BuchmarktFORUM: Für Krise der Branche darf nicht die Wirtschaftskrise verantwortlich gemacht werden.

„Krise“ ist nur ein unzureichendes Wort für die Herausforderungen, vor denen die Buchbranche steht. Das wurde auf dem heutigen BuchmarktFORUM deutlich, das im Literaturhaus München stattfand und soeben zu Ende ging.

Dabei geht es nicht nur um die derzeitige Finanzkrise, die sich noch verschärfen könnte. Deutlich wurde, dass sich Verlage zunehmend wegbewegen vom reinen Büchermachen. Viele verstanden den Titel der Veranstaltung 1. BuchmarktFORUM Krisengipfel, von dem noch unklar ist, ob ihm noch ein zweiter folgen wird, vor allem im Hinblick auf das Thema Digitalisierung. Dieses nahm entsprechend einen breiten Raum in der Diskussion ein.

Der Austausch in kleinen Arbeitsgruppen stand als Mittel der Wahl dabei im Vordergrund. Dabei war die Hauptfrage: „Welche Krise ist Ihre Krise?“, ein Programmpunkt, durch das Thorsten Roser, Group Dirctor London Research and Consulting Group, führte. Dabei ging es unter anderem um die Strukturkrise, die durch die Konzentration im Handel ausgelöst wird. Diese zwinge Verlage zu mehr Vertriebsaktivitäten, die möglicherweise am Handel vorbeiführen und die auch andere Contentformen im Internet berücksichtigen. Dies würde durch die Digitalisierung der Inhalte beschleunigt, für die ein angemessenes Pricing gefunden werden müsse, so Joachim Bischofs, Vertriebsleiter bei Campus.

Beschworen wurde vor allem das Wort „Kooperation“ insbesondere im Hinblick auf die Unternehmenskrise, das allerdings bei dem Verlegerdominierten Publikum selten in Bezug auf den Handel benutzt wurde. Hauptadressaten waren Dienstleister, Verlage, die sich bereits bei bestimmten Zielgruppen positioniert haben und Internetanbieter. „Kooperiere bzw. vernetze Dich mit den besten Ideen“, rief beispielsweise Gregor Waller, Mitglied der Geschäftsführung bei der WELT den Zuhörern zu. Auch Patrick Sellier, Eigentümer von Sellier European Law Publishers, versteht nicht, warum juristische Verlage nicht bereit sind, Vernetzungsplattformen im Internet zu nutzen.

Scharfe Worte fand Max Stralka von der Internetplattform BookRix. „Meine Generation versteht nicht, warum die Verleger so an dem gedruckten Buch festhalten. Wo ist bei dem gedruckten Buch mein digitales Leben?“, fragte er. Mitstreiter Gunnar Siewert ist überzeugt, dass Geschäftsmodelle heute nicht am Schreibtisch entwickelt werden können. „Geschäftsmodelle entwickeln sich mit der Nutzung“, sagte er.

Finanzierungskrisen führten dazu, Programme zu straffen. Dabei dürften Verlage aber nicht kaputt schrumpfen, sondern sollten sich gesund schrumpfen, hieß es.

Verlage, die Onliner bekämpfen, hätten über lange Sicht eine Markenkrise zu befürchten, ist Organisator Dr. Andreas Meyer überzeugt. Dabei könnten gerade Verlage mit ihren Marken für Qualität der digitalen Inhalte stehen. Eric Kubitz forderte die Verlage auf, Suchmaschinen als Chancen zu sehen und „Search Engine Optimization“ zu betreiben.

Doch trotz allem: Print ist nicht out, war auch eine einheitliche Haltung. Neue Vertriebs- und Marketingstrategien gelten vor allem dem Internet. Und das gelte auch für Buchhandlungen. Dabei ist das Image des Handels aber schlecht. „Wer sich auf den Handel verlässt, ist existenzbedroht“, sagte beispielsweise Waller.

Am Schluss wurde klar: Für interne Strukturkrisen der Branche könne nicht die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise verantwortlich gemacht werden.

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