Buchhändler erlebten in Berlin die Vorpremiere von Tanja Dückers‘ Roman „Hausers Zimmer“

„Mädchen ohne Abitur“ – so heißt das Kreuzberger Restaurant, in das der Schöffling Verlag gestern Abend Berliner Buchhändler und Buchhändlerinnen zu einer Begegnung mit seiner Autorin Tanja Dückers eingeladen hatte.

Hausers Zimmer kommt am 15. Februar in die Buchläden und ist Tanja Dückers vierter Roman und der erste, der bei Schöffling erscheint. Bisher sind ihre Romane im Aufbau Verlag erschienen. Knapp 50 Buchhändler und Buchhändlerinnen erlebten eine gut gelaunte Autorin, die bereitwillig von ihrer Arbeit an dem Buch erzählte, ein Projekt mit dem sie schon vor zehn Jahren begonnen hat. „Hausers Zimmer“ führt ins Jahr 1982. Dazu passe der Retrocharakter des liebevoll gestalteten Lokals trefflich, freute sich die Autorin; und auch der Umschlag des Buches fand ihre Anerkennung. Es komme nicht gerade oft vor, dass Inhalt und Cover so gut korrespondieren, sagte sie, begleitet vom Kopfnicken vieler Gäste.

Tanja Dückers, Klaus Schöffling

Das Jahr 1982 halte sie für besonders spannend, erzählte die 1968 in West-Berlin geborene Schriftstellerin, weil die 70er Jahre erst dann wirklich zu Ende gingen. Damals erfolgte der Machtwechsel „von Helmut zu Helmut“, im Mai starb Peter Weiss, im Juni Alexander Mitscherlich. Mit Christian Klar und anderen wurden die Mitglieder der „Zweiten Generation“ der RAF verhaftet. Breschnews Tod und der Falklandkrieg sind weitere einschneidende Ereignisses des Jahres. Der Paradigmenwechsel in Deutschland begleite die Handlung des Romans, der auch autobiografische Referenzen habe.

Nach dem Mauerfall sei nicht nur die DDR untergegangen, sondern auch West-Berlin, sagte Tanja Dückers: „Mir fehlen die Bücher dazu.“ Mit „Hausers Zimmer“ führt sie die Leser mitten hinein in die Atmosphäre im West-Berlin der 80er Jahre. Die jugendliche Erzählerin Julika träumt sich nicht nur hinaus in die weite Welt, sondern mindestens ebenso sehnsüchtig in das Zimmer des Motorradrockers Peter Hauser von gegenüber mit der Hawaitapete über dem Bett.

Tanja Dückers Lesung einiger Passagen machte neugierig auf die Lektüre und das Publikum diskutierte noch lange über West-Berlin in den 80er Jahren. Erst spät am Abend verließen die Gäste beschwingt das „Mädchen ohne Abitur“.

Übrigens: Tanja Dückers arbeitet bereits an zwei bis drei weiteren Projekten, verriet Verleger Klaus Schöffling beim Abendessen. Wir freuen uns darauf.

ML

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