Bienenbütteler Tagebuch III – Impressionen von einem Literaturfestival: Heute Britta Jürgs und Axel von Ernst

Buchhandlung Patz

Vier unabhängige Verlage präsentieren sich in der Woche vom 20. bis 27. September in Bienenbüttel. Zum „Literaturfestival der kleinen Verlage in der Provinz“ [mehr…] hat der Merlin Verlag aus Gifkendorf im Landkreis Lüneburg eingeladen. Julia Weis und Andreas Schmitt vom Merlin Verlag haben die Veranstaltung mit der Buchhandlung Patz und der Gemeindebibliothek Bienenbüttel organisiert.

Organisator Andreas Schmitt, Merlin Verlag
Mittwoch, 23. September

Zur Eiche

Den Veranstaltungsort hat Detlev Patz ausgesucht: Gasthof/Pension „Zur Eiche“ … Als ich ankomme, sitzen Britta Jürgs und Axel von Ernst an einem Tisch mit grüner Tischdecke vor einer grau-weißen Gardine. Der Büchertisch steht vor einer Wand, die mit allerlei Jagdutensilien geschmückt ist. Jochen Schimmang hatte ja die Nacht vom Sonntag auf den Montag dort verbracht und ihn treffend beschrieben. Aber was sollen die Äußerlichkeiten – Britta Jürgs und Axel von Ernst wissen, wie sie den Raum bespielen müssen. Gegen 8 Uhr sind dann wieder alle Tische besetzt, und mittlerweile erkenne ich auch die Stammgäste der Buchwoche, die im Vorfeld Dauerkarten erworben haben.

Britta Jürgs und Axel von Ernst stellen im Wechsel ihre Verlage und Programme vor. Und lesen natürlich. In der Pause gibt es frischen Zwiebelkuchen und Federweißen – meine letzten Zweifel am Veranstaltungsort sind ausgeräumt. Nicht genug zu loben ist der Beitrag der „Eiche“ zum Festival: sie werden als Sponsoren im Veranstaltungsheft genannt, dafür nächtigen dort die Gäste der Buchwoche zum Sonderpreis.

Britta Jürgs, Axel von Ernst

Britta Jürgs
Kraniche waren diesmal keine zu sehen auf dem Weg von Berlin nach Bienenbüttel. Während Axel noch hinter einem Traktor herfahren musste, konnte ich mir schon in Ruhe die Buchhandlung Patz anschauen. Neben dem reichen Sortiment aus den unabhängigen Verlagen begeisterte mich die Fensterdekoration, mit allen der zum Literaturfest eingeladenen „Reisebegleiter“ aus den unabhängigen Verlagen mitsamt der Verkehrsmittel, die sie nach Bienenbüttel hätten bringen können – darunter Heißluftballons und Schiffe. Axel und ich kamen allerdings aus dem Osten und Westen der Republik ganz schnöde mit dem Auto.

Axel von Ernst

Über dem Büchertisch

Fast genau in der Mitte, in Bienenbüttel also, trafen wir zusammen und fuhren sofort mit Anne Patz weiter nach Edendorf, wo unsere Veranstaltung stattfinden sollte. Noch eine schöne Allee, wie die auf dem Weg von der Autobahn hierher, schöne alte Backsteinhäuser, der Ortseingang von Edendorf – und dann der Parkplatz vor dem Gasthof „Zur Eiche“. Sofort zu erkennen: ein echter Klassiker. Innen viel übrig geblieben aus den 50ern, 60ern und 70ern, Tischdecken, Geweihe, Musikbox. Detlef, Felix und Katja Patz sind schon da und beginnen müde mit dem Aufbau (es war lang am Vorabend …). Wir werfen den ersten Blick in den Veranstaltungsraum: In so einem hatten wir noch nicht gelesen, auch hier Tischdecken (grün), eine Atmosphäre wie in der Tagesschau von 1972, kurz vor einer Protestversammlung der Bürger.

Britta Jürgs
Nach einem „Strammen Max“ ging es los. Wir erzählten, wie wir zu den Namen AvivA bzw. Lilienfeld kamen, wie alles los- und weiterging und verrieten unsere literarischen Passionen, mit denen wir das Publikum dann natürlich auch im weiteren Verlauf des Abends unterhielten. Axel bestach immer wieder durch seine kurzen Gesangseinlagen, beispielsweise um seinen Autor Peter Hein vorzustellen und das Fehlfarben-Lied, das dieser nun gar nicht mehr hören kann – und ich stimmte ein mit „Es geht voran“. Das tat es auch. Die Zeit raste. Unser Doppelpack-Programm mussten wir zwischenzeitlich um weitere wunderbare Perlen und Funde kürzen, denn wir hatten ja nicht nur einige Lesestücke, sondern auch viel zu erzählen… Ich las rasante Szenen aus Ruth Landshoff-Yorcks „Roman einer Tänzerin“, um den Gastraum mit 20er Jahre-Flair zu füllen, während Axel das Publikum vor dem Zwiebelkuchen-Imbiss mit kannibalistisch-kulinarischen Szenen aus seinem Samoa-Buch zum Lachen brachte.

Axel von Ernst

Pause mit Zwiebelkuchen und Federweißer

Nach der Pause saßen sie wieder vor uns – leicht gerötete Gesichter vom Federweißer. Unser Plan war nun, das Publikum in unser Gespräch mit einzubeziehen, und der Notfallplan sah vor, dass wir weiter selbst über uns berichten würden, falls sich niemand meldet – aber dieser Notfall trat nicht ein; es entwickelte sich ein schönes Gespräch mit dem Publikum. Viele Fragen zum Programm (wie wir dazu kommen), zum Vertrieb (welche Auflagenhöhen wir haben) und zu vielem anderen kamen auf, es wurde wieder viel erzählt und gelacht und dann, am Ende, legten wir noch einmal zwei Texte nach: Britta las sehr schöne, melancholisch stimmende Passagen aus Alice Rühle-Gerstels „Der Umbruch oder Hanna und die Freiheit“ und ich schloß ab mit Paul Kerstens Kurzgeschichte „Die Pastorale“, die noch einmal für heitere Stimmung sorgte. Inzwischen waren unser aller Köpfe hochrot von Hitze, Vortrag, Gespräch und guter Laune, es gab Danksagungen von allen Seiten und einen herzlichen Aufbruch.

Britta Jürgs & Axel von Ernst
Am nächsten Morgen beim gemeinsamen Frühstück (mit sehr leckeren Brötchen, da die „Eiche“ nicht nur Gaststube und Pension, sondern auch Landbäckerei ist) waren wir uns einig, dass das ein wirklich gelungener Abend war: ein nettes, aufmerksames, interessiertes Publikum, wunderbare, engagierte Gastgeber – ach, stöhnten wir, wenn es davon noch mehr gäbe, überall in Deutschland und auf der ganzen Welt. Von einer schönen Zukunft träumend kauften wir noch Pflaumenkuchen als Souvenir für unsere Großstädte und machten uns auf den Weg zu unseren Abschiedsbesuchen in der Buchhandlung in Bienenbüttel und bei den Kollegen vom Merlin Verlag in Gifkendorf. Ihnen sagen wir ein dickes Dankeschön!

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