend. Nur: Werde ich als selbsternannte Bannerträgerin des Politischen im Krimi-Genre diese bibliophilen Leutchen nicht enttäuschen? Wollen sie hier wirklich etwas darüber hören, wie Geschlechterverhältnisse, Turbokapitalismus und das Elend der Großstädte in aktuellen Politkrimis die Welt als Unort zeigen?

Liebe Kolleginnen und Kollegen in den unabhängigen Verlagen, lasst euch sagen: Bienenbüttel in der Heide, das ist der nördliche Nabel des deutschen Literaturbetriebs. Glaubt es mir. Das Publikum ist phantastisch. Konzentriert, offen, bereitwillig. In der Pause finde ich mich bestürmt mit interessierten Rückfragen. Danach dann liest Monika Geier, meine sehr geliebte Autorin, die ich so endlich mal wiedersehe, denn sie ist aus der fernen Pfalz angereist und bezaubert unser Publikum mit einer lebhaften Lesung aus „Die Hex ist tot“, was wunderbar zur kerzenwarmen Novembernacht passt. Alles in allem einer der schönsten Abende des Jahres.

Vielleicht darf ich die Bienenbütteler gelegentlich mit einer Pennerin aus London bekannt machen, indem ich aus Liza Codys „Lady Bag“ vorlese und vom Abenteuer dieser Übersetzung erzähle? Ich möchte nämlich unbedingt wiederkommen!

Else Laudan (Argument Verlag mit Ariadne)

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