Bienenbütteler Tagebuch IV – Impressionen von einem Literaturfestival: Heute Sylvia Geist und Andreas J. Meyer

Buchhandlung Patz

Vier unabhängige Verlage präsentieren sich in der Woche vom 20. bis 27. September in Bienenbüttel. Zum „Literaturfestival der kleinen Verlage in der Provinz“ [mehr…] hat der Merlin Verlag aus Gifkendorf im Landkreis Lüneburg eingeladen. Julia Weis und Andreas Schmitt vom Merlin Verlag haben die Veranstaltung mit der Buchhandlung Patz und der Gemeindebibliothek Bienenbüttel organisiert.

Sonntag, den 27. September
Organisator Andreas Schmitt]
Ein überwältigender Abschluss; eine Viertelstunde lang holen wir alle Sitzgelegenheiten aus den Nachbarhäusern, die wir auffinden können: Klappstühle, Sitzkissen, Sofateile. Dennoch müssen etwa zwanzig Leute stehen. Dank des herrlichen Spätsommerwetters können wir schon einmal den Getränketisch ins Freie stellen, später noch den Büchertisch. Noch immer müssen einige stehen…

Luftschacht gehört die erste Halbzeit – mit ihrer Autorin Sylvia Geist. In unserer Galerie hängen Zeichnungen von Horst Janssen aus der Herbst-Novität „Flatter“. Nach der Pause berichtet der Merlin-Gründer und Senior-Verleger Andreas J. Meyer, was es mit „Flatter“ auf sich hat, wie er Janssen kennenlernte und über Jahrzehnte als befreundeter Verleger begleitete.

Die Wahlprognosen scheinen keinen zu interessieren. Bis weit nach 18 Uhr bleiben die Gäste aus Hamburg, Lüneburg, Uelzen und Bienenbüttel in Gifkendorf.

Am Abend sitzen wir lange zusammen, einig, dass die Buchwoche zwar viel Arbeit gemacht hat, aber ein unglaublicher Erfolg war. Und es euphorisiert zu sehen, dass es genügend Leserinnen und Leser gibt, die Lust auf die Bücher der „kleinen“ Verlage haben. Dass die Vorstellung unsinnig ist, das „kleine“ Verlage nur für Nischen produzieren. Dass dieses Festival Schule machen wird. Bald, wetten?

Stefan Buchberger, Luftschacht Verlag
Bahnhof Bienenbüttel: „Ob das wohl Herr Buchberger ist?“, die Leiter der Buchhandlung Patz erwarten mich am Bahnsteig. Sylvia Geist soll mit dem nächsten Zug kommen. Die Wartezeit überbrücken wir mit starkem Kaffee und Zigaretten. Dann das erste Aha-Erlebnis: Hier soll also ein Verlag untergebracht sein? Keine Nachbarschaft in Sicht, irgendwo in den idyllischen Fluren der niedersächsischen Provinz ein hübsches, verträumtes Haus, Hof und weitläufiger Garten. Rundum Stille, Felder. Wenn ich da an unser Verlagsbüro in Wien denke! Noch bei der Führung durch die Räumlickeiten des Merlin Verlags, Schreibtische, Lager, treppauf, treppab, man kann sich hier ganz aufs Büchermachen konzentrieren, von wegen schnell mal um die Ecke Zigaretten kaufen, was auch immer.

Pünktlich um halb vier ist der Garten voller Menschen, Gifkendorf und Umgebung ist auf den Beinen, Wein- oder Sektglas in der Hand, man kennt einander mehr oder weniger, vom Sehen. Die zweite Überraschung: Hier draußen steht man noch herum, weil drinnen kein einziger der 50 Stühle mehr frei ist. Sylvia Geist muss sich anstrengen ohne Mikrofon. Ich habe nicht gewusst, dass sie so laut werden kann. Den Gedichten schadet es nicht, und von draußen lauscht man aufmerksam in den Raum hinein, als sie ihre Novelle „Der Pfau“ präsentiert.

Kurze Pause, Glas Wein.

Senior Verleger Andreas Meyer entzückt mit einer Lesung aus Erinnerungen an Horst Janssen, ziemlich schräger Typ, witzig-geistvolle Geschichten aus einem bewegten Verlegerleben. Das Publikum goutiert es, die Stimmung ist auf dem Höhepunkt.

Dann geschieht, was immer geschieht, zurück an den Start, man trinkt nun ausgelassener, redet lauter, lacht mehr. Bis alle hungrig sind und ein herrliches Buffett aufgetragen wird. Bis nach Mitternacht sitzen wir um die Tafel, wir freuen uns, wie gut der Tag gelungen ist, die Erwartungen übertroffen wurden. Zu Recht werden Komplimente gemacht. Die Atmosphäre ist einzigartig und irgendwie rührend.

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