Der Bericht aus Bologna – mit einem Ausblick auf die Herbstprogramme und vielen Fotos

Am vergangenen Donnerstag ging die 50. Internationale Kinderbuchmesse in Bologna zu Ende – nach vier Tagen voller Gespräche, Begegnungen, Feierlichkeiten und Warten auf den italienischen Frühling. Was Verlegern, Lektoren, Illustratoren und Agenten zu Bologna eingefallen ist, sehen Sie in der Bildergalerie am Ende des Berichts.

Das unerfreulich kalte und nasse Wetter wandelte sich in diesem Jahr vom Small-talk-Thema zu etwas Existenziellem. „Was soll ich nur morgen anziehen, ich habe ja heute schon alles an?“, hörte man am Ende des ersten Messetages eine Verlagsmitarbeiterin in der deutschsprachigen Halle 30 klagen, und manch einer nutzte den Händetrockner auf der Toilette gern etwas ausführlicher, um wieder aufzutauen.

Die sonst gern zum Termin ausgedehnten Zigarettenpausen auf dem Hof fielen deutlich kürzer aus, das Stimmengewirr im Inneren der Hallen dafür lauter. Ansonsten bescheinigten mehrere Teilnehmer der Messe eine „lauernde Arbeitsatmosphäre“. Von großen Deals oder Hypes war nicht die Rede – geschuldet wohl der zuweilen angespannten Situation auf den englischen und amerikanischen Märkten.

Oetinger-Lizenzchefin Renate Reichstein konstatierte interessierte Zurückhaltung – bei Titeln über 150 Seiten beispielsweise würden immer häufiger die Übersetzungskosten als Grund für eine negative Entscheidung ins Feld geführt. Als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen hatte Renate Reichstein am Sonntag Abend den traditionellen Empfang der avj eröffnet, in ihrer Rede ein allgemeines Wohlbefinden der zweitstärksten Warengruppe des deutschen Buchmarkts konstatiert und den Fokus aufs Jugendbuch gelenkt. „Diese Messe wird zeigen, ob das klassische Jugendbuch noch eine Chance hat“, erklärte sie im Hinblick auf die stetige Suche der Verlage nach All Age-Titeln. „Verlage haben nicht nur für die frühkindliche Leseförderung eine Verantwortung.“

In der Tat, in den folgenden Tagen sieht man die deutschen Kollegen mit vollen Terminkalendern über die Messegänge flitzen, am Deutschen Gemeinschaftsstand, den Imke Buhre im Auftrag der Frankfurter Buchmesse organisiert, herrscht reges Treiben. Man vermisst dort die Verlage Bloomsbury und Aufbau und begrüßt Newcomer wie den Cleon Verlag. Beim überaus gut besuchten Stand-Empfang am Dienstag Nachmittag übergeben Marifé Boix-García und Bärbel Becker im Namen der Frankfurter Buchmesse aus Anlass des 50. Jubiläums der Kinderbuchmesse in Bologna eine Torte an die dortige Messechefin Roberta Chinni.

Bilderbuch: Kann sich sehen lassen

Bologna bleibt die Messe für Illustration und zieht Newcomer, die ihre Mappen präsentieren, ebenso an wie Etablierte, die sich inspirieren lassen. Der Austausch untereinander ist ein wichtiger Grund, die Reise nach Italien anzutreten.

Schwedens Zeppelin, inspiriert von Kindern

Die Illustratoren-Ausstellung in der Eingangshalle der Messe wird von fast allen Messe-Teilnehmern abgelaufen. Einen schönen Gastland-Auftritt hat in diesem Jahr Schweden inszeniert, 31 Bilderbuch-Illustratoren werden in Schaukästen in Form von Büchern präsentiert, am Messehimmel zirkulieren zwei Flugobjekte, die nach Entwürfen von Kindern gebaut wurden und auf die Ausstellung aufmerksam machen. Für deutschsprachige Bilderbuchleser sind viele Bekannte dabei, wie Anna-Clara Tidholm, Pija Lindenbaum, Sven Nordqvist, Jan Lööf oder Anna Höglund.

Was aber versprechen die deutschsprachigen Bilderbuchprogramme im kommenden Herbst? Nilpferd in Residenz-Programmleiterin Cornelia Hladej zeigt uns einen Titel, in den wir uns in Bologna ganz besonders gut hineinfühlen können: Der Eisdrache, eine Geschichte der kanadischen Autorin Troon Harrson mit wunderschönen, malerischen Illustrationen von Andrea Offermann. Weil ein Eisdrache verletzt ist und nicht mit seinen Artgenossen abreisen kann, verharrt ein Land im Winter. Schlimme Vorstellung, aber ein Mädchen findet eine Lösung, und der Frühling kann kommen.

Peter Hammer-Verlagsleiterin Monika Bilstein freut sich auf die nächste Nadia Budde, wieder schön gereimt und mit unverwechselbaren, skurrilen Figuren bevölkert: Und irgendwo gibt es den Zoo. Beltz & Gelberg-Verlagsleiterin Petra Albers kündigt ein Bilderbuch von Oliver Scherz mit Bildern von Eva Muggenthaler über einen kleinen Erdvogel an, das so schön sei, dass man es zum Lese-Exemplar auserkoren hat. Außerdem bringt man Philip Waechters unglaubliche Kinderzimmerplakate im Format 114 x 79 cm. Der Künstler ist auf der Messe unterwegs, wir treffen ihn am Stand des kanadischen Verlags La Pastèque, der zum ersten Mal in Bologna ausstellt und gleich zwei schöne Katzenbücher dabei hat: La mer von Marianne Dubuc und Bobby von Mélanie Baillairgé.

NordSüd-Verlagsleiter Herwig Bitsche freut sich über die Nominierung seiner Entdeckung Jon Klaasen: Wo ist mein Hut steht auf der Bilderbuchliste des Deutschen Jugendliteraturpreises. Neu im Herbst kommt vom selben Illustrator Das ist nicht mein Hut – diesmal ist ein Fisch der Protagonist. Des Weiteren illustriert Lisbeth Zwerger für NordSüd Leonce und Lena.

Bei Lappan erscheint mit der Schafgeschichte Mäh von Bäh von Mark und Rowan Sommerset eine Lizenz aus Neuseeland. Esslinger-Programmleiterin Annika Stein kündigt für den 24. Juli einen neuen Rabe Socke von Nele Moost und Annet Rudolph an, Alles vermurkst! Oder Auch ein kleiner Nichtsnutz kann ein echter Helfer sein. Außerdem: ein neuer Sebastian Meschenmoser! Sein neuer Protagonist ist ein Plumplori, wir haben schnell mal im Tierlexikon nachgesehen, die gibt es wirklich, sie gehören zur Familie der Loris und sind nachtaktive Baumbewohner. Der Fall Lori Plump ist die Geschichte eines Plumploris, der im Lotto gewinnt und von einem gemeinen Menschen um sein Geld gebracht wird. Geht aber gut aus.

So wie Aladin die Bilderbücher von Maurice Sendak wieder zugänglich macht, hat es Gerstenberg mit Roberto Innocenti vor – der Italiener ist auf der Messe zugegen. Das Mädchen in Rot nach einem Text von Aaron Frisch ist eine moderne Interpretation des Rotkäppchens. Ebenfalls unterwegs in Bologna ist Kristina Andres. Von ihr wird es ein neues Bilderbuch bei Hinstorff geben, von dem Bilderbuch-Programmleiter Thomas Gallien schon erste Ausdrucke zeigen kann: Es handelt sich um Franz Fühmanns Gedicht Lob des Ungehorsams.

Thienemann bringt mit Die Kinder im Wind ein erneut opulent bebildertes Buch von Dirk Steinhöfel. Britta Teckentrupps einfach überzeugenden Stil können wir in einem Bilderbuch bei arsEdition aufs Neue entdecken, von dem Geschäftsführer Michael Schweins erste Ausdrucke zeigen kann: Der Baum der Erinnerung handelt vom Tod eines Fuchses, und davon, wie er im Gedächtnis der anderen Tiere weiterlebt. Renate Raecke hat die Geschichte Der Fischer und seine Frau neu erzählt, in Bilder umgesetzt hat sie Jonas Lauströer für minedition. Dort wird auch eine neue Kveta Pacovska erscheinen: Peter und der Wolf.

Ein neues Konzept, um kleinen Kindern Märchen zu vermitteln, hat sich Fischer KJB ausgedacht. Zwei Pappbände werden erscheinen: Die Bremer Stadtmusikanten, illustriert von Christiane Hansen und Der Froschkönig, bebildert von Karen Krings, Die Bildermärchen kommen ohne Text aus, nur am Ende des Buches findet er sich für erwachsene Bilderbuchvorleser zum Nachlesen. Die Idee: Gemeinsam mit dem Kind kann das Märchen aus den Bildern erlesen werden, was der Tradition des mündlichen Erzählens von Märchen entspricht.

Das Vorlesen möchte Carlsen-Geschäftsführerin Renate Herre mit einem Herzensprojekt promoten: Gemeinsam mit der Ateliergemeinschaft Hafenstraße in Münster ist ein Buch mit Spiralbindung entstanden, das auch aufgestellt werden kann. Es enthält 365 Vorlesegeschichten mit jeweils einer Illustration. So oft hätten sie noch nie gemeinsam in der Küche gesessen und sich gemeinsam Gedanken gemacht, haben die beteiligten Illustratoren erzählt, die auch eigene Geschichten geschrieben haben.

Ein weiterer Vorlese-Titel: mixtvision bringt ein Hausbuch in Kooperation mit der Zeitschrift Gecko: Geckos große Geschichtenwelt. Die Münchner sind stolz darauf, zum ersten Mal für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert zu sein – und das gleich zweimal. Die Jugendjury hat Marit Kaldhols Allein unter Schildkröten auf die Liste gehoben, als Kinderbuch ist Ich wünschte von Ton Tellegen nominiert, die Illustratorin der unglaublichen Porträts in diesem Schmuckstück ist nach Bologna gereist: Ingrid Godon.

Und auch Cally Stronk treffen wir wieder in Bologna, sie hat gemeinsam mit Steffen Herzberg die Texte für zwei Vorlesebände ab vier Jahren geschrieben, die im Herbst bei Dressler erscheinen: Giraffenaffen – Wir sind da und Giraffenaffen – Die Schatzsuche sind Geschichten zur erfolgreichen Kinderlieder-CD Giraffenaffen (gesungen von Lena, Roger Cicero, Thomas D u.a.). Illustriert hat Katja Wehner.

Digitalen Umsetzungen von Bilderbüchern stehen viele noch skeptisch gegenüber. In Amerika, so hören wir, werden bereits spezielle Tablets für Kleinkinder entwickelt, die nicht so schnell kaputt gehen, wenn sie hinfallen. Und dennoch, aus Bologna nehmen wir den Eindruck mit, dass das gedruckte Bilderbuch einen Aufwind erfahren hat, und auch die Illustrationskunst, die sich eines echten Bleistifts und echter Farbe bedient, besser dasteht als zuvor.

Kinderbuch: Stärker denn je

Der nächste Greg-Stapel folgt im November

Am Messemontag verkündete Abrams Books, das Imprint Amulet Books werde gemeinsam mit sieben weiteren Verlagen im November den achten Greg-Band herausbringen. Mit von der Partie ist natürlich Baumhaus-Verleger Bodo Horn-Rumold. Das wäre also ein potentieller Weihnachtsgeschäft-Bestseller für dieses Jahr.

cbj kann einen neuen Jonathan Stroud ankündigen: Lockwood & Co – Die seufzende Wendeltreppe ist der erste Band einer Geschichte um eine Gespensterjägeragentur und soll im September erscheinen, der Autor kommt voraussichtlich zur Frankfurter Buchmesse.

Beltz & Gelberg bringt Familie Grunz, eine Lizenz von Nosy Crow. Axel Scheffler hat Philip Ardaghs Geschichte illustriert, weil er mal mit jemandem zusammenarbeiten wollte, der einen Bart hat und das mit Julia Donaldson nicht klappen wollte. Da trifft es sich gut, dass das Ganze von Harry Rowohlt übersetzt wird. Auch Axel Scheffler ist wieder in Bologna, seit 1988 besucht er die Kinderbuchmesse regelmäßig.

Fischer KJB-Programmleiterin Eva Kutter freut sich auf eine neue Serie von Lauren Child: Ruby Redfort – Gefährlicher als Gold ist der erste Band rund um „Die jüngste Geheimagentin der Welt“ für Kinder ab zehn Jahren. Dass die S. Fischer Verlage Sauerländer, Sauerländer audio und die Kinderbuchreihen der Marken Duden und Meyers übernommen haben, wird bei vielen Gesprächen in Bologna wie schon zuvor in Leipzig durchweg positiv betrachtet. Man freut sich für die Kollegen, von denen, wie man hört, 16 mit nach Frankfurt gehen werden. Und Eva Kutter sieht den Zukauf als klares Signal für die Wichtigkeit des Kinderbuchs im Frankfurter Traditionshaus. Eine Entscheidung, die sicher nicht möglich gewesen wäre, wenn sie nicht auf der kontinuierlichen Arbeit und dem stetigen Wachstum der früheren Fischer Schatzinsel und dem heutigen Fischer KJB und FJB hätte fußen können. Ulrike Metzger übernimmt in diesen Tagen die Leitung des neuen Gesamtkonstrukts Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag. Ein Titel aus dem Sauerländer-Programm ist übrigens Bert und Bart retten die Welt von Tjibbe Veldkamp und Kees de Boer in der Übersetzung von Rolf Erdorf.

Auch bei Kerle herrscht gute Stimmung. Programmleiterin Alexandra Borisch und Marketingleiterin Katja Krieger freuen sich über den gelungenen Neustart, u.a. mit Monster-Mia und kündigen eine neue Serie für Jungs an: Task force Animal. Beides Lizenzen, doch auch an Eigenentwicklungen wird mit Hochdruck gearbeitet, ebenso an Novitäten für das religiöse Kinderbuch von Herder.

Am Egmont-Stand genießt Volker Busch, Verlagsleiter der Egmont Verlagsgesellschaften, den Austausch mit den internationalen Kollegen. Der Konzern hat sich die Buchrechte zu Minecraft gesichert, einem Computerspiel, das von einem schwedischen Programmierer entwickelt wurde. Außerdem hat Volker Busch die Präsentation des Hauses Disney in einem Bologneser Palazzo besucht. Planes, ein Spin-off von Cars, ist eine der Neuentwicklungen. Disney Deutschland hat gerade den TV-Sender Das Vierte gekauft und damit eine neue Abspielstation für Inhalte in Deutschland, was für die entsprechenden Bücher beflügelnd wirken könnte.

Bei Oetinger erscheint im Herbst das erste Kinderbuch der norwegischen Thriller-Autorin Anne Holt. Sie erzählt in Zwei kunterbunte Freundinnen. Das Chaos wohnt nebenan von zwei Achtjährigen und ihrem Alltag. Katrin Engelking arbeitet an den farbigen Illustrationen.

rotfuchs-Programmleiterin Christiane Steen freut sich weiterhin an der Geronimo Stilton-Lizenz, für die sich der Verlag mit zahlreichen Veranstaltungen einsetzt. Im Herbst erscheint ein Geronimo Stilton-Duftbuch, in dem man u.a. Trollfüße erschnuppern kann. Ein Highlight bei den Eigenentwicklungen dürfte das Kinderbuch von Holly-Jane Rahlens mit Bildern von Reinhard Michl werden, das in einer Winterwelt spielt. Die Autorin, die in Berlin lebt, fließend Deutsch spricht, ihr Kinderbuch aber auf Englisch verfasst hat, steht in regem Austausch mit Übersetzerin Brigitte Jakobeit.

Weitere vielversprechende Titel von deutschsprachigen Autoren: Ein neuer Salah Naoura bei Beltz & Gelberg, in dem es erneut und ganz anders um das Thema Lügen geht: Star. Peter Härtling hat ebenfalls für die Weinheimer den E-Mail-Roman Hallo Opa, liebe Miriam geschrieben. Hanser bringt Finn-Ole Heinrichs Drei Sommer für Paulina Schmitt. Mein kaputtes Königreich, illustriert von Rán Flygenring, außerdem Jutta Richters Helden und Annette Pehnts Der Bärbeiß mit Illustrationen von Jutta Bauer.

Bei Ravensburger erscheint Rüdiger Bertrams Norden ist, wo oben ist, bei Thienemann poetische wie lebensnahe Geschichten rund um Ben von Oliver Scherz. Nilpferd in Residenz hat Die coolste Schule der Welt von Saskia Hula mit superlustigen Bildern von Ina Hattenauer im Programm. Und Carlsen-Pressesprecherin Katrin Hogrebe, die zum ersten Mal nach Bologna gefahren ist, fällt auf Anhieb die neue Piratenserie Dreckswetter und Morgenröte für Kinder ab zehn Jahren ein, als wir sie nach einem Herbsttitel fragen.

Coppenrath bringt den Klassiker Die Regentrude von Theodor Storm mit Bildern von Almud Kunert, und Jungbrunnen legt eine Geschichte von Mira Lobe neu auf, die in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre: Lollo ist eine Puppe, die Dinge wieder heil machen kann.

Und wenn wir nun eine kleine Lücke lassen zwischen Kinder- und Jugendbuch, dann deshalb: „Middlegrade“-Titel, so erzählen viele, sind total gesucht. Loewe-Lizenzfrau und -Presseleiterin Jeannette Hammerschmidt hat für die Altersgruppe der etwa 10- bis 12-Jährigen, die keine Kinderbücher mehr wollen, aber noch keine Jugendbücher brauchen, u.a. eine neue Serie von Frauke Scheunemann im Angebot, in der es um den Kater Winston geht. Aber hineinpassen würde hier noch viel mehr …

Jugendbuch: Jede Menge Thriller

Mehr Realistisches meint mancher wahrzunehmen, ebenso die fortschreitende Zerfransung der Fantasy. Erkenntnisse übers Jungendbuch wird sicher auch das avj-Praxisseminar Anfang Mai bringen, Infos dazu hier: www.avj-online.de/aktivitaeten/seminare/praxisseminar/. Sicher ist, dass in diesem Bereich das Thema E-Books und Internet eine wichtigere Rolle zu spielen beginnt. Zum einen als Lesedarreichungs-Form. Zum anderen als Marketing-Instrument.

Insbesondere Serien werden mit E-Shorts oder E-Novellas gefördert, Blogs von Autoren wie beispielsweise Kerstin Gier rund um die neue Silber-Trilogie bei Fischer FJB [mehr…] verkürzen die Wartezeiten zwischen den Erscheinungsdaten der Folgebände. So hat dtv die Rechte zu den Print-Bänden und den E-Novellas zur amerikanischen Romantisy-Trilogie Throne of Glas von Sarah Maas erworben. dtv junior-Pressesprecherin Daniela Wind wittert davon abgesehen einen Trend „à la John Green“ – ernste Themen leicht erzählt. Die Münchner haben dazu im Herbst u.a. Sarah Harveys Arthur oder wie ich lernte den T-Bird zu fahren im Angebot.

Ravensburger bringt einen neuen Morton Rhue, der wieder eine Gegenwartsdebatte aufnimmt: Was geschieht, wenn eine Familie in Armut gerät? Die Protagonisten von No place, no home finden sich in der Zeltstadt Dignityville wieder. Beltz & Gelberg hat ein realistisches Jugendbuch von Mirjam Pressler anzubieten, Wer morgens lacht. Eine Doku-Fiction von Marjolijn Hof um ein Mädchen, das Ballettänzerin werden möchte, erscheint bei bloomoon. Und Karla Schneider erzählt in Tova und so Zauberzeug wie Liebe (Hanser) über Freundschaft und erste Liebe – das Cover hat übrigens Sonja Danowski illustriert. Ein weiteres überzeugendes Cover entdecken wir bei mixtvision: Dort erscheint die Bloomsbury-Lizenz The Weight of Water, ein Versroman von Sarah Crossan, dessen Umschlag Oliver Jeffers gestaltet hat.

Ansonsten? Sehr viele, sehr neugierig machende Thriller: cbj mit Monika Feths Bilderwächter, Chicken House mit Rachel Wards Drowning – Tödliches Element, Arena mit Johanna Rosens Das Mädchen, das aus den Wäldern kam, eine ungewöhnliche Celia Rees mit Auch dein Tod ändert nichts bei bloomoon, Benjamin Constables Die drei Leben der Tomomi Ishikawa bei script5.

Dazu eine Dystopie von Terri Terry: Gelöscht (Coppenrath) und die skurrile Science Fantasy Wie ich Johnny Depps Alien-Braut abschleppte von Gary Ghislain bei Sauerländer. Der Mix ist interessant, auffällig die Lizenzlastigkeit.

Sachbuch: Neue Argumente für den Handel

Dass das Sachbuch kein einfaches Arbeitsfeld ist, hat sich herumgesprochen, im Herbst dürfte aber einiges passieren, das auch dem Handel wieder neue Verkaufsargumente gibt.

An einem Thema arbeiten mehrere Verlage: 2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. Bei Gerstenberg erscheint Maja Nielsens Feldpost für Pauline, basierend auf einem Hörspiel. Nikolaus Nützel schreibt für arsEdition an Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg – was der Erste Weltkrieg mit uns zu tun hat, ein erzählendes Sachbuch ab zwölf Jahren. Und ebenfalls bei Gerstenberg, aber erst im kommenden Jahr, soll ein Sachbuch über den Ersten Weltkrieg von Hermann Vinke erscheinen.

Stefanie Steinhorst, bei Tessloff für neue Geschäftsfelder zuständig, zeigt uns die Cover von vier „vertingten“ Was ist Was-Bänden – seit die Nürnberger den Vertrieb für den Ting-Stift übernommen haben, wird die Produktion von Ting-fähigen Büchern im eigenen Haus vorangetrieben – der gute Einverkauf des Globus mit Ting-Stift hat zusätzlich Mut gemacht. Auch der Tessloff-Weltatlas wird derzeit überarbeitet und erhält statt der üblichen 30 Tingpunkte pro Doppelseite 60. „Die Karten werden überarbeitet, die Audiofiles mit Hörspielcharakter aufgenommen, da steckt viel Arbeit drin“, so Stefanie Steinhorst.

Dorling Kindersley-Programmleiterin Monika Schlitzer freut sich über die nun 80 vorliegenden memo-Titel. Pläne, die Reihe mit Nonbooks auszuweiten, werden derzeit besprochen. „Die Themen Leseförderung und Sachbuch und Jungs gehören für mich zusammen“, erklärt Monika Schlitzer, und man merkt, dass da noch einiges möglich ist.

So wie im Bereich Kreativ-Buch, für den Kathy Heyer bei Coppenrath zuständig ist, neben dem Bereich Groß werden mit Coppenrath, der ebenfalls mit Nonbooks erweitert werden soll. Den ganz großen Wurf hat sie in Bologna nicht entdeckt, aber vieles müsse man auch erstmal sacken lassen nach der großen Reizüberflutung. Im Herbst haben die Münsteraner u.a. Paperplay im Programm.

Nilpferd in Residenz bringt ein erzählendes Sachbuch zu Sternbildern und den Mythen, die dahinter stehen: Traudl Reichs und Cathleen Wolters Die Reise zu den Sternen. Und Klett Kinderbuch-Chefin Monika Osberghaus freut sich auf James Tureks Make my day, ein Englisch-Bildwörterbuch, an dem man noch tüftelt http://absoluteturek.blogspot.de. Der amerikanische Illustrator, der u.a. an der Hochschule in Leipzig unterrichtet hat, hatte eigentlich ein Deutsch-Bildwörterbuch für sich geschaffen, bis Monika Osberghaus ihn dazu anstiftete, die Idee umzudrehen.

Kriegen das eigentlich alle, der Pubertätsratgeber bei Gabriel, ist dank der originellen Ausstattung durch den Fotografen Jan von Holleben gut im Handel gelandet; im Herbst folgt ein Band zum Thema Gehirnforschung. Der Text stammt von Prof. Dr. Michael Madeja: Wie kommen die Gedanken in den Kopf?, für Leser ab acht Jahren.

Und für Moritz-Verleger Markus Weber ist das Buch des Jahres Alle Welt („Stellen Sie sich mal vor, der Titel war noch frei!“). Es handelt sich um ein in der Tat außergewöhnliches Projekt der polnischen Buchgestalter Aleksandra Mizielinska und Daniel Mizielinski, von denen bei Moritz u.a. das Architektur-Buch Treppe Fenster Klo erschienen ist. Das neue wird ein Landkartenbuch im Großformat, in dem man etwas über Geographie, Flora und Fauna, Sitten und Gebräuche sowie die Namen von Kindern in unterschiedlichen Ländern erfährt. Drei Jahre haben die Urheber daran gearbeitet, und nun, da immer mehr Lizenzpartner einsteigen, wird hier und dort noch etwas verändert. Markus Weber hat zum Beispiel einen kleinen Kartenfehler bei der Deutschland-Seite entdeckt und hat angemerkt, dass zu den lukullischen Genüssen Italiens unbedingt die Eiscreme gehöre.

Was wir feiern werden: Jubiläen

Davon gibt es viele. Gefeiert werden u.a.: 150 Jahre Loewe Verlag (zehnbändige Jubiläums-Edition, Dekowettbewerb für Buchhändler), 100 Jahre Schneiderbuch (Jubiläumsedition), 90 Jahre Jungbrunnen, 60 Jahre Carlsen (mit einer besonderen Verlosungsaktion für Buchhändler und einer Gesamtausgabe von Andreas Steinhöfels Rico-Büchern, vierfarbig im Schuber), 20 Jahre Hanser Kinderbuch (mit der von Michael Krüger herausgegebenen Anthologie Folge deinem Traum – Geschichten und Bilder für die nächsten 20 Jahre, einen Titel von Peter Sís aus dem Startprogramm aufgreifend).

Außerdem: Esslinger bereitet für 2014 90 Jahre „Häschenschule“ vor. Der Glückliche Löwe bei Kerle wird in diesem Jahr 60. 10 Jahre „Wimmlingen“ – Gerstenberg feiert Rotraut Susanne Berners Wimmelbuch-Konzept u.a. mit einem Wimmel-Kochbuch und dem Pop-up Willkommen in Wimmlingen, in dem gut zweieinhalb Jahre Arbeit stecken. Und Dressler würdigt 10 Jahre Tintenherz mit einer Jubiläumsausgabe: Für die Sonderausgabe hat Cornelia Funke ein Vorwort und zwei neue Kurzgeschichten aus der Tintenwelt geschrieben. Zudem zeigt das Buch viele Cover-Alternativen, die für die Erstausgabe zur Auswahl standen.

Apropos feiern: Der Preisregen in Bologna

50 Jahre Bologna Kinderbuchmesse also. Kaum zu fassen. Aussteller haben an ihrem Stand eine aus diesem Anlass erschienene schwergewichtige Publikation vorgefunden: Zwei Bände im Schuber, ein Blick hinein lohnt sich. Es geht um die Entwicklung der Kinderliteratur im vergangenen halben Jahrhundert, gezeigt werden viele Fotos von der Messe, und im Interview-Teil erinnern sich Messeteilnehmer an ihre schönsten Erlebnisse. Von deutscher Seite sind vertreten: Petra Albers, Monika Bilstein, Jutta Bauer, Michael Neugebauer, Barbara König, Renate Reichstein, Ulrich Störiko-Blume, Wolfgang Hölker, Daniela Filthaut, Nikolaus Heidelbach, Axel Scheffler sowie Susanne Koppe.

Klaus Flügge (l.) erhält die Ehrenbürgerschaft Bolognas

Zum Ehrenbürger der Stadt Bologna wurde Andersen Press-Verleger Klaus Flügge ernannt. Der gebürtige Leipziger hat u.a. Illustratoren wie David McKee und Tony Ross groß gemacht, viele Kollegen in der deutschsprachigen Halle freuten sich mit ihm.

Bei der abendlichen Feier am Mittwoch im 250 Jahre alten Teatro Communale war er nicht anwesend. Man könnte hier einige Worte über die Veranstaltung verlieren, aber wir wollen lieber etwas Platz sparen. Letztlich kommt es bei jeder Feier vor allem darauf an, mit welchen netten Leuten man sie verbringt. Wir haben uns also sehr gefreut, die Illustratorin Stefanie Harjes zu treffen, die nach Bologna gereist war, um sich die Urkunde für eine lobende Erwähnung bei den Ragazzi Awards abzuholen. Ausgezeichnet wurde Von Meerjungfrauen, Kapitänen & fliegenden Fischen, eine Anthologie bei Boje, deren Texte Renate Raecke zusammengestellt hat [mehr…].

Erstmals verliehen wurden die BOPs – Auszeichnungen für die Verleger des Jahres aus sechs geographischen Zonen. Nominiert war Beltz & Gelberg [mehr…], und auch wenn die Auszeichnung jemand anderes einheimste, bleibt es eine schöne Anerkennung für ein über 40 Jahre bestehendes Verlagsprogramm. Gewonnen haben:

Afrika: Bakame
Nordamerika: Chronicle Books (Verleger Jack Jensen erklärte sehr sympathisch: „Es braucht Bologna, um gute Kinderbücher zu machen“)
Zentral/Südamerika: Cosas Naivy
Europa: Planeta Tangerina
Asien: Tara Books
Ozeanien: Gecko Press

Auf der Bühne erleben konnten wir außerdem den Schriftsteller Daniel Pennac, der die Ehrendoktorwürde der Universität Bolognas erhalten hatte. Er erklärte, wie die Leseförderung bei ihm funktioniert hat: Als Kind sah er seinen Vater auf seinem Sessel sitzen, mit einem Licht über seinem Kopf, einer Pfeife im Mund und einem Buch auf den Knien. Für Daniel Pennac ein Bild des Glücks: „Und ich habe angefangen zu lesen, um dieses Bild zu reproduzieren.“

Am Ende der Veranstaltung trug eine Gruppe von Köchen und Konditoren eine überdimensionale Torte in Buchform auf die Bühne, die feierlich von Messe-Direktor Duccio Campagnoli angeschnitten wurde.

Die Illustratoren-Ausstellung – und noch mehr Preise

Auch auf der Messe gab es große Auszeichnungen: zum einen den mit 540.000 Euro dotierten Astrid Lindgren Memorial Award , der in diesem Jahr an die argentinische Kinderbuchillustratorin und -Autorin Isol ging. Ihr Leporello Ein Entlein kann so nützlich sein ist bei Jungbrunnen erschienen und für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Übersetzer Karl Rühmann hat Isols Titel vermittelt, er ist unter dem Namen Mladen Jandrlic mit seiner Zürcher Agentur books&rights am Schweizer Gemeinschaftstand in Bologna präsent. Bei Aufbau ist Wie siehst du denn aus? erschienen, und im Juli soll Überraschung für Nino bei Annette Betz herauskommen. Wäre schön, wenn im Zuge dieser bedeutenden Auszeichnung weitere Werke dieser überaus humorvollen Künstlerin ihren Weg in unseren Markt finden würden, so wie wie den Büchern von Kitty Crowther seit der ALMA-Auszeichnung wieder mehr Beachtung geschenkt werden.

Die Fundación SM vergab zum dritten Mal einen Preis an ein Talent aus der Illustratoren-Ausstellung. Im vergangenen Jahr hatten Evelyne Laube und Nina Wehrle die 30.000 US Dollar gewonnen, die mit einer Buchveröffentlichung bei SM einhergehen: ¿Quién es Guillermo Tell? (Wer ist Wilhelm Tell? lautet das Ergebnis der Schweizerinnen.

Die Gewinnerin dieses Jahres ist die Japanerin Satoe Tone, Jahrgang 1984, die anwesend und überwältigt war. Ausgewählt hatten sie die Juroren Kiyoko Matsuoka vom Itabashi Museum in Tokyo (dorthin wird die Illustratoren-Ausstellung u.a. wandern), Roberto Innocenti sowie Alysson Ribeiro, Artdirector von SM Brasilien.

Nach der Preisverleihung der Fundación SM verteilte Messechefin Roberta Chinni die Urkunden an die weiteren Teilnehmer der diesjährigen Illustratoren-Ausstellung. Bereits zum zweiten Mal vertreten war Sonja Danowski, deren Bilder wir vor zwei Jahren in Bologna entdeckt hatten und die inzwischen bei minedition in ihrem Bilderbuch Punkte, Baum und Faltertraum zu bestaunen sind.

Für ihre in diesem Jahr ausgestellten Bilder des Projekts Spring Lane No. 4 hat die in Berlin lebende Künstlerin unlängst einen Golden Island Award des Nami island international illustration Concours for picture book illustrations (NiiiC) gewonnen, dotiert mit 2.000 US Dollar und einer Einladung zum Festival Ende April. Derzeit arbeitet sie an Illustrationen zum Geschenk der Weisen für minedition.

Eine Entdeckung in diesem Jahr: Torben Kuhlmann, der an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg im Studiengang Illustration und Kommunikationsdesign studiert hat. Die ausgestellten Bilder entstammen seiner Diplomarbeit Lindbergh – Die Geschichte einer fliegenden Maus. Mehr unter www.torben-kuhlmann.com.

Roberta Chinnis Schuhe (doch.)

Oh, und als bei der Urkunden-Überreicherei die Blicke schweifen, entdecke ich noch etwas. Roberta Chinni steht und läuft am dritten Messetag in Schuhen, deren Anblick mich beinahe aus den Gesundheitslatschen haut. Eigentlich dachte ich, so etwas gibt es nur als Drohung in Modezeitschriften. Und die Frau läuft damit über die Messe. Wahrscheinlich geht sie mit denen anschließend noch zum Fußballtraining.

Von allen Eindrücken und Überraschungen erholt man sich nach einem langen Messetag in der Kinderbuchhandlung Stoppani und bei einem anschließenden schönen Abendessen in einem der lauschigen Lokale Bolognas. Ausklingen lässt man den Abend in der Swinebar, nachdem die Neonbar nicht mehr existiert. Also eigentlich vor der Swinebar, auf dem Bürgersteig, der freundlicherweise wie ein Großteil der Stadt mit Arkaden ausgestattet ist, außerdem wurden Heizpilze aufgestellt.

Man trifft die Illustratoren Judith Drews, Kristina Brasseler (auch sie erneut in der Illustratoren-Ausstellung vertreten) und Andrea Peter vom Berliner Atelier Flora, Jeanne Ashbé, Henning Löhlein, Eva Muszynski, Karsten Teich und viele andere, die wir noch nicht erwähnt haben. Es ist schön in Bologna, es bleibt die Vorfreude auf den Frühling und ein Wiedersehen im nächsten Jahr. Für alle wärmenden Hände und Worte, denen ich begegnen durfte: Ein großes und herzliches

Susanna Wengeler, Redaktion BuchMarkt

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