Bierprobe zum Welttag

Jutta Leimbert, Gabriele Wörner, Susanne
Pristaff, Walter Lüderssen, Wolfgang Vater,
Ulrike Fischnich und Axel Krautworst

Doppelt begingen die Wiesbadener Buchhändler Die Sechs Richtigen den gestrigen Tag: Sie hatten zur Feier des Welttages des Buches und zum Tag des Deutschen Bieres, beide finden am 23. April statt, ins Gasthaus Ludwig in Wiesbaden eingeladen.

Die Literarische Bierprobe erlebte damit ihre siebte Auflage und hatte wieder viele angelockt – etwa 50 Interessenten waren ins „Ludwig“ gekommen.

„Über 1000 Brauereien und fast 4000 Buchhandlungen gibt es in Deutschland noch“, informierte Walter Lüderssen von der Buchhandlung Angermann – Landkartenhaus zu Beginn.

Wolfgang Vater vom Staatstheater Wiesbaden, seit vielen Jahren gern gesehener Akteur bei den Buchhändlern, zitierte einen Goethe zugeschrieben Spruch: „Bestaubt sind unsre Bücher, der Bierkrug macht uns klüger.
Das Bier schafft uns Genuss, die Bücher nur Verdruss.“
Ganz so ernst sei das wohl nicht gemeint, an diesem Abend wollte man beides verbinden.

Zu einem badischen Rothaus-Bier kamen Walter Lüderssen und Wolfgang Vater auf Johann Peter Hebels Geschichte Teures Späßlein, in dem vom Umgang zwischen Wirt und Gast und von einem schwer genießbaren Baseler Bier die Rede war. „Das Bier war sauer, zog ihm den Mund zusammenzog, daß ihm die Ohren bis auf die Backen hervorkamen.“

Die Hauptfigur in Jakob Arjounis Kriminalromanen, Kemal Kayankaya, und seine Vorliebe für Bier wurden anschließend von Jutta Leimbrock, Susanne Pristaff und Axel Krautworst szenisch vorgetragen.

Ein Löwenbräu für den Schimmel – das forderte Kommerzienrat Treibel in Frau Jenny Treibel von Theodor Fontane. Die Teilnehmer der Landpartie konnten beobachten, „wie das arme verschmachtete Tier mit Gier den Seidel austrank und in ein schwaches Freudengewieher ausbrach.“

Vom Land ging es nach Berlin, in das bekannte und legendäre „Aschinger“. „Eine Berliner Weiße gibt es dazu leider nicht – so viele Weiße-Gläser waren in Wiesbaden nicht aufzutreiben“, scherzte Walter Lüderssen. Statt Weiße kommt ein Duckstein aus Lübz auf den Tisch. Das Publikum folgt dabei den Geschichten Robert Walsers vom „Biereingießer“, dem „blauweiss gestreiften Schnittwaren-Fräulein“ und dem „Brotbett mit einer schlafenden Sardine … auf einem Butterlaken“.

Auch Thomas Mann lobte den Gerstensaft: „Ich Geringer trinke täglich zum Abendbrot ein Glas helles Bier und reagiere auf diese anderthalb Quart so stark, dass sie regelmäßig meine Verfassung durchaus verändern. Sie verschaffen mir Ruhe, Abspannung und Lehnstuhlbehagen, eine Stimmung von ‚Es ist vollbracht!’ und ‚Oh, wie wohl ist mir am Abend!’“, schrieb er 1906.

In Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams geht es ebenfalls um Bier, genauer um sechs Gläser Helles, schnell noch zu trinken vor dem Weltuntergang.

Mit Herbert Rosendorfers Briefe in die chinesische Vergangenheit erleben die Zuhörer das Oktoberfest in “Min-chen“ aus chinesischer Perspektive. Entsprechend gibt es dazu ein Münchner Bier. Heinrich Hoffmann von Fallersleben lobt die Bayrische Braukunst und besonders die der Klöster, Eduard Mörike zieht es des Durstes wegen vom Dichtertisch doch woanders hin: „im Jägerschlößchen ist frisches Bier“. Über den Stammtisch machte sich Wilhelm Busch Gedanken.

Zum Abschluss der Literarischen Bierprobe gab es ein Maibock, die Geschichte, wie aus dem Sankt-Vater-Bier das „Salvator“ wurde und ein, so Lüderssen, „sauschweres Rätsel“: Aus allen auf -ator endenden Begriffen mussten diejenigen herausgefunden werden, die keine Biersorte bezeichneten.

Zwei Gewinner aus dem Publikum konnten sich über zwei Bücher, Bier & Genuss, gerade im BLV Buchverlag erschienen, freuen.

Ein besonderes Dankeschön galt Irmgard von Kayser und Harald Pfaff, sie sorgten am Tresen für abwechslungsreichen Nachschub.

Die siebente Literarische Bierprobe wurde von den Buchhandlungen Angermann – Landkartenhaus, erLesen, Lesen & Leben, Susanne Pristaff, Vaternahm und Büchergilde – die Sechs Richtigen – organisiert und gestaltet.

Der Abend war eine von 20 Veranstaltungen der diesjährigen Reihe Buchseiten – Buchzeiten in und um Wiesbaden vom 12. bis zum 28. April www.buchseiten-buchzeiten.de. Dieses Lesefest, das zum sechsten Mal stattfindet, wird von elf Wiesbadener Buchhandlungen, dem Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins, dem Kulturamt und dem Literaturhaus organisiert.

JF

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