Die andere Marilyn

Anna Strasberg

Als Marilyn Monroe, geboren am 1. Juni 1926 als Norma Jeane Mortenson, am 5. August 1962 starb, gab es viele Fragen, die ihr Freund Marlon Brando später so zusammenfasste: „Wie konnte sich eine Frau, die alles hatte – Erfolg, Geld, blendendes Aussehen –, nur umbringen wollen? Es war einfach unbegreiflich; schließlich sind das doch genau die Dinge, die jeder sich wünscht, man konnte es nicht glauben, dass Marilyn Monroe am Leben nichts lag – oder dass ihr Leben woanders lag.“

Heute Mittag wurde auf der Frankfurter Buchmesse in einer Pressekonferenz des S. Fischer Verlags das Buch Marilyn Monroe. Tapfer lieben, das ihre persönlichen Aufzeichnungen, Gedichte und Briefe enthält, vorgesellt.

Die Entstehungsgeschichte dieses Buches ist so phantastisch wie die legendäre Schauspielerin selbst. Anna Strasberg, Witwe des 1982 verstorbenen Schauspielers und Schauspiellehrers Lee Strasberg stieß bei Aufräumarbeiten in ihrem Haus auf zwei Kartons mit Papieren. Sie gehörten zum persönlichen Besitz Marily Monroes, der nach ihrem Tod an Lee Strasberg ging. Ihre Kleider, Kosmetika und Bilder waren ihrem letzten Willen entsprechend längst verschenkt oder kamen caritativen Zwecken zugute, nur diese beiden Kartons gerieten in Vergessenheit und blieben jahrelang unentdeckt.

Auf der heutigen Pressekonferenz sagte Anna Strasberg: „Es gibt Dinge im Leben, die kann man nicht erklären. Als ich Marilyn Monroes Gedichte zum ersten Mal las, war ich tief berührt und verließ lange Zeit das Haus nicht. Ich wusste nicht, was damit geschehen sollte, aber ich wusste, die Zeit dafür würde kommen.“ Nach den Funden im Jahr 2007 vergingen noch viel Zeit, bis sie einen alten Freud der Familie, Stanley Buchthal, darauf ansprach und ihn um Rat bat. Stanley Buchthal war von den Briefen und Gedichten der legendären Schauspielerin genauso erschüttert wie die Finderin. Er sprach schließlich 2008 den Verlagsfachmann Bernard Comment an, man vereinbarte ein Treffen mit Anna Strasberg in New York.

„Ich wollte nur Marilyn Monroe im Buch, keine andere Stimme. Auf keinen Fall wollte ich die Briefe und Gedichte verkaufen“, berichtete Anna Strasberg auf der Pressekonferenz. „Das Buch erklärt sich selbst, es braucht keine Kommentare“, sagte sie.
Anna Strasberg ist Marilyn Monroe einmal kurz begegnet. „Doch jetzt erst habe ich sie kennen gelernt“, bekannte die Finderin, die zur Buchvorstellung extra nach Frankfurt gekommen ist, begleitet von ihrem Sohn David. „Lee, diese Reise ist für dich“, erklärte sie dazu und erläuterte, dass ihr Mann Bücher und die Messe liebte.

„Das Buch zeigt, wie mein Vater über Marilyn Monroe sprach. Das meiste, was ich über sie erfuhr, erzählte mir mein Vater“, ergänzte David Strasberg.

Stanley Buchthal, der gemeinsam mit Lee Strasberg an Kinoprojekten gearbeitet hat, urteilte über das Buch: „Es ist eine gute Ausgabe entstanden, die Marilyn Monroes Emotionen nachvollziehen lässt.“ Gute Partnerverlage wurden gefunden, das Buch erscheint in neun Ländern gleichzeitig. Doch die vorliegende Ausgabe ist keine kommerzielle, kein sexy Foto schmückt das Cover.

„Es hat so lange gedauert, weil äußerst sorgsam mit dem Material umgegangen worden ist“, erläuterte Hans Jürgen Balmes, Lektor bei S. Fischer. Aufgrund eines Anrufs von Bernard Comment gelangte das Buch zum Verlag – ein Glücksfall.
„Wenn wir das Buch lesen, folgen wir einem Schlittschuhläufer auf immer dünner werdendes Eis und hoffen, dass es nicht bricht, obwohl wir es besser wissen“, vergleicht Bernard Comment, gemeinsam mit Stanley Buchthal Herausgeber, die vorliegenden Gedichte, Briefe und Aufzeichnungen von Marilyn Monroe.

JF

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