Bienenbütteler Tagebuch II – Impressionen von einem Literaturfestival: Heute Annegret Ritter und Georg Meier

Buchhandlung Patz

Vier unabhängige Verlage präsentieren sich in der Woche vom 20. bis 27. September in Bienenbüttel. Zum „Literaturfestival der kleinen Verlage in der Provinz“ [mehr…] hat der Merlin Verlag aus Gifkendorf im Landkreis Lüneburg eingeladen. Julia Weis und Andreas Schmitt vom Merlin Verlag haben die Veranstaltung mit der Buchhandlung Patz und der Gemeindebibliothek Bienenbüttel organisiert.

Organisator Andreas Schmitt, Merlin Verlag Dienstag, 22. September

Mit einer kleinen Panne begann die Kindergarten-Veranstaltung mit Annegret Ritter. Sie kam bereits am Montag Abend in Bienenbüttel mit der Bahn an; nur, sie fand niemanden vor, der sie abholen kam. Nach nervösem Mobiltelefonieren im niedersächsischen Funkloch klärte sich alles recht schnell auf. Dennoch: das letzte Fine-Tuning ist uns durch die Lappen gegangen.

Dafür waren die Kindergartenkinder begeistert: sie erfanden eigene Sticker, die sie in die Victor-Bilderbücher einkleben konnten.

Am Dienstag, 22.09.2009, war es dann soweit: Annegret Ritter war auf Einladung des Merlin-Verlags im Rahmen der Buchwoche mit ihren Bildergeschichten über den kleinen Victor und seiner Familie in der Gemeindebücherei Bienenbüttel zu Gast. Der DRK-Kindergarten und der St.Michaeliskindergarten waren nacheinander mit jeweils einer Gruppe gekommen.

Zuerst wurde eine Szene aus Viktors Alltag gepuzzelt, und danach konnten die Kinder selbst eine Szene weitergestalten. Auf ein großes Bild von Viktor und seiner Familie im Tierpark, Viktor bei den Großeltern, in der Eisdiele und in der Küche klebten die Kinder ihre eigenen zusätzlichen Bilder, die sie vorher auf Papier mit selbstklebender Folie aufgemalt und ausgeschnitten hatten. Es kamen sehr schöne farbige muntere Bilder zustande und die fertigen Bilder durften dann mit in den Kindergarten genommen werden. Die Kinder waren mit sehr viel Eifer und Spaß dabei.

Die Abendveranstaltung fand in Eitzen 1 statt. Der Ortsteil von Bienenbüttel heißt wirklich so. Bei Bernd Uhde, einem Fotografen, der über dem Pferdestall zahlreiche Bilder ausstellte. Ich glaube, genau so hatten sich die Berliner Kollegen vom Dittrich Verlag das niedersächsische platte Land vorgestellt. Eine soap-opera-taugliche Kulisse mit Pferdestall, Hunden und Abendsonne über den sanften Hügeln des flachen Landes.

Buchhändler Detlev Patz war sichtlich bewegt, als er die Gäste zur zweiten Abendveranstaltung begrüßte: mit so vielen Leuten hatten wir dieses Mal definitiv nicht gerechnet. Aber, die Stühle der Feuerwehr reichten bei weitem nicht aus (und es waren schon über fünfzig Stühle gewesen). Dank der Unterstützung der regionalen Medien, die über die Auftaktveranstaltung groß berichtet und immer wieder den Veranstaltungskalender der Buchwoche abgedruckt hatten, waren auch viele Leute gekommen, die am Sonntag noch nicht dabei waren.

Zum Beispiel andere Buchhändler aus der Region wie Katja Poppner, Inhaberin der gut sortierten Buchhandlung in Hanstedt in der Lüneburger Heide (21271 Hanstedt, Winsener Str.). Verleger Volker Dittrich berichtete aus den Anfängen des Verlags, von den musikhistorischen Bücher über Wagner, von anderen Erfolgen und Misserfolgen und natürlich vom belletristischen Programm (Edgar-Hilsenrath-Ausgabe). Gerrit Schoof, der 2007 dazustieß stellte das aktuelle Programm vor. Der Autor Georg Meier saß sichtlich gerührt daneben, wie sein Verleger Volker Dittrich aus seinem Roman „Härte 10“ las.
Es war richtig, nicht nur die Buchhandlung als Veranstaltungsort zu wählen, sondern darauf zu bauen, dass so vernetzte Leute wie der Fotograf Bernd Uhde als Magnet wirken. Nun sind wir alle euphorisiert und die Müdigkeit fällt gar nicht so auf.

Zum 1. Teil des Tagebuches: Bienenbütteler Tagebuch – Impressionen von einem Literaturfestival: Heute Jochen Schimmang [mehr…]

Autor Georg Meier

Ein schöner Spätseptembertag. Im idyllischen Bienenbüttel lernen wir Frau Patz kennen, sehen uns in der wunderbar sortierten Buchhandlung um, essen schreckliche Sachen in einem nahen Restaurant. Später fahren wir ins drei Kilometer entfernte Eitzen. Dort findet die Lesung in einer Scheune statt. Ein beeindruckender ehemaliger Bauernhof, viele Tiere. Die Gastgeber Tina und Bernd Uhde sind ebenso herzlich und engagiert wie das Ehepaar Patz. Die Lesung ist sehr gut besucht. Aufmerksames Publikum, tolle Stimmung, ein kleines Fest, ein schöner Abend. Ich bin ganz gerührt.

Verleger Volker Dittrich

Auf den Feldern an der Autobahn von Berlin nach Bienenbüttel sehen wir Kraniche. Abfahrt Hornbek. Heimatliche Landschaft. Eine gute Stunde über Lauenburg an der Elbe nach Bienenbüttel. Cora und Georg Meier schmökern schon im Buchladen von Anne-Grete und Detlev Patz. Ein paar Schritte weiter im Gasthof Hedder ist bayrische Woche. Georg Meier, Gerrit Schooff und ich planen den Ablauf des Abends. „Ihr seid doch bestimmt alles Künstler“, sagt der Kellner. Er wisse von der Buchwoche in Bienenbüttel, kenne den Seniorchef des Merlin Verlages schon sehr lange.

Um 19 Uhr treffen wir uns in Eitzen bei Tina und Bernd Uhde. Es riecht nach Schweinen und Pferden. Die Hunde wollen uns in Empfang nehmen. Wir warten lieber. Bernd Uhde, der bekannte Fotograf, der mit seiner Frau seit 25 Jahren auf dem großen Bauernhof lebt, beteuert, die drei Hunde seien zwar groß, aber harmlos, und ermutigt uns, auf den Hof zu kommen. Im Pferdestall führt eine Holztreppe steil nach oben. Eine Ausstellung mit großen Fotos unter dem Ziegeldach. Etwas weiter im Haus ist der Lesungsraum. Wir dürfen uns überall umschauen. In einer sehr großen Volière sitzen vier bildhübsche Papageien, die einen unbeschreiblichen Lärm veranstalten, aber schweigen, als wir sie betrachten.

Werden hierher auch Leute kommen, frage ich Detlev Patz etwas skeptisch.

Um acht Uhr werden von überall her zusätzliche Stühle in die Scheune gestellt. Vielleicht 50 Besucher, in dem von Kerzen in ein warmes Licht getauchten Raum, sitzen vor uns. Andreas Schmitt vom Merlin Verlag erzählt wie es zu der Buchwoche Bienenbüttel kam, die nun schon zum dritten Mal auf Initiative der Buchhandlung Patz stattfinde. Unabhängige Verlage und ihre Autorinnen und Autoren sollen präsentiert werden.

Gerrit Schooff und ich stellen den Dittrich Verlag vor. Unser Autor Georg Meier und sein zweiter Roman „Härte 10“ bilden den Mittelpunkt des Abends.

Der Funke beim Lesen springt schnell über, das macht alles einfacher.

Vor und nach der Lesung wird Wein ausgeschenkt. Reaktionen auf das Gehörte kommen sofort. Im Hof brennt ein Feuer. Sternenklarer Himmel. Fledermäuse kreisen über unsere Köpfe. Altweibersommer. Weit nach Mitternacht, nach vielen anregenden Gesprächen, fahre ich zurück nach Bienenbüttel zu Hedder, wo ich übernachte.

Literatur in der Provinz – ein große Bereicherung. Mit viel Kraft und Energie reisen wir zurück, wollen versuchen, auf dieser Welle noch ein wenig weiter zu surfen.

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