Buchmesse Kairo: Deutscher Stand wird abgebaut/Bisher keine offizielle Absage aus Kairo

Nina Klein, Claudia Dobry, Tobias Voss von der
Frankfurter Buchmesse

Gerade wurde in enger Kooperation mit dem Auswärtigen Amt entschieden: Der 80 Quadratmeter große Deutsche Gemeinschaftstand auf der Cairo International Book Fair [mehr…] (CIB) soll abgebaut werden.

Claudia Dobry, Projektmanagerin bei der Frankfurter Buchmesse, kam am Samstag aus Kairo zurück. Sie ist froh, in Sicherheit zu sein. „Ich bin am 26. Januar nach Kairo geflogen und habe den Stand mit aufgebaut. Es ist sicher meine 15. Reise nach Kairo gewesen, die Frankfurter Buchmesse ist ja seit mehr als 20 Jahren auf der CIB. Wir haben in den Tagen wenig erfahren, keiner hat uns offiziell etwas mitgeteilt, noch am 27. Januar ging die Messeleitung in Kairo von der planmäßigen Eröffnung am 29. Januar aus.“

Nina Klein, Presseabteilung der Frankfurter Buchmesse, informiert über die Planung: Auf dem Deutschen Gemeinschaftsstand wollten insgesamt 180 Verlage etwa 450 Titel präsentieren.
Aus Deutschland hatten sich der Suhrkamp Verlag, der Verlag Vandenhoeck & RuprechtChrista Bommart wollte sogar persönlich anreisen –, der Tessloff Verlag, die Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart und Schweizerbart/Borntraeger Science Publishers zur CIB direkt angemeldet. Christa Bommart hat in Absprache mit Claudia Dobry ihre Reise aufgrund der aktuellen politischen Lage jedoch abgesagt.

„Bei 1,2 bis 1,5 Millionen Besuchern der CIB ist das eine wichtige Messe für uns“, unterstreicht Tobias Voss, Leiter der Internationalen Abteilung der Frankfurter Buchmesse. Kinderbücher und Lesetexte seien in Ägypten gefragt, viele Ägypter lernen Deutsch.

Als die Demonstrationen in Kairo fast die ganze Stadt erfassten, war für die Verantwortlichen der Frankfurter Buchmesse klar: Claudia Dobry musste da raus. „Meine Abreise geschah genau im richtigen Moment, die Lage wurde schon gruselig“, gibt die Orientalistin zu.

Noch immer liegt keine offizielle Stellungnahme der Messeleitung in Kairo vor. Internet und Mobilfunk funktionieren nicht, die Lage ist schwierig einschätzbar.

„Für uns ist es sicher eine verpasste Gelegenheit, wenn die Messe nicht stattfindet. In Kairo kam zur CIB die arabische Welt zusammen“, resümiert Claudia Dobry. Tobias Voss ergänzt: „Wir machen uns angesichts der Lage natürlich Sorgen um die kritische Verlegerschaft in Ägypten. Messen sind immer Möglichkeiten des Treffens und Austauschs mit kritischen Intellektuellen.“

Sorgen machen sich die Kollegen der Frankfurter Buchmesse auch um die ägyptischen Mitarbeiter vor Ort, die am Stand halfen und die Kollegen aus dem Goethe Institut.

Natürlich geht die Sicherheit der Menschen vor. Trotzdem sei die Frage erlaubt: Was wird aus den Büchern? „Die wären ohnehin nach Messeschluss dem Goethe Institut überlassen worden“, erklärt Claudia Dobry.

„Dieses Geschehen in Kairo ist für uns eine außergewöhnliche Situation, die wir so noch nicht hatten“, konstatiert Tobias Voss.

Im Moment bleibt nur, abzuwarten und zu hoffen, dass die ägyptischen Freunde und Kollegen die schwierigen Zeiten heil überstehen.

JF

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