Die Teilnehmer des Fellowship-Programms. Heute: Nora Mercurio, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main

Vom 4. bis 19. Oktober 2008 besuchen 16 Fellows auf Einladung der Frankfurter Buchmesse die Verlagsbranche in Frankfurt, München und Berlin. buchmarkt.de stellt Ihnen täglich einen der Teilnehmer vor.

Nora Mercurio

Nora Mercurio ist beim Suhrkamp Verlag für Rechte und Lizenzen zuständig. Sie freut sich besonders auf die Möglichkeit, den eigenen Markt einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben, nämlich der der mitreisenden Fellows.

buchmarkt.de: Bitte beschreiben Sie uns Ihren Verlag …
… mit einem Zitat von Siegfried Unseld: „Auf die Frage, wie in kürzester Form der Suhrkamp Verlag zu charakterisieren sei, antworte ich in der Regel: Hier werden keine Bücher publiziert, sondern Autoren.“

Der Suhrkamp Verlag, 1950 von Peter Suhrkamp auf Anregung Hermann Hesses gegründet und 1959 von Siegfried Unseld übernommen, der den Verlag bis 2002 als Verleger führte, publiziert zeitgenössische deutschsprachige und internationale Literatur und theoretische Arbeiten aus dem Gebiet der Humanwissenschaften.

Neben deutschsprachigen Hausautoren, deren Werk gesammelt im Verlag erscheint, stehen wiederentdeckte „klassische“ Autoren, neuentdeckte junge Autoren und große internationale Autoren. Im Zentrum des zweiten Publikationsschwerpunktes, der Humanwissenschaften, steht die Veröffentlichung der Werke bedeutender nationaler und internationaler Denker.

1951 wurde die Bibliothek Suhrkamp als Bibliothek der Klassiker der Moderne begründet, 1963 folgte als Erstausgabenreihe mit avantgardistischem Anspruch die edition suhrkamp, seit 1971 gibt es das suhrkamp taschenbuch, seit 1973 das suhrkamp taschenbuch wissenschaft, seit 2007 die an der Schnittstelle zwischen Geistes- und Naturwissenschaften angesiedelte edition unseld und ab November 2008 wird es die suhrkamp filmedition geben.

Der 1901 gegründete Insel Verlag gehört seit 1963 zum Suhrkamp Verlag, der 1902 gegründete Jüdische Verlag seit 1990, der Deutsche Klassiker Verlag wurde 1981 als Tochter der Verlage Suhrkamp und Insel gegründet und seit 2007 werden im Verlag der Weltreligionen die Tradition der religionsgeschichtlichen Publikationen der Verlagsgruppe fortgeführt.

Wie schätzen Sie den deutschen Buchmarkt ein?
Der deutsche Buchmarkt ist im internationalen Vergleich sicher einer der vitalsten und stärksten, trotz einer zunehmenden Konkurrenz durch andere Medien. Wir übersetzen viel und aus vielen Sprachen, was allerdings unsere zahlreichen starken deutschen Autoren nicht verdrängt, von denen speziell die jüngeren in den letzten Jahren auch im Ausland wieder intensiver wahrgenommen werden.

Auch auf unsere sorgfältigen Editionen und hochwertigen Wissenschaftstitel werde ich häufig angesprochen. Unsere Bücher fallen außerdem international durch eine sehr gute herstellerische Qualität auf, und auch das Festhalten an einer Erstverwertung im gebundenen Segment und der Zweitverwertung im Taschenbuch, wie sie hier von vielen Verlagen praktiziert wird, scheint mir im internationalen Vergleich zunehmend außergewöhnlich.

Nachholbedarf hingegen sehe ich hierzulande beim Experimentieren von neuen Produktionstechniken, Vertriebswegen und Werknutzungsweisen im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Vermutlich liegt es an dem vergleichsweise starken deutschen Buchmarkt und der hohen Qualität unserer Publikationen, dass eine Verschiebung vom Papier zum Display und vom Offset-Druck zur PoD-Technology nicht in der gleichen Weise als notwendig empfunden wird, wie dies in anderen Ländern der Fall ist, und daher, zumindest von den Publikumsverlagen, zögerlicher ausprobiert wird.

Welche Erwartungen haben Sie an das Fellowship-Programm und die Frankfurter Buchmesse 2008?
Ich freue ich mich auf das Fellowship, aus drei Gründen: die Möglichkeit, den eigenen Markt einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben, nämlich der der mitreisenden Fellows, ist nahezu einmalig. Gleichzeitig bin ich sehr gespannt darauf, was ich über diejenigen Bereiche des Buchwesens erfahren werde, mit denen ich in meiner eigenen Arbeit wenig zu tun habe und für deren Vertiefung im Alltag immer die Zeit fehlt. Last not least: die Fellows selber.

Ich weiß es von einem anderen Fellowship, an dem ich teilgenommen habe: Man knüpft professionelle und private Kontakte, die überaus wertvoll sind, zumal in einem Arbeitsumfeld, in dem man immer wieder auf das persönliche Gespräch mit Kollegen, die man kennt und denen man vertraut, zurückgreift.

Dies ist auch der wichtigste Aspekt der Frankfurter Buchmesse für unsere Arbeit: die Gelegenheit, diejenigen Kollegen, mit denen man das ganze Jahr über arbeitet, hier persönlich zu treffen und sich auszutauschen, neue Projekte zu initiieren, Probleme unter vier Augen zu besprechen und gemeinsame Erfolge zu feiern. Unverzichtbar und wunderbar!

Das Fellowship Programm wurde anlässlich des 50. Jubiläums der Frankfurter Buchmesse 1998 ins Leben gerufen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich ein enges Netz innerhalb der internationalen Verlagsbranche gebildet. Über 165 Teilnehmer aus 45 Ländern konnten bereits von diesem Programm profitieren. In diesem Jahr wird es von Martina Stemann von der Frankfurter Buchmesse organisiert und vom ehemaligen Fellow Laurenz Bolliger vom Berlin Verlag begleitet.

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