Beirut Short Stories 2016: Finalisten kommen zur Messe

Anita Djafari, Bernd Siegfried und
Marie-Hélène Gutberlet

2014 begann Litprom in Kooperation mit der KfW Stiftung und dem Goethe-Institut den Workshop Cairo Short Stories [mehr…], der 2015 fortgesetzt wurde [mehr…]

2016 fand ein ähnlicher Workshop in Beirut unter der Leitung des Schriftstellers, Journalisten und Übersetzers Hussein al-Mozany statt. Ziel der Workshops, so wurde auf dem gestrigen Pressegespräch erläutert, ist es, arabisch sprachige Schreibtalente zu fördern und für sie eine internationale Plattform zu schaffen.

„Es ist merkwürdig, dass arabische Gegenwartsliteratur in Deutschland kaum wahrgenommen wird, obwohl das Thema Flüchtlinge 24 Stunden am Tag präsent ist“, stellte Bernd Siegfried, Geschäftsführer der KfW Stiftung, fest.

„Leider hat sich in den letzten Jahren wenig bewegt. Deutsche Verlage, die sich um arabische Literatur kümmern, können kaum etwas verkaufen. Litprom gibt es nun seit 36 Jahren. Wir dachten einmal, dass unsere Arbeit nicht mehr notwendig sein müsste, aber die hat sich noch längst nicht erledigt“, pflichtete Litprom-Geschäftsführerin Anita Djafari bei.

Allerdings freute sie sich, dass Areej Gamal, eine der Finalisten des ersten Workshops, kürzlich mit einem Stipendium ausgezeichnet wurde.
Und die südkoreanische Autorin Han Kang, auf der Weltempfänger-Bestenliste 32/2016 empfohlen, erhielt den Man Booker Prize 2016 für ihr Buch The Vegetarian, auf Deutsch gerade im Aufbau Verlag erschienen und auf der Spiegel Bestseller-Liste 38/2016 gelandet. Fakten, die ermutigen.

„Man muss konstatieren, dass es immer weniger unabhängige Stimmen aus dem arabischen Raum gibt. Das liegt vor allem an der politischen Lage. Auch das Bildungssystem ist in einer schwierigen Situation“, bemerkte Siegfried, „wir stehen vor einer großen Dramatik in dieser Region.“ Umso mehr werde die Arbeit der Goethe-Institute, die ein wichtiger Partner der Workshops sind, geschätzt, unterstrich Marie-Hélène Gutberlet, stellvertretende Programmleiterin Kunst und Kultur der KfW Stiftung.

Eine sechsköpfige Jury, bestehend aus Schriftstellern, einem Verleger und einem Literaturwissenschaftler aus dem Libanon, Syrien, Palästina und Deutschland, wählte die besten drei Kurzgeschichten der Beirut Short Stories 2016 aus und lud die Finalisten zur Frankfurter Buchmesse ein. Angekündigt sind Orwa al Mokdad aus Syrien, Rola el Hussein und Ayham Kazoun aus dem Libanon. Sie werden nicht nur auf dem Weltempfang in Halle 3.1 L25 zu Gast sein, sondern auch in der Frankfurter Kulturinstitution „Fabrik“ sowie in Köln und Heidelberg ihre Geschichten vorstellen.

Für Beirut Short Stories konnte mit der Commonwealth Foundation London ein neuer Kooperationspartner gewonnen werden. Er ermöglicht die Online-Veröffentlichung der Geschichten auf Arabisch und Englisch. Auch auf der Homepage von Litprom werden die Stories zu lesen sein.

„Wir werden den Workshop 2017 noch einmal in Beirut durchführen. Für 2018 könnten wir uns Amman in Jordanien vorstellen“, blickte Bernd Siegfried in die Zukunft.

JF

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