Die wichtigste Buchmesse Lateinamerikas ging am Wochenende zu Ende: Positive Bilanz am Deutschen Gemeinschaftsstand auf der Feria del libro in Guadalajara

Die diesjährige Feria del libro (FIL) in Guadalajara,

Deutscher Gemeinschaftsstand in Guadalajara

Mexiko, die wichtigste Buchmesse in Lateinamerika, ist am Sonntag zu Ende gegangen. Wer im spanischsprachigen Raum Rang und Namen hat – und auch wer vorläufig (oder wieder?) nur über einen Namen verfügt – ist dabei: die Großen wie die Größeren, die Kleinen und die ganz Feinen.

Neben Großbauten mit Terasse und Wendeltreppe ducken sich Stände so klein wie Telefonzellen, die sich dann zwei Eine-Frau-Verlage teilen.

Bücherturm in Mexiko

Die Großen haben ihre Bücher zu kunstvollen Türmen gestapelt, die Kleinen legen ihre drei Bücher auf den Tisch und freuen sich um jeden, der sich hinsetzt und darin blättern will.

Doch eines spürt der Besucher überall: die Neugier, die Lust am Gespräch und am Austausch. Entweder man kennt sich vom letzten Jahr („¡qué gusto verte!“) oder man lernt sich eben dieses Mal kennen („¡qué gusto conocerte!“), und gleich geht es los: schöne Bücher, originelle Progamme, mutige Ideen, prominente oder gerade entdeckte Autoren, verblüffende Illustratoren, außergewöhnliche Konzepte. Die Gespräche sind immer engagiert, die Herzlichkeit, die sonst rasch anstrengend werden kann, wirkt hier eher belebend.

Zwar muss man manchmal sehr, na ja: flexibel sein. Susanne Zeller von bohem press: „Wenn man einen Termin abmacht, heißt das noch lange nicht, dass die potentiellen Geschäftspartner tatsächlich kommen. Oder besser: Sie kommen schon, aber vielleicht erst am nächsten oder übernächsten Tag. Aber wenn man flexibel bleibt, geht alles. Man trifft halt Leute, die man nur in Guadalajara treffen kann, die nicht zu den europäischen Messen kommen. Und nur schon darum ist es wichtig, hierher zu kommen.“

Weitere Stimmen vom deutschen Gemeinschaftsstand der Frankfurter Buchmesse: Claudia Medin vom Coppenrath Verlag lobt die Atmosphäre. „Man wird überall mit offenen Armen empfangen. Und hier geht irgendwie beides: Man kann durch die Messe schlendern, sich die schönen Bücher anschauen und mit Verlegern, Autoren, Illustratoren sprechen. Und dann kann man aber auch Geschäfte machen und Kontakte knüpfen, die wiederum für künftige Geschäfte sehr wichtig sind.“

Kai-Ting Pan vom Compact Verlag teilt diesen Eindruck: „Hier habe ich sehr herzliche, sehr offene Menschen getroffen, die begeistert sind vom Buch. Der Markt hier ist ganz anders, lässt sich mit keinem anderen vergleichen. Ich freue mich schon darauf, im nächsten Jahr wiederzukommen.“

Dawn Lacy, Baumhaus Verlag, lobt die Aufgeschlossenheit der Aussteller und der Besucher. „Man konnte sehr spontan neue Verlagskollegen kennenlernen und Termine ausmachen. Auch sehr hilfreich war der Austausch mit den deutschen Kollegen, die sich gegenseitig geholfen und beraten haben.“

„Was mir hier auch gefällt“, sagt Helga Uhlemann vom Tessloff Verlag, „ist die Anwesenheit der ,Entscheider` aus ganz Lateinamerika, so dass man in einer herzlichen und offenen Atmosphäre auch gut und effizient arbeiten kann.“

Dass die Gespräche immer wieder vor einem musikalischen Hintergrund stattfinden, stört nicht wirklich. An einigen Ständen werden auch CDs verkauft, und am Messefreitag kommen auch die unvermeidlichen Mariachis vorbei.

Mexikanische Kollegen verdrehen manchmal mehr oder weniger diskret die Augen, aber die Ausländer freut es, jenes Mexiko leibhaftig zu sehen, das man sonst nur aus Telenovelas oder Western-Filmen kennt. Der Stand, vor welchem die Mariachis stehen bleiben, ist als der schönste auserkoren worden, und genießt die Aufmerksamkeit (vielleicht auch den Neid) der Nachbarn.

Mladen Jandrlic

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